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03.12.2018

„Man muss zugleich beherzter Befürworter und Kritiker der Elektromobilität sein“

5. qualityaustria Umwelt- und Energieforum

Eine kritische aber gleichsam konstruktive Herangehensweise herrschte beim 5. qualityaustria Umwelt- und Energieforum am Donnerstag, den 29. November im Haus der Musik in Wien. Unter dem Veranstaltungsmotto „Stellen wir die richtigen Weichen“ wurden Versuche mit strombetriebenen Oberleitungs-LKW vorgestellt, ein Leuchtturmprojekt zur Herstellung von grünem Wasserstoff präsentiert und die Ziele von Österreichs Klima- und Energiestrategie #2030 auf ihre Praxistauglichkeit bewertet. Zudem erklärten Experten, wie es mittels Energiemanagementsystemen möglich ist, Einsparungs- und Verbesserungspotentiale aufzudecken.

„Jeder redet über den Klimawandel, aber die Daten und Fakten sowie die Folgewirkungen sind vielen nicht bekannt. Das macht es so schwer, dass wir ins Handeln kommen“, appellierte Axel Dick, Business Development Umwelt und Energie, CSR bei der Quality Austria bei der Eröffnung des 5. qualityaustria Umwelt- und Energieforums. Konrad Scheiber, CEO der Quality Austria, verwies auf die Vorreiterrolle seines Unternehmens, das als erste Zertifizierungsstelle Österreichs für das Energiemanagementsystem ISO 50001:2018 akkreditiert wurde. „Wir können mannigfach etwas gegen den Klimawandel tun, indem wir die Standardisierung vorantreiben und konsequent umsetzen“, wie Scheiber betonte.

Andreas Tschulik, Leiter der Abteilung Betrieblicher Umweltschutz und Technologie im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus griff zu noch drastischeren Worten: „Nur mehr ein rasches und entschiedenes Handeln kann eine katastrophale Entwicklung verhindern. Die Risiken und Gefahren des Klimawandels sind groß — auch die wirtschaftlichen Risiken in Österreich.“ Das beginne in der Forstwirtschaft und ende in der Energiewirtschaft. Die Forstwirtschaft rechnet für heuer und in Zukunft mit klimabedingten Schäden in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr. Die Trockenheit in diesem Jahr und das damit verbundene Niedrigwasser in der Donau habe beispielsweise zu einer verringerten Stromerzeugung geführt. „Wir sehen alle, dass sich die Extremereignisse häufen und wir haben das technisch bisher eigentlich gut im Griff“, wie Tschulik betont, aber das löse das Grundproblem des Klimawandels nicht, daher müssen rasch Maßnahmen zur CO2-Reduktion gesetzt werden.

 

Klimaziele Österreichs für 2020 sind fraglich

Eine Einschätzung der Lage in Österreich anhand des Klimaschutzberichts 2018 gab es von Elisabeth Rigler, Leiterin der Abteilung „Klimaschutz und Emissionsinventuren“ im Umweltbundesamt. Der Bericht gilt als DAS Standardwerk für klimapolitische Analysen und Entscheidungen und wird jährlich vom Umweltbundesamt herausgegeben. Unter anderem ist darin eine Einschätzung der Zielerreichung 2020 und 2030 zu finden. „Aufgrund der aktuellen Daten ist nicht gesichert, dass die Klimaziele 2020 für Österreich erreicht werden“, warnte Rigler. Neben der Energiewende brauche es ein Umdenken und Initiativen der Gesellschaft sowie eine Änderung des Wirtschaftssystems in Richtung Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft. „Weitreichende Maßnahmen zur Verminderung des Einsatzes fossiler Energie sowie im Bereich Landwirtschaft sind auch für die Energie- und Klimaziele 2030 unerlässlich“, plädierte die Expertin.

Fahrplan des nationalen Energie- und Klimaplans

Den weiteren Fahrplan bei der Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung (#mission2030) erläuterte Christopher Lamport von der Abteilung „Koordination Klimapolitik“ im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus: „Im Rahmen des nationalen Energie- und Klimaplans, der mit Jahresende 2018 als Entwurf an die Europäische Kommission zu übermitteln sein wird, ist der Weg zu den gesteckten Zielen unter Einbindung der Bundesländer und weiterer Stakeholder weiter zu konkretisieren.“

 

Einsparungs- und Verbesserungspotentiale aufdecken

Friedrich Schröder, Direktor Quality & EHS (Environment, Health & Safety) bei der Eaton Industries GmbH, hat sich der Verbesserung der Energieeffizienz durch Energiemanagement-Technologien verschrieben. „Als Unterstützung bei der korrekten Umsetzung betreiben wir ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001:2011, das uns dabei unterstützt, Einsparungs- und Verbesserungspotentiale aufzudecken und im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten gewinnbringend umzusetzen.“ Zahlreiche umgesetzte oder geplante Maßnahmen wurden vorgestellt. Auch Wolfgang Hackenauer, Umweltgutachter, Auditor und qualityaustria Produktexperte in den Bereichen Umwelt und Energie hob die Vorteile von Umwelt- und Energiemanagementsystemen hervor. Diese hätten die Fähigkeit, Organisationen dabei zu unterstützen, zeitgerecht und effizient auf Veränderungen und erkennbare Gefährdungen zu reagieren. „Leistungsverbesserungen und Erfolge können nicht eingefordert werden – diese müssen erarbeitet und verstanden werden“, betonte der Experte.

Teststrecke für Oberleitungs-LKW

Rudolf Zauner, Head of Hydrogen Center bei der Verbund Solutions GmbH präsentierte das Projekt H2FUTURE, bei dem es um die Herstellung von grünem Wasserstoff für die Stahlindustrie geht. „Grüner Wasserstoff aus erneuerbarem Strom wird in Zukunft als Energieträger und Speichermedium eine immer wichtigere Rolle einnehmen, um größere Anteile von Wind- und Solarstrom in das Energiesystem zu integrieren“, betonte der Fachmann. Michael Schwingshackl, Mobilitätsexperte bei der Plattform Footprint, ging der Frage nach, ob und wie wir uns künftig elektronisch fortbewegen werden. „Für ein Streben nach einer zukunftsfähigen Elektromobilität muss man gleichermaßen beherzter Befürworter und Kritiker von gewissen Formen der Elektromobilität sein“, so der Experte. Schwingshackl präsentierte auch Beispiele für Pilotprojekte aus anderen Ländern, wie eine zwei Kilometer lange Teststrecke für strombetriebene Oberleitungs-LKW in Schweden. Zudem ließen sich 80 % der LKW in Deutschland auf E-Antrieb umrüsten. Die Kosten für die dazugehörige Infrastruktur dürften sich auf 1 bis 3 Mio. Euro pro Kilometer belaufen.

Güterverkehr ist planbarer als Individualverkehr

Der Güterverkehr war auch das Thema von Nikolaus Skarabela, CSR – Effizienz- und Mobilitätsbeauftragter bei der Schachinger Logistik Holding GmbH: „Knapp die Hälfte der CO2-Emissionen im Verkehr werden vom Güterverkehr verursacht, obwohl die LKW nur etwa 10 % des Fahrzeugbestands in Österreich ausmachen“, wie Skarabela betont. Zudem sei der Güterverkehr wohl einer der am stärksten wachsenden Bereiche. „Im Gegensatz zum Individualverkehr sind die Touren aber täglich ähnlich und planbarer. Gerade darum ist es wichtig, hier aktiv zu werden und eine Vorreiterrolle einzunehmen“, so Skarabela weiter. Dies gelinge aber nur mit ordentlichen, rechtssicheren und gezielten Rahmenbedingungen und Förderungen.

 

Vorbildfunktion als großer Hebel

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion warf Moderator Axel Dick die Frage auf, ob das Ziel den Kohlendioxid-Ausstoß in Österreich bis 2050 um 80 % zu reduzieren eine reale Utopie ist oder zum Scheitern verurteilt ist. Anna Maierhofer, Produktmanagerin des Klimaneutralitätsbündnis 2025 sowie des VKW-Energiecockpits hält es grundsätzlich für möglich: „Ich glaube daran, dass wir es schaffen, weil die Menschen am Ende des Tages klug genug sein werden, sich nicht selbst auszurotten.“ Gerd Pollhammer, Leiter der Division Energy Management bei der Siemens AG Österreich ist ebenfalls bedingt optimistisch: „Es wird schon sehr schwer werden, denn der komplette Wechsel der Infrastruktur ist eine Sisyphusarbeit. Ich hoffe für mich, meine Kinder und meine Enkelkinder, dass es gelingt. Wahrscheinlich wird uns die Realität zwingen, sogar noch schneller zu agieren.“ Zudem betonten die Diskutanten auch die Verantwortung der eigenen Unternehmen. Peter Eitzenberger, Prokurist und CSR-Manager bei der VBV – Vorsorgekasse, die seit Jahren ihre Kundengelder nachhaltig veranlagt, meinte dazu: „Als Finanzdienstleister hat man den großen Hebel, wie man investiert. Die VBV verzichtet auf Kohleinvestment und misst ihren CO2-Fußabdruck, den sie auch international vergleicht. Man kann freiwillig einen Branchentrend erzwingen, indem man als Vorsorgekasse als gutes Beispiel vorangeht.“

Videos und Bildergalerie

Videos

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Kontakte

Herr DI Axel Dick, MSc

Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR

Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

Herr DI Peter Sattler, MAS

Netzwerkpartner, Produktexperte FSC CoC, PEFC CoC