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06.02.2019

Berufsbilder im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Schutz für Arbeitnehmer

Der Sturz von der Leiter, der Schnitt in die Hand mit dem Cutter, getroffen werden von einem herabfallenden Gegenstand oder langjähriges Einwirken schädlicher Dämpfe. Das sind Beispiele für Ursachen anerkannter Arbeitsunfälle bzw. Berufskrankheiten, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. In Österreich wurden 2017 rund 160.000 solcher anerkannter Schadensfälle gemeldet, wobei die Tendenz trotz steigender Beschäftigungsverhältnisse stark sinkend ist. Der Grund dafür ist wohl das wachsende Bewusstsein für die Sicherheit am Arbeitsplatz.

Wenn man an Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz denkt, assoziiert man dies oftmals mit Unfällen, knapp gefolgt von Krankheiten. Tatsächlich sind arbeitsbedingte Krebserkrankungen eines der größten Gesundheitsprobleme an Arbeitsplätzen in Europa und sogar weltweit. Einer internationalen Studie zufolge sind sie die Ursache für 53 % aller arbeitsbedingten Todesfälle. Wir sprechen hier von 80.000 Sterbefälle pro Jahr. Nur 2,4 % sind auf Unfälle und Gewalttaten am Arbeitsplatz zurückzuführen. Die häufigsten Arbeitsunfälle ereignen sich im Baugewerbe, dahinter folgen die Branchen „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ (Arbeitskräfteüberlassung) und „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“. Kontrollverlust über Maschinen, Transportmittel und Werkzeuge, Sturz und Zusammenstoßen zählten 2017 zu den häufigsten Unfallursachen in Wiener Betrieben.

 

Schutz für den Arbeitnehmer

Arbeitgeber nehmen den Schutz ihrer Mitarbeiter immer ernster und setzen Präventivmaßnahmen in Form von Managementsystemen und/oder ausgebildeten Fachkräften. Auch das Gesetz schützt den Arbeitnehmer durch Vorgaben und Regelungen. Das innerbetriebliche Arbeitnehmerschutzsystem besagt, dass der Arbeitgeber die Pflicht hat, Beschäftigte vor Unfällen und Gesundheitsgefahren zu schützen und auch darauf zu achten, dass die Mitarbeiter angebotene Schutzmaßnahmen anwenden. Grundsätzlich steht es dem Arbeitgeber frei, ob er die Aufgaben der Sicherheitsfachkraft selbst übernimmt oder ob er dafür eine Person anstellt bzw. mittels einem Werkvertrag beschäftigt. Es gilt jedoch zu beachten, dass Betriebe bereits ab einem Beschäftigten eine Sicherheitsfachkraft für das Unternehmen zu bestellen haben. 

 

Berechnung der Präventionszeiten nach § 82a ASchG

Nach den Bestimmungen des § 82a Arbeitnehmerlnnenschutzgesetz (ASchG) wird die Präventionszeit für die jeweilige Betriebsstätte auf Basis der folgenden gesetzlichen Berechnungsgrundlage ermittelt:

  • Vollzeitarbeitnehmer auf Büroarbeitsplätzen und Arbeitsplätzen mit geringer körperlicher Belastung pro Jahr 1,2 Stunden.
  • Vollzeitarbeitnehmer auf einem sonstigen Arbeitsplatz pro Jahr 1,5 Stunden.
  • Arbeitnehmer die mindestens 50-mal pro Jahr Nachtarbeit verrichten zusätzlich 0,5 Stunden.
  • Teilzeitarbeitskräfte werden addiert und in Vollzeitarbeitnehmer hochgerechnet.

Neben der Sicherheitsfachkraft zählt auch der Arbeitsmediziner zu den Präventivkräften. Die errechnete Mindest-Präventionszeit wird prozentuell unter den Präventivfachkräften aufgeteilt. Beide müssen eine spezielle Ausbildung im Ausmaß von 8 bzw. 12 Wochen absolviert haben, um diese Tätigkeit ausüben zu dürfen. Ab mehr als zehn Arbeitnehmern ist zusätzlich eine Sicherheitsvertrauensperson als Unterstützungsorgan zu bestellen. Sie hat Zugang zu allen betrieblichen Aufzeichnungen, die im Zusammenhang mit Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz stehen. In Betrieben ab 100 Mitarbeiter ist ein Abeitsschutzausschuss einzurichten, der die Zusammenarbeit und Koordination der für Sicherheit und Gesundheit zuständigen Personen sicherstellen soll.
 

 

Aufgaben der Sicherheitsfachkraft

„Sicherheitsfachkräfte haben die Aufgabe, die Arbeitgeber, die Arbeitnehmer, die Sicherheitsvertrauenspersonen und die Belegschaftsorgane auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit und der menschengerechten Arbeitsgestaltung zu beraten und die Arbeitgeber bei der Erfüllung ihrer Pflichten auf diesen Gebieten zu unterstützen,“ laut § 76 (1) des ASchG.
Primär ist die Aufgabe einer Sicherheitsfachkraft, dafür zu sorgen, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung erbringen kann und seine Gesundheit kurz und langfristig – nach 20-30 Jahren - nicht gefährdet ist. Damit er dieser Funktion auch entsprechend nachkommen kann, sollte er dem Unternehmer direkt unterstellt sein und die Position einer Stabsstelle einnehmen. Es ist wichtig, ihn in Strategien, Pläne zu neuen Produkten, Standorten, Ressourcen einzubinden, damit nicht nur die technischen Produktion sichergestellt ist, sondern auch der Mensch, der an den Anlagen in dem System arbeitet, wieder gesund heim gehen kann. So gibt es im ASchG (§ 76/3 und § 81/3) eine Reihe von Vorgaben, bei denen der Arbeitgeber die Sicherheitsfachkraft und den Arbeitsmediziner beizuziehen hat.

Weitere Aufgaben der Sicherheitsfachkraft sind:

  • Arbeitsplatzevaluierung - Ermittlung und Beurteilung der Gefahren
  • Regelmäßige Begehung der Arbeitsstätte
  • Rechtliches und fachliches Beratung zu Arbeitssicherheit und Unfallprävention
  • Gestaltung der Arbeitsplätze und Mitsprache beim Arbeitsablauf
  • Unterstützung bei der Planung von Arbeitsstätten
  • Beratung bei der Arbeitsmittelbeschaffung
  • Einführung von Arbeitsstoffen und Arbeitsverfahren
  • Auswahl und Erprobung der persönlichen Schutzausrüstung
  • Organisation des Brandschutzes und von Maßnahmen zur Evakuierung
  • Veranlassung von Schulungen und Unterweisungen
  • Aufzeichnung und Berichten von Arbeitsunfällen 
     

 

Präventive Maßnahmen

Managementsystem

Die Organisation kann zur systematischen Vorbeugung von Arbeitsunfällen ein Managementsystem einführen. Die ISO 45001 als internationaler Standard für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz unterstützt mit vielen ihrer Anforderungen, das Wohlergehen der Beschäftigten zu gewährleisten. Die dadurch steigende Mitarbeiterzufriedenheit ist ein angenehmer Nebeneffekt, der sich positiv auf die Ausfallzeiten und die Effektivität auswirkt.


Integriertes Managementsystem: Zunehmend setzen Betriebe auf eine integrierte Implementierung von Managementsystemen. Integration bietet viele Vorteile: klare, abgestimmte Verantwortlichkeiten und Aufgabenzuteilungen, einen besseren Überblick über das Gesamtsystem der Organisation und daraus resultierend Kostenoptimierungen. Die Frage dabei ist nicht, ob Integration der richtige Weg ist, dazu besteht Einigkeit, sondern wie eine optimale, integrierte Struktur aufgebaut werden kann, so dass die Systeme in den verschiedenen Ebenen bzw. Systemelementen ineinandergreifen und die ständige Verbesserung der Unternehmensqualität sichern. Normen, Regelwerke und Verordnungen bieten heute eine Vielfalt an Modellen in den Bereichen Qualität, Umwelt, Sicherheit, Risiko und viele mehr. Aufbauend auf der ISO 9001 haben Organisationen oft Umweltmanagementsysteme nach ISO 14001 und/oder EMAS, Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement nach ISO 45001, SCC, SCP umgesetzt oder sind dabei, diese zu implementieren.
 

 

Ausbildung

qualityaustria Lehrgänge sind so aufgebaut, dass in den Bereichen Qualität, Sicherheit und Umwelt das Integrierte Managementsystem in den Ablauf integriert ist. Damit soll sichergestellt werden, dass die Organisation als System verstanden wird, um die Funktionen und Potenziale von Managementsystemen zu erkennen und die Integration zu realisieren und weiterzuentwickeln.

 

Ausbildung zum Systembeauftragten Sicherheit und Gesundheitsschutz

In drei Tagen werden unter anderem die relevanten rechtlichen Grundlagen zu Arbeitssicherheit- und Gesundheitsschutz, die normativen Anforderungen, sowie die Fähigkeit zur Risikobeurteilung und Festlegung der Schutzmaßnahmen vermittelt, als auch das Bewusstsein der eigenen Verantwortung. Systembeauftragte Sicherheit und Gesundheitsschutz verfügen nach ihren 24 Unterrichtseinheiten über die Fertigkeiten, ein firmenspezifisches Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsystem unter Berücksichtigung der gängigen Regelwerke wie der ISO 45001 auszubauen und eine Nachweisdokumentation einzurichten. 

Lehrgang Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagementsysteme 

Umfang von 24 Unterrichtseinheiten. 
Der Lehrgang vermittelt neben umfassendem Grundwissen über die einschlägigen Regelwerke und deren verständliche Interpretation auch Kenntnisse bezüglich der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Durchführung von internen Audits.
Inhalte:

  • Regelwerke zum Thema Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement inklusive deren Interpretation wie ISO 45001, SCC/SCP, ILO-OSH 2000, AUVA-SGM 
  • Typische Systemelemente in Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagementsystemen wie Politik, Organisation, Rechtskonformität, Evaluierung, Präventivmedizin, Unfall- und Notfallvorsorge, Schulung und Bewusstseinsbildung, Meldungs- und Informationssysteme, interne und externe Audits, Management Review 
  • Rechtliches Grundlagenwissen zum Thema Arbeitnehmerschutz 
  • Durchführung von internen Sicherheits- und Gesundheitsschutzaudits und Begehungen 
  • Gruppenarbeiten 

>> Zum Lehrgang​​​​​​​

 

Ausbildung zum Systemmanager Sicherheit und Gesundheitsschutz

Der Systemmanager Sicherheit und Gesundheitsschutz hat nach insgesamt 24 Unterrichtseinheiten praxisnaher Weiterbildung die notwenigen Kenntnisse und Fähigkeiten zum Aufbau und zur effizienten Weiterentwicklung eines firmenspezifischen Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsystems. Er versteht es, interne Sicherheitsaudits durchzuführen und die Integration mit anderen Managementsystemen wie zum Beispiel Umwelt und Qualität zu forcieren und Maßnahmen und Werkzeuge anzuwenden, um Prozesse im Sicherheits- und Gesundheitsmanagement zu verbessern.

Lehrgang Sicherheitsmanagement - Operative Managementtechniken

Umfang von 24 Unterrichtseinheiten. 
Dieser Lehrgang vermittelt die praktische/operative Umsetzung der rechtlichen und normativen Anforderungen zum Thema Arbeitssicherheits- und  Gesundheitsschutzmanagementsystem.
Inhalte: 

  • Unfallursachen und Folgerungen für die Sicherheitspolitik
  • Methoden zur Förderung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • Gefährdungsbeurteilung (Evaluierung)
  • Arbeitsmittel und Arbeitsverfahren
  • Arbeitsstoffe und Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
  • Notfallplanung, Brandschutz, Erste Hilfe
  • Risiken und Schutzmaßnahmen (z.B. Lärm, elektrische Arbeitsmittel, hoch- und tiefgelegene Arbeitsplätze etc.) 

>> Zum Lehrgang​​​​​​​

 

Fazit

Es gibt keine Vorgaben, die dem Unternehmer vorschreiben, ab wann er ein Managementsystem einzuführen hat oder ein Systembeauftragter bzw. Systemmanager Sicherheit und Gesundheitsschutz zu bestellen ist. Diese Entscheidung hängt von vielen Aspekten wie zum Beispiel der Unternehmensgröße, -komplexität, Sicherheitsgefährdungsgrad und Arbeitsumfeld ab. Präventivmodelle wie das Managementsystem der ISO 45001 stellen Verbindungen her, Erhöhen die Sicherheit und das Bewusstsein der Mitarbeiter für ihre Tätigkeiten, retten Menschenleben und erhöhen den Fokus auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Dieser Verantwortung muss sich jeder Arbeitgeber bewusst sein. 

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