25. Mrz 2021

Klimawandel und Energiewende

Über die Anpassungs­fähigkeit von Systemen

„Mehr als 200 Jahre lang von den Ablagerungen des Karbons zu leben, hat uns im Glauben gewiegt, eine grenzenlose und endlose Zukunft zu haben ohne dass uns die Rechnung präsentiert wird“,  schreibt der Bestsellerautor Jeremy Rifkin in seinem neuen Buch "DER GLOBALE GREEN NEW DEAL - Warum die fossil befeuerte Zivilisation um 2028 kollabiert und ein kühner ökonomischer Plan das Leben auf der Erde retten kann".

Er setzt sich mit „Klimawandel“ und „Energiewende“ auseinander und somit mit Wechselwirkungen zwischen Systemen (vom System Mensch und Arten, System Finanzwirtschaft, System Energieversorgung, System Wirtschaft, System der Pensionsvorsorge bis hin zum System Planet). Dabei geht es auch oftmals um die „Anpassungsfähigkeit“ von Systemen.

Systeme unterliegen einem Wandel. Dieser erfolgt meist über lange Zeiträume. Wende bedeutet Veränderungen in einem relativ kurzen Zeitraum, meist durch Auswirkung von außen oder anderen Systemen.

Was sind nun so Wendezeitpunkte?

Die industriellen Revolutionen – immer eine Wende

Ein „industrieller Ansatz“ besagt, dass es immer drei Elemente sind, die im wechselseitigen Miteinander das Funktionieren des Systems als Ganzes ermöglichen:

  • Ein Kommunikationsmedium
  • Eine Energiequelle
  • Ein Transportmechanismus

Erste industrielle Revolution im 19. Jahrhundert

Wechselwirkungen von dampfbetriebenen Druckwesen, Telegrafie, üppigen Kohlevorräten, Lokomotiven auf landesweiten Eisenbahnnetzen

Zweite industrielle Revolution im 20. Jahrhundert

Zentralisierte Stromversorgung, Telefon, Rundfunk und Fernsehen, billiges Erdöl und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auf landesweiten Straßennetzen

Dritte industrielle Revolution im 21. Jahrhundert

Das Kommunikationsinternet verschmilzt mit einem Internet für erneuerbare Energie und einem Mobilitäts- und Logistikinternet autonomer, mit grüner Energie betriebener Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge

Die Wende am Finanzmarkt

Eine weltweite Bewegung Geld aus der Ölindustrie abzuziehen und in erneuerbare Energien zu investieren wird rasch an Schlagkraft gewinnen. Anfang 2018 bildeten Pensionsfonds den größten Kapitalpool weltweit. Sollten diese weiterhin in die fossile Energieindustrie investieren, wären die finanziellen Verluste für Millionen von Arbeitnehmer*innen rund um die Welt nach Platzen der Kohlendioxidblase verheerend.

Unter Führung der Pensionskassen haben weltweit zahlreiche institutionelle Investor*innen mit dem Ausstieg aus den fossilen Energien begonnen, um in nachhaltige Energien zu investieren, eine Entscheidung, die sich zur bislang größten Devestitions-/ Reinvestitionsbewegung in der Geschichte des Kapitalismus zu entwickeln beginnt.

Die gestrandeten Investitionen der Versorger

Die Diskrepanz zwischen dem Buchwert (Geschäftswert, Liegenschaften, Fabrikanlagen) und dem Unternehmenswert gibt Anlass zur Sorge. Bei 12 führenden europäischen Stromversorgern beträgt der Marktwert gerade noch 65 Prozent des Buchwertes.

Die fossilen Strom- und Energieerzeuger in der EU kollabieren in dem Augenblick, in dem erneuerbare Energie gerade mal 14 Prozent des Gesamtmaßes ausmachen, was eine Unmenge an gestrandeten Anlagewerten zurückließe. Der Anteil der erneuerbaren Energie liegt in Europa derzeit bei ca. 20%.

Die neuen Geschäftstätigkeiten der Versorger

In der neuen Energiepraxis werden die Elektrizitätskonzerne sich dem Mining von Big Data über den Stromverbrauch, über die ganze Wertschöpfungskette der Kund*innen hinweg, zuwenden. Nur so lassen sich die nötigen Algorithmen und Applikationen generieren, die den Kund*innen dabei helfen, seine Gesamtenergieausbeute zu erhöhen und sowohl seine CO2 Bilanz als auch seine Grenzkosten zu reduzieren.

Die Kundschaft wiederum wird ihre Gesamtausbeute und Produktionszugewinne mit dem Stromkonzern teilen. So werden die Energiekonzerne eher durch das effizientere Management der Energienutzung profitieren als durch den direkten Verkauf von Strom.

Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft

Die Null-Grenzkosten sind dann möglich, wenn Energie kostenlos zur Verfügung steht. Also Sonnenenergie, Wasser und Wind.

In 88 Minuten gelangen 470 Exajoule (1018 J) Sonnenenergie auf die Erde – das entspricht dem Energieverbrauch der gesamten Menschheit in einem Jahr. Könnten wir nur ein Zehntel Prozent dieser auf der Erde auftreffenden Sonnenenergie nutzen, hätten wir das sechsfache der Energie, die die Weltwirtschaft gegenwärtig verbraucht.

Auch der Wind ist überall verfügbar. Eine Studie der Standford University über die globale Windkapazität kam zu dem Schluss, dass eine energetische Nutzung von 20 Prozent des Windes weltweit siebenmal mehr Elektrizität erzeugen würde, als es gegenwärtig zum Betrieb der gesamten Weltwirtschaft braucht.

Ein geringer Carbon-Footprint einer Organisation und somit ihrer Produkte, wird überdies den Wert der Produkte für die Gesellschaft erhöhen.

Die Gewinner*innen in Wendezeiten sind immer diejenigen, die Veränderungen rechtzeitig erkennen und deren Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeiten verstehen. Veränderungen beinhalten Chancen und Risiken. Es gilt aber die richtigen Dinge richtig zu tun. Behilflich kann dabei das Verstehen der ISO-System-Welt sein.

Die ISO-System-Welt – die richtigen Dinge richtig tun

Natürlich sind die Themen nicht so einfach zu verstehen. „Dekarbonisierung“, vor allem in Verbindung mit der Berechnung des Carbon Footprints von Organisationen und Produkten, stellt da schon eine gewisse Herausforderung dar. Über das Bestimmen des erforderlichen Wissens und der Definition von Wissenszielen kann Wissensaufbau in Organisationen, zu sich stark ändernden Rahmenbedingungen, forciert werden.

Wissensaufbau zu Kontextthemen (Einflussfaktoren)

Es gibt da sehr gute Angebote:

Grundlagen zu Life Cycle Assessment und Carbon Footprint

Die Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel hat vielfältige Auswirkungen auf Organisationen und dies wird sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen, da seit Beginn der ersten industriellen Revolution Treibhausgase freigesetzt werden. Das Ausmaß des zukünftigen Klimawandels wird vom Erfolg der Bemühungen um eine Begrenzung weiterer Treibhausgasemissionen und andere Faktoren, die sich auf den Strahlungsantrieb auswirken, abhängen. Aus diesem Grund ist eine Anpassung an den Klimawandel erforderlich, um die daraus resultierenden Bedrohungen zu reduzieren und die Chancen, denen Organisationen aller Art in einem sich ändernden Klima gegenüberstehen, optimal zu nutzen.

Hier kommt nun auch wieder das „Systemdenken“ also das Verstehen komplexer, nicht linearer und vernetzter Systeme ins Spiel. Bei der Meisterung der Herausforderungen könnte die EN ISO 14090:2019 – Anpassung an die Folgen des Klimawandels – Grundsätze, Anforderungen und Leitlinien – unterstützen.

Auf alle Fälle ist das Kollabieren der fossil befeuerten Zivilisation bis 2028 denkbar und nachvollziehbar.

Zum Autor von „DER GLOBALE GREEN NEW DEAL“

Der Autor Jeremy Rifkin ist Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends in Washington und einer der bekanntesten gesellschaftlichen Vordenker.

Publikationen

  • Das Ende der Arbeit
  • Access
  • Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft

Rifkin berät zahlreiche Organisationen und Regierungen (Deutschland, Europa, China) - unterrichtet an der renommierten Wharton School der University of Pennsylvania.

Autoren

Team

Herr DI Axel Dick, MSc

Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR

Netzwerkpartner*in

Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

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