24. Nov. 2025

11. qualityaustria Nachhaltigkeitsforum

Die heimische Industrie im doppelten Wandel

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Auf dem Foto v.l.: Univ.-Prof. Martin Kreeb, Leiter der Professur für Nachhaltigkeitsmanagement, University of Sustainability, Charlotte Fresenius Privatuniversität; Axel Dick, Leitung Business Development Umwelt und Energie, ESG, Quality Austria Certification; Univ.-Prof. Fabian Christandl, Leiter der Professur für Wirtschaftspsychologie, University of Sustainability, Charlotte Fresenius Privatuniversität, ©Anna Rauchenberger

Quality Austria bietet Wissenschaft und Wirtschaft einen Raum, um gemeinsam die Erfolgsfaktoren für Transformation und Innovationsbeispiele zu diskutieren. Im November 2025 kamen rund 90 Teilnehmende aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft beim 11. qualityaustria Nachhaltigkeitsforum zusammen. Am Ende des Tages war klar: ESG schafft Raum für Innovation, aber auch neue Chancen und Lösungen für die zentralen Herausforderungen.

Alles ist Chemie: Innovationstreiber Industrie

Wir stecken bereits mitten in einer tiefgreifenden Transformation – ob wir wollen oder nicht. Angetrieben von den beiden zentralen Trends, der digitalen und der grünen Transformation, befindet sich die Industrie in einem doppelten Wandel. Im Zentrum steht die chemische Industrie, die für so gut wie alle anderen Branchen essenziell ist. „Die österreichische Chemieindustrie hat bereits umfassendes Wissen und Expertise im Bereich der grünen Chemie aufgebaut“, sagte Thomas Jakl, stv. Leitung Sektion V Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), in seinem Eröffnungsvortrag. In Hinblick auf die Bestrebungen der EU, die Chemieindustrie nachhaltiger zu gestalten, bringt sich Österreich mit diesem Wissensvorsprung in die Pole Position. Aktuell wird auf europäischer Ebene mit REACH 2.0 die EU-Chemikalienverordnung vereinheitlicht, um einen besseren Gesundheits- und Umweltschutz und faire Rahmenbedingungen für Unternehmen zu schaffen. Diese sollen strengere Regeln, mehr Transparenz und digitalisierte Prozesse für die Registrierung und Kontrolle von Chemikalien bringen. Mit diesen Maßnahmen will die EU den Gesundheits- und Umweltschutz verbessern und gleichzeitig einheitliche und faire Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen.

„Effizienter Einsatz energetischer und stofflicher Ressourcen ist das Kernziel der europäischen Nachhaltigkeitspolitik. Jeder administrativen Verpflichtung, die dazu etabliert wird, muss dabei ein adäquater volkswirtschaftlicher Nutzen gegenüberstehen. Genauso wie digitale Lösungen müssen regulatorische Instrumente die ‚Twin Transition‘ möglichst effektiv und effizient begleiten“, so Thomas Jakl.

Auf dem Foto v.l.: Thomas Jakl, stv. Leitung Sektion V Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft, BMLUK; Axel Dick, Leitung Business Development Umwelt und Energie, ESG, Quality Austria Certification, ©Arman Rastegar

Das Jahrzehnt der Entscheidungen: Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit

Gesellschaftliche Trends wie Digitalisierung, Generationenwechsel und der Ruf nach Nachhaltigkeit können Druck erzeugen. Wichtiger ist aber, dass jeder Trend die Chance bietet, Veränderungen voranzutreiben. Längst gehen technischer Fortschritt und nachhaltige Transformation Hand in Hand. Etwa, wenn Hightech-Satelliten Emissionen messen und rechtzeitig Klimakrisen erkennen. Für die Wirtschaft sind klare Leitlinien der größte Treiber für nachhaltiges Handeln: In 92 Prozent der Unternehmen sind Vorgaben des Headquarters ausschlaggebend, um Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu setzen. Erst an zweiter Stelle (80 Prozent) steht die persönliche Überzeugung von Entscheidungsträgern (Quelle: EY).

„Ein nachhaltiger Transformationsprozess in Unternehmen steht immer im Wechselspiel mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen. Zu den größten Barrieren zählen festgefahrene Strukturen, mangelnde Veränderungsbereitschaft sowie Unsicherheiten in der konkreten Umsetzung. Nur wenn diese Hindernisse aktiv adressiert werden und Führungskräfte einen offenen Dialog mit allen Stakeholdern fördern, kann Transformation wirksam gelingen“, sagte Univ.-Prof. Martin Kreeb, Leiter der Professur für Nachhaltigkeitsmanagement, University of Sustainability, Charlotte Fresenius Privatuniversität.

Um die in Österreich notwendige Innovationsfähigkeit zu stärken, kann etwa die ESG-Regulatorik als Hebel genutzt werden. Eine Basis stellt die ÖNORM S2500 dar, die voraussichtlich Ende März 2026 die aktuelle ONR ablösen wird. Das neue Managementsystem ist mit der ISO-Welt kompatibel und lässt sich beispielsweise mit der geplanten ISO 14001 verbinden, die kürzlich in Toronto verhandelt wurde. Die Zeit drängt, denn das Zeitfenster schließt sich: Entscheidungen, die zwischen 2020 und 2030 getroffen werden, prägen die Weichen für 2050. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Umweltschutz.

Auf dem Foto v.l.: Thomas Jakl, stv. Leitung Sektion V Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft, BMLUK; Univ.-Prof. Fabian Christandl, Leiter der Professur für Wirtschaftspsychologie, University of Sustainability, Charlotte Fresenius Privatuniversität; Univ.-Prof. Martin Kreeb, Leiter der Professur für Nachhaltigkeitsmanagement, University of Sustainability, Charlotte Fresenius Privatuniversität; Axel Dick, Leitung Business Development Umwelt und Energie, ESG, Quality Austria Certification,© Arman Rastegar

„Zahlreiche empirische Befunde zeigen, dass nachhaltig transformierte Unternehmen langfristig eine bessere Performance erzielen – sei es durch höhere Innovationsfähigkeit, verbesserte Resilienz, Kosteneffizienz oder gesteigerte Attraktivität für Talente und Investoren. Nachhaltigkeit wird damit zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Transformation braucht daher nicht nur strategische Klarheit, sondern auch ein Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung und die Fähigkeit, Widerstände produktiv zu überwinden. Nachhaltige Transformation ist damit nicht bloß eine Reaktion auf äußeren Druck, sondern ein Weg, zukünftige Wettbewerbsfähigkeit aktiv zu gestalten“, sagte Univ.-Prof. Fabian Christandl, Leiter der Professur für Wirtschaftspsychologie, University of Sustainability, Charlotte Fresenius Privatuniversität.

Die Zukunft liegt im Tun

Wie sich Produktentwicklung und Nachhaltigkeit in der Praxis verbinden lassen, zeigte Ao. Univ.-Prof. Wolfgang Wimmer, Leiter der Forschungsgruppe ECODESIGN, Institut für Konstruktionswissenschaften und Produktentwicklung, Technische Universität Wien. Bereits seit 1996 beschäftigt sich die Forschungsgruppe mit dem Thema Ecodesign und entwickelt praxisnahe Tools – wie zum Beispiel eine marktreife App, die Unternehmen Aufschluss über Product Carbon Footprints bietet. Die App spielt durch, was sich verändert, wenn an einzelnen Parametern in der Lieferkette gedreht wird.

Es gibt bereits erprobte Methoden und Wege, die Unternehmen helfen, die 3 C (climate, circularity, criticality) bei der Entwicklung zukunftsfähiger Produkte zu berücksichtigen. Die Ziele solcher Ecodesign Tools sind eine verbesserte Umweltperformance der Produkte, Kreislauffähigkeit, die Erfüllung neuer gesetzlicher Anforderungen (ESPR – Ecodesign for Sustainable Products Regulation) und auch die Definition neuer Geschäftsmodelle“, sagte Wimmer. Quality Austria bietet am 18. Februar 2026 das Training ECODESIGN – Strategien und Maßnahmen für zukunftsfähige Produktentwicklung in Kooperation mit Ecodesign an.

Auf dem Foto v.l.: Ao. Univ.-Prof. Wolfgang Wimmer, Leiter der Forschungsgruppe ECODESIGN, Institut für Konstruktionswissenschaften und Produktentwicklung, Technische Universität Wien; Axel Dick, Leitung Business Development Umwelt und Energie, ESG, Quality Austria Certification, ©Anna Rauchenberger

Gastgeber Axel Dick, Leitung Business Development Umwelt und Energie, ESG, Quality Austria Certification, der erst kürzlich als österreichischer Delegierter die ISO 14001 in Toronto mitverhandelt hat, schloss mit dem Fazit: „Wir stecken mitten in der Transformation und müssen jetzt entscheiden, ob wir sie als Bedrohung verstehen oder als Chance nutzen. Über das qualityaustria Nachhaltigkeitsforum hinaus müssen wir offen darüber diskutieren, was Innovation fördert – im Sinne der Konsumenten, Unternehmen und der Nachhaltigkeit. Nur so schaffen wir eine lebenswerte Zukunft für uns und nachfolgende Generationen. ISO bietet jede Menge Werkzeuge, so zum Beispiel auch zum Wissens- (ISO 30401) oder Innovationsmanagement (ISO 56002) an, wie die Vorträge von Andreas Ackerl und Hans-Jürgen August zeigten. Als Quality Austria stehen wir der österreichischen Wirtschaft mit Expertise, Trainings, Zertifizierungen, Assessments und Verifizierungen zur Seite.“

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