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22.12.2017

Studienreport zur Entwicklung des „Business Case“ für Umwelt-, Energie- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen – am Beispiel eines solar-elektrischen Pflegedienstes

Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement wird häufig nur als Kostenfaktor angesehen und dann wenig prioritär behandelt. Das Gegenteil ist aber der Fall, wie ein neuer Studienreport des Institute for Integrated Quality Design (IQD) der Johannes Kepler Universität Linz in Zusammenarbeit mit dem Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg veranschaulicht: Innovative Unternehmer verknüpfen betriebliche Umweltmanagementmaßnahmen geschickt mit der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Oft brechen Pionier-Unternehmer damit auch überkommene Denkstrukturen auf und fördern den industriellen Wandel.

Einführung

Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement wird häufig immer noch als lästige Notwendigkeit betrachtet und dementsprechend wenig strategisch oder sogar stiefmütterlich behandelt. Teilweise wird es lediglich als Compliance Ansatz verstanden, mit dem allein die Rechtssicherheit des Betriebs gestärkt werden soll. Die Forschung über die Anwendung des sogenannten „Business Case for Sustainability“ (Schaltegger et al. 2012) zeigt einen anderen Weg auf: Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte können gezielt entwickelt und umgesetzt werden, sodass sie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen.

Ziel der nun veröffentlichten Studie ist es, die Entwicklung des Business Case am Beispiel proaktiver Verbesserungsmaßnahmen im Energiebereich in kleinen bzw. mittleren Unternehmen (KMU) zu veranschaulichen.

Der Business Case der (betrieblichen) Energiewende

Die Treiber auf die Wettbewerbsfähigkeit wurden mit dem Konzept des ‘Business Case for Sustainability‘ untersucht (Schaltegger et al. 2012). Dieses Konzept zielt darauf ab, betriebliche Umwelt- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen gezielt umzusetzen, sodass sie (direkt oder indirekt) positive Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg leisten und somit eine intrinsische Motivation für ein unternehmerisches Engagement in Richtung nachhaltiger Entwicklung ermöglichen. Während bei Energieeffizienz-Maßnahmen häufig nur Kostenvorteile im Vordergrund stehen, zielen weitere Business Case Treiber beispielsweise auf die Steigerung von Reputation, Innovationsfähigkeit und Umsatz ab. Im Kontext des Energiemanagements können erneuerbare Energien, Elektromobilität und die Entwicklung von klimaneutralen oder Positiv-Energie-Unternehmen Bestandteile des Business Case werden (Abbildung 1).

Fallstudie in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Pflegesektor

In dem der Studie zugrunde liegenden Projekt wurde anhand der Lüneburger Betriebe PMK-Pflegedienst GmbH und TMK Tagespflege mit Kompetenz GmbH (Deutschland) untersucht, wie innovative Maßnahmen für die betriebliche Energiewende auf die unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit wirken. Dazu wurden im Rahmen einer qualitativen Tiefen-Fallstudie Interviews mit allen wichtigen Anspruchsgruppen geführt (z.B. Geschäftsführung, Mitarbeiter, Kunden, Politik), interne Finanz- und Energiedaten analysiert und Medienartikel ausgewertet.

Betriebliche Energiemaßnahmen

Die Geschäftsführer der beiden Unternehmen in der Pflegebranche haben im Laufe mehrerer Jahre ein integriertes Energieerzeugungs- und Energienutzungskonzept für erneuerbare Energien entwickelt, das den selbsterzeugten Strom aus den Photovoltaikanlagen für den eigenen Geschäftsbetrieb nutzbar macht. Dafür wurde die eigene Fahrzeugflotte des ambulanten Pflegedienstes nach und nach um Elektrofahrzeuge erweitert, die an der unternehmenseigenen Photovoltaikanlage aufgeladen werden. Damit erhöhen die Unternehmen nicht nur den Eigenverbrauchsanteil des Solarstroms (und entlasten so die Verteilnetze), sondern gehen auch einen ersten Schritt in Richtung klimaneutraler Mobilität. Dies wiederum war der Auslöser um im Rahmen von Innovationsworkshops über zukünftige Dienstleistungsangebote nachzudenken (z.B. klimaneutrale Pflege).

Zeitliche Entwicklung der Business Case Treiber

Eine Untersuchung der Business Case Treiber zeigt, dass Unternehmen zunächst auf die „Low-Hanging Fruits“ des Umwelt- bzw. Energiemanagements fokussiert sind, um Kosteneinsparungspotentiale zu erschließen (z.B. Energieeffizienz). Sie zeigt aber auch, dass wesentlich investitionsintensivere Maßnahmen mit höherem Nachhaltigkeitspotential wie beispielsweise Fuhrpark-Umstellung, erneuerbare Energieversorgung und Energieautarkie-Bestrebungen, im Sinne der Wettbewerbssteigerung lohnenswert sein können, wenn diese mit der Geschäftstätigkeit systematisch verknüpft werden.

    In der Fallstudie konnten sechs Entwicklungsschritte für den Business Case identifiziert werden (Abbildung 3):

    • Die initialen Energieeffizienzmaßnahmen (Gebäudedämmung, Heizungs- und Lichtanlage) sprechen zunächst die üblichen Kostenreduktionspotentiale an.
    • Die Installation der Photovoltaikanlage auf den eigenen Dachflächen trägt zusätzlich zu einer teilweisen Unabhängigkeit von stark fluktuierenden Energiepreisen bei (Risiko- und Kostenreduzierung) und führt durch die direkte Sichtbarkeit der PV-Module zu einer Reputationssteigerung im direkten Umfeld der Unternehmen.
    • Der nun nahezu kostenlos zur Verfügung stehende Strom veranlasste die Unternehmer zu der Einführung einer eigenen Solar-Tankstelle und der Einführung elektrisch betriebener Fahrzeuge für den Fuhrpark für den mobilen Pflegebetrieb. Um solares Tanken am Firmenstandort zu realisieren, mussten die Arbeitsprozesse teilweise angepasst werden z.B. der Schichtbetrieb und die Pausen, um solares Laden am Firmenstandort zu ermöglichen. Insgesamt trug dies zur Prozessinnovation und der Innovationsfähigkeit insgesamt bei.
    • Durch das angenehme Fahrgefühl und dem gestiegenen Komfort der E-Fahrzeuge hat sich die Mitarbeiterzufriedenheit positiv entwickelt.
    • Da diese neuartigen Fahrzeuge mit auffälliger Lackierung (Sonne) im gesamten Stadtgebiet unterwegs sind, steigerten diese die mediale Aufmerksamkeit und somit Reputation des Pflegeunternehmens.
    • Die Einführung von klimaneutralen Pflegedienstleistungen (basierend auf dem solarelektrischen Fuhrpark) wirken letztendlich positiv auf die Kundenbindung und können neue Marktsegmente erschließen.

    Fazit

    Der nun vorgestellte Studienreport zeigt, dass Unternehmen – insbesondere auch kleine und mittlere Betriebe – Umwelt-, Energie- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit nutzen können, wenn sie diese systematisch entwickeln und ganzheitlich im Betrieb bzw. in der Unternehmensstrategie integrieren. So können diese Maßnahmen letztendlich dazu führen, zukunftsfähige betriebliche Energie- und Geschäftskonzepte zu entwickeln. Die Erfolge zahlreicher Pioniere zeigen den Weg und liefern wichtige Impulse für die nachhaltigkeitsorientierte Umgestaltung bestehender Wirtschaftsstrukturen.

    Literatur und Download der Studie

    Schaltegger, S.; Freund, F. L. & Hansen, E. G. (2012): Business cases for sustainability: the role of business model innovation for corporate sustainability, International Journal of Innovation and Sustainable Development, Vol. 6, No. 2, 95.

    Kontakt

    Prof. Dr. Erik G. Hansen

    Leiter Institute for Integrated Quality Design
    Johannes Kepler University Linz (JKU)
    Altenberger Str. 69, A-4040 Linz

    Email: erik.hansen(at)jku.at
    www.jku.at/iqd

    Ferdinand Revellio, MSc

    Centre for Sustainability Management (CSM)
    Leuphana Universität Lüneburg
    Scharnhorststr. 1, D-21335 Lüneburg

    Tel.: +49 4131 677-2167
    Email: ferdinand.revellio(at)uni.leuphana.de
    www.leuphana.de/csm

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    Kontakte

    Herr DI Axel Dick, MSc

    Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR

    Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

    Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

    Herr DI Peter Sattler, MAS

    Netzwerkpartner, Produktexperte FSC CoC, PEFC CoC