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02.03.2017

ISO 14001:2015: Die Weinrebe im Klimawandel und was die Norm damit zu tun hat

Verstehen des Kontextes der Organisation, Umweltzustände, Chancen und Risiken, Maßnahmenplanung

Der Klimawandel setzt Winzern zu und wird die Weinwirtschaft stark verändern. Die betroffenen Weinbauern befassen sich natürlich längst mit den anstehenden Veränderungen, die unter anderem auch neue Anbauflächen notwendig machen werden. Eine dementsprechende Gesetzesnovellierung wird angestrebt.

Welche Ursachen-/Wirkungszusammenhänge gilt es nun zu verstehen:

  • Weinreben sind äußerst sensible Klimaindikatoren;
  • Austrieb und Blüte sind in den vergangenen 20 Jahren um etwa zehn Tage nach vor gerückt (also früher);
  • es erhöht sich das Risiko, dass Frost großen Schaden an dem bereits vorhandenen Grün anrichtet;
  • da es nicht möglich ist, weiter in die Höhe zu gehen, wird schon längst an der Züchtung spätreifer Sorten gearbeitet;
  • Wein am Nordhang anzubauen, ist aus Qualitätsgründen bisher nicht erlaubt (Gesetzesnovelle wird gefordert);
  • Chance: Der Klimawandel macht auch das Umfeld für Rotwein gedeihlicher.

Der risikobasierte Denkansatz der ISO 14001:2015

Das Thema Verstehen der Organisation und ihres Kontextes (Zusammenhang) ist neu (4.1). Dabei muss die Organisation externe und interne Themen bestimmen, die für den Zweck relevant sind und sich auf ihre Fähigkeit auswirken, die beabsichtigten Ergebnisse ihres Umweltmanagementsystems zu erreichen. Derartige Themen müssen Umweltzustände mit einschließen, die durch die Organisation beeinflusst werden oder die Organisation beeinflussen können.

Im Vergleich zu den Anforderungen der ISO 9001:2015 fällt auf, dass Umweltzustände im Zusammenhang mit dem Kontext spezifisch für die ISO 14001:2015 sind und, dass die Relevanz für die strategische Ausrichtung unter 4.1 in der ISO 14001:2015 nicht angeführt ist.   Der Umweltzustand ist als Status oder Merkmale der Umwelt, wie zu einem gegebenen Zeitpunkt bestimmt, definiert (3.2.3). Umwelt ist die Umgebung, in der eine Organisation tätig ist, einschließlich Luft, Wasser, Boden, natürliche Ressourcen, Flora, Fauna, Menschen und deren wechselseitige Beziehungen (3.2.1).  

Eines der Ziele eines Umweltmanagementsystems lautet (0.2):

  • Minderung der möglichen nachteiligen Auswirkungen von Umweltzuständen auf die Organisation

Unter Erfolgsfaktoren (0.3) eines Umweltmanagementsystems wird angeführt:
Die oberste Leitung kann ihre Risiken und Chancen wirksam handhaben, indem sie das Umweltmanagement in die Geschäftsprozesse, strategische Ausrichtung (in der ISO 9001:2015 unter 4.1 Verstehen des Kontextes) und Entscheidungsfindung der Organisation in Abstimmung mit anderen geschäftlichen Prioritäten integriert sowie eine umweltorientierte Unternehmensführung in das gesamte Managementsystem einbezieht.

"Wissen" spielt in diesem Zusammenhang auch eine Rolle. Beim Aufbau bzw. bei der Aufrechterhaltung eines Umweltmanagementsystems (4.4) muss die Organisation das in 4.1 und 4.2 gewonene Wissen berücksichtigen. 

Die oberste Leitung muss in Bezug auf das Umweltmanagementsytem Führung und Verpflichtung zeigen, indem sie sicherstellt, dass die Umweltpolitik und die Umweltziele festgelegt und mit der strategischen Ausichtung und dem Kontext der Organisation vereinbar sind (5.1).

Unter 6.1 Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen muss die Organisation die unter 4.1 genannten Themen (externe und interne Themen) berücksichtigen und die Risiken und Chancen bestimmen, in Verbindung mit ihren Umweltaspekten und bindenden Verpflichtungen. Die Risiken und Chancen sind in Beziehung zu 4.1 zu sehen (Anmerkung: quasi Geschäftsrisiken).

Zum besseren Verständnis, wie diese Planungsaktivitäten in der Praxis gehandhabt werden könnten, wird auf die ISO 14004:2016 - Umweltmanagementsysteme: Allgemeiner Leitfaden zur Verwirklichung - verwiesen. Unter Anhang A werden in Tabelle A.1 Beispiele unter Berücksichtigung von:

  • Tätigkeit, Produkt, Dienstleistung
  • Umweltaspekte
  • Tatsächliche oder potenzielle Umweltauswirkungen
  • Risiken und Chancen, die zu berücksichtigen sind
  • Planung und Durchführung von Maßnahmen

erläutert. Hier wird sehr gut dargelegt, dass sich Chancen und Risiken auf die externen bzw. internen Themen beziehen. Die Maßnahmen beziehen sich auf die ermittelten Chancen und Risiken.

Zusammenfassung

Um abschließend wieder auf die Weinreben-Problematik zurückzukommen, lässt sich nun sehr gut betrachten, dass Klimawandel nicht nur ein Kontextthema ist.

Konkrete Auswirkungen und Folgen müssen von Fall zu Fall (bzw. von Unternehmen zu Unternehmen) thematisiert werden, in unserem Beispiel der frühere Austrieb und Blüte. Damit verbunden sind Risiken (z.B. Frostschäden als Geschäftsrisiko) sowie erforderliche Maßnahmen, wie z.B. Wein an Nordhängen anzubauen, was wiederum Gesetzesänderungen erfordert. Wesentlich ist auch, neben den Risiken auch die Chancen zu betrachten, in diesem Fall das gedeihlichere Umfeld für Rotweine.

Managementsysteme unterstützen hierbei das Denken in Ursachen-/Wirkungszusammenhängen, den Aufbau von Wissen (im Sinne von handlungs- und entscheidungsrelevanten Informationen) und somit die faktengestützte Entscheidungsfindung. Ebenso wird es dadurch möglich, auf Veränderungen im Umfeld zeitnah reagieren zu können.

Autor

Ing. Wolfgang Hackenauer MSc
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