Automotive als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit
Europas Wettbewerbsfähigkeit unter Druck
Die Warnsignale sind unübersehbar: Europas Wettbewerbsfähigkeit schwächt sich weiter ab. Warum jetzt der Automotive-Standort zum entscheidenden Hebel für wirtschaftliche Stärke und Zukunftsfähigkeit wird.
Die Europäische Kommission hat mit ihrem aktuellen Annual Single Market and Competitiveness Report erneut ein deutliches Warnsignal ausgesendet: Zum sechsten Mal in Folge zeigt der Bericht eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit Europas. Verschlechterungen im Binnenhandel, lange Entwicklungszyklen für industrielle Standards, ein zunehmender Fachkräftemangel – insbesondere im Zuge der grünen Transformation – sowie ein niedriges Niveau privater Investitionen belasten Wachstum, Innovation und Wohlstand.
Diese Diagnose ist nicht neu. Bereits die Berichte von Mario Draghi und Enrico Letta – beide ehemalige Ministerpräsidenten Italiens – haben die strukturellen Schwächen Europas klar benannt. Der Befund ist eindeutig: Die wirtschaftliche Stärke Europas – lange Grundlage seines politischen Gewichts – gerät zunehmend unter Druck. In einer Welt wachsender geopolitischer Unsicherheiten wird das zur strategischen Gefahr. Denn klar ist auch: Die Welt wartet nicht auf Europa.
Österreichs Antwort: Industrielle Stärke gezielt weiterentwickeln
Genau an diesem Punkt setzt die Industriestrategie Österreich 2035 an – mit einem klaren Fokus auf Zukunftsfelder, in denen Wertschöpfung, Innovation und Resilienz gemeinsam gestärkt werden können. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die Mobilitäts- und Automotive-Industrie ein.
Ein zentrales Element ist die geplante Modellregion für automatisierte Mobilität. Automatisierte Mobilität wird als strategisches Zukunftsfeld verstanden, das reale wirtschaftliche Wirkung entfalten kann – nicht im Labor, sondern im Alltag. Österreich bringt dafür starke Voraussetzungen mit: relevante Kompetenzen, leistungsfähige Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette und hohe technologische Expertise.
Durch einen realen, öffentlich sichtbaren und technologisch führenden Showcase für Personen- und Güterverkehr sollen österreichische Lösungs- und Technologiekompetenzen demonstriert und weiterentwickelt werden. Darauf aufbauend sollen ein kontrollierter Alltagsbetrieb etabliert sowie die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden – unter Berücksichtigung von Sicherheitsfragen, gesellschaftlicher Akzeptanz und Beschäftigungsentwicklung. Ein eigenes Implementierungsprogramm soll die Skalierung automatisierter Mobilität in Österreich ermöglichen.
Automotive als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit
Parallel dazu setzt die Industriestrategie auf die gezielte Weiterentwicklung der Mobilitätsindustrie. Technologieklarheit, ein technologieoffener Ansatz und fokussierte Unterstützung sollen sicherstellen, dass Österreichs Automotive-Sektor auch künftig zu den führenden in Europa zählt. Zahlreiche Flagship-Initiativen – von Elektromotoren über erneuerbare Kraftstoffe bis hin zu emissionsfreien Gesamtfahrzeugen und Brennstoffzellen – unterstreichen diese Ambition.
Ziel ist klar: Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand nachhaltig sichern – und damit einen aktiven Beitrag zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit leisten.
Fazit
Während europäische Berichte zunehmend Alarm schlagen, zeigt die Industriestrategie Österreich 2035, wie Wettbewerbsfähigkeit konkret und wirksam gestärkt werden kann: durch klare industriepolitische Prioritäten, realitätsnahe Umsetzung und konsequente Investitionen in Zukunftsfelder wie automatisierte Mobilität. Gerade für den Automotive-Sektor liegt hier eine zentrale Chance – nicht nur für Österreich, sondern für Europa insgesamt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Der Verband der Automobilindustrie (VDA)
- Industriestrategie Österreich 2035 für einen wettbewerbsfähigen Industriestandort und wirtschaftliche Resilienz (pdf)
- „Europas Wettbewerbsfähigkeit schwächt sich weiter ab.“ Verband der Automobilindustrie (VDA) (LinkedIn)
- The 2026 Annual Single Market and Competitiveness Report