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01.03.2013

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Ländervergleich

Österreich hat im internationalen Vergleich noch Aufholbedarf. In Italien hat sich Arbeitssicherheit schon mehr durchgesetzt. In den deutschen Unternehmen gibt es auch noch Entwicklungs- und Verbesserungspotenziale.

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz hat in einer europaweiten Unternehmensumfrage den Status Quo und zukünftige Entwicklungen sowie Herausforderungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz erhoben. In 31 Ländern wurden im Jahr 2009 über 28.000 Manager und über 7.200 Beauftragte für Sicherheit und Gesundheitsschutz befragt. Der umfassende Bericht kann hier nachgelesen werden.

Erste Erkenntnisse aus dem Ländervergleich

Auf die Frage „Gibt es eine schriftlich dokumentierte Richtlinie, ein etabliertes Managementsystem oder einen Aktionsplan zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit im Betrieb?“ erreicht Österreich nur einen Deckungsgrad von 70%. Österreich liegt zwar damit im Vergleich ähnlich gut wie Deutschland oder die Schweiz, aber deutlich hinter Italien, Belgien oder den Niederlanden mit 85% oder gar Norwegen, Finnland und Dänemark mit 100% Deckungsgrad.

Auf die Frage nach der Häufigkeit der Thematisierung von Sicherheits- und Gesundheitsschutzfragen in Besprechungen liegt Italien aus Platz 19 und Österreich auf dem 23. Platz von 31 möglichen Platzierungen. Deutschland liegt hier nur geringfügig besser auf Rang 20. Unter den Top 5 Ländern liegen Schweden (in über 65% der Betriebe), England und Holland mit knapp 60% der Betriebe vor Norwegen und Irland. In rund 40% der Betriebe in allen 31 Ländern werden Sicherheits- und Gesundheitsschutzfragen in Besprechungen der Führungskräfte thematisiert. Italien liegt hier knapp unter dem Mittel der EU 27 bzw. des Mittelwertes der Studienteilnehmer aus 31 Ländern, Österreich ca. 10 Prozentpunkte unter dem EU-Schnitt.

Länderübergreifende Erkenntnisse

Treiber: Jene Betriebe, die einen Beauftragten für Sicherheit und Gesundheitsschutz haben, z.B. Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsvertrauensperson führen idR häufiger Gefährdungsbeurteilungen durch. In Italien nimmt die Sicherheitsfachkraft mit 93% der Nennungen eine ganz entscheidende Rolle bei den sogenannten Sachverständigen ein. Im Rahmen der Überprüfungen werden v.a. „Ausrüstung und Arbeitsumgebung“ (96%) und „Angebot von Weiterbildungsmaßnahmen“ (80%) geprüft.

Hemmfaktoren: Betriebe, in denen keine Strategie in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz oder keine Gefährdungsbeurteilung vorhanden ist, geben als maßgebliche Gründe dafür an, dass es nicht als notwendig erachtet wird oder dass es am nötigen Fachwissen fehle. Dies betrifft vor allem z.B. Finanzdienstleister oder KMU. Als weitere Gründe werden Zeitmangel, es wird kein Nutzen gesehen und fehlende Mittel angeführt.

Wesentliche Motive
: Die Erfüllung rechtlicher Pflichten (90%) scheint das wichtigste Motiv für das Management zu sein. In einigen Ländern erreicht dieser Wert 96% und 97% der Nennungen.

Aber auch die Mitarbeiter fordern die Auseinandersetzung ein (76%). An dritter Stelle fordern Kunden Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutz ein (67%). Erst an vierter Stelle ist Arbeitssicherheit- und Gesundheitsschutz ein Thema der Mitarbeiterbindung und ein Instrument zur Reduktion von Fehlzeiten (59%).

Bewegende Themen: Unfälle (80%), Muskel- und Skeletterkrankungen (78%) sowie arbeitsbedingter Stress (79%) zählen zu den wesentlichen Problemfeldern. Etwas abgestuft folgen die Problemfelder Lärm und Vibrationen sowie Gefahrstoffe mit je über 60%. Unfälle spielen vor allem im Baugewerbe (90%) sowie in der Energie- und Wasserversorgung (87%) die größte Rolle. Muskel- und Skeletterkrankungen sind v.a. in den Branchen Energie- und Wasserversorgung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen ein Topthema. Arbeitsbedingter Stress häuft sich am meisten im Gesundheits- und Sozialwesen und im Bildungswesen. Lärm und Vibrationen spielen wiederum im Bergbau (84%) und im Baugewerbe (82%) eine ganz entscheidende Rolle.


Schlußfolgerungen

Obwohl die Gesetzgebung in Österreich, in Deutschland und in Italien zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz umfassend ist und sehr ins Detail geht, dabei zahlreiche Beauftragte auch definiert, scheint Österreich im internationalen Vergleich in der praktischen Umsetzung noch aufholen zu können. Italien hat hier einen Vorsprung in der Umsetzung, aber auch noch Verbesserungspotenziale. Dies ist umso erstaunlicher, da die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen das Hauptmotiv schlecht hin ist.

Das Thema wird in manchen Branchen und in KMUs noch falsch eingeschätzt oder unterschätzt. Dh, hier fehlt es noch an der Bewusstseinsbildung.

Der Führung kommt eine zentrale Verantwortung (Wahrung der Sorgfaltspflichten, Erfüllung von gesetzlichen Anforderungen) und Vorbildfunktion (gegenüber Mitarbeitern) zu.

Im Rahmen der Führung zählen das Festlegen der entsprechenden Politik, die innerbetriebliche Kommunikation, das Festlegen von Verantwortlichkeiten zu den zentralen Faktoren einer erfolgreichen Umsetzung. Mit der Festlegung von Verantwortlichkeiten/Beauftragten sollten auch die Ressourcen für die gezielte Kompetenzentwicklung bereitgestellt werden, denn fehlendes Fachwissen, fehlende Mittel und Zeitmangel werden als Ursachen für die fehlende Auseinandersetzung mit dem betrieblichen Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutz angeführt.

Eckehard Bauer, u.a. Produktmanager für Qualität und Sicherheit bei der Quality Austria Trainings-, Zertifizierungs- und Begutachtungs GmbH: “Damit werden aber zentrale Anforderungen z.B. auch in der Norm OHSAS 18001 angesprochen.“

OHSAS 18001 als passendes Managementwerkzeug

Dieser OHSAS 18001 Standard beinhaltet Kriterien zur Bewertung eines Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutz Managementsystems für alle Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe. Die Version 2007 von OHSAS 18001 betont im Vergleich zur vorigen Version stärker den Aspekt Gesundheitsschutz im Hinblick auf Prävention und nachhaltiger Gesundheitsförderung. Die Einführung dieser Norm bewirkt eine Systematisierung der Sicherheitsaktivitäten und Verbesserung der Prozesse. Bauer: „Das Bewusstsein für Arbeitssicherheitsrisiken wird gestärkt, gesetzliche Forderungen bzgl. der Arbeitssicherheit werden nachweislich erfüllt, offene Informationspolitik über die Entwicklung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes wird betrieben und es kommt zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes.“ Prozesse werden systematisch untersucht, Maßnahmen festgelegt, umgesetzt, überwacht und beurteilt.
Ein nach OHSAS 18001 zertifiziertes Unternehmen weckt höheres Vertrauen bei Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern, Behörden und Investoren. Quality Austria bietet Ausbildungen zum Systembeauftragten und zum Systemmanager Sicherheit und Gesundheitsschutz und Zertifizierungen nach OHSAS 18001, SCC und SCP an.


Anschlußfragen zum Selbstcheck

  • Ist die Betriebsanlagengenehmigung aufrecht? Entspricht diese Betriebsanlagengenehmigung dem aktuellen Stand des Unternehmens hinsichtlich Infrastruktur, Anlagen, Produkte und Prozesse?
  • Wird die Eigenüberprüfung nach §82b Gewerbeordnung regelmäßig durchgeführt?
  • Gibt es eine gewartete Arbeitsplatzevaluierung (wichtige Stichworte: Unfälle, Beinaheunfälle, Änderungen Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe)?
  • Gibt es aktive Programme zur Erkennung, Minimierung bzw. Vermeidung von Gefährdungen? 


DI Axel Dick, MSc
Prokurist Marketing
Quality Austria
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Eckehard Bauer, MSc
Prokurist Business Development Qualitäts-, Risiko- und Sicherheitsmanagement, Business Continuity, Quality Austria
E-Mail