30. Juni 2025

Gedanken zu digitalen Chancen, psychischen Belastungen und neuen Risiken im Arbeitnehmer*innenschutz

Neue Dimensionen der Sicherheit

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel – unter anderem getrieben von digitalen Innovationen, veränderten Arbeitsformen und globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel. Während smarte Technologien neue Chancen für den Arbeitsschutz eröffnen, nehmen zugleich psychische Belastungen, Suchtgefahren und neue Umweltrisiken zu. Es steht die Frage im Raum, wie wir diesen komplexen Anforderungen gerecht werden und eine nachhaltige, ganzheitliche Sicherheitskultur schaffen können.

Der Artikel skizziert aktuelle Trends und Herausforderungen im Arbeitnehmer*innenschutz – etwa in den Bereichen Digitalisierung, mentale Gesundheit und Klimawandel. Ziel ist es, das Bewusstsein für die zunehmende Bedeutung eines umfassenden Schutzes am Arbeitsplatz zu stärken.

Smarte Technologien in der Arbeitssicherheit

Digitale Innovationen verändern den Arbeitsschutz auch in Österreich grundlegend. Künstliche Intelligenz (KI), Sensorik und automatisierte Systeme können helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Arbeitsunfälle zu verhindern.

Beispiele aus der Praxis:

  • Sensorbasierte Frühwarnsysteme kommen im Bahnbau oder bei Arbeiten im Gleisbereich zum Einsatz. Warnwesten mit akustischen und taktilen Signalen schützen vor herannahenden Gefahren.
  • Drohnen und Robotik übernehmen Inspektionsaufgaben in schwer zugänglichen Bereichen wie Tunneln, Industrieanlagen oder auf Großbaustellen – ohne direkten Personaleinsatz.
  • Predictive Analytics analysieren Maschinen-, Wetter- oder Bewegungsdaten und ermöglichen Prognosen zu Gefahrenlagen.
  • Exoskelette unterstützen bei körperlich belastenden Tätigkeiten, z. B. in der Pflege, Montage oder im Hochbau.
  • KI-gestützte Schichtplanung hilft, Überlastung zu vermeiden, indem sie unter anderem Faktoren wie gesetzliche Ruhezeiten, Nachtarbeit oder Hitzebelastungen berücksichtigt.

Kritische Fragen bleiben:

  • Wie wird mit sensiblen personenbezogenen Daten umgegangen?
  • Wo verläuft die Grenze zwischen Schutz und Kontrolle?
  • Wer trägt Verantwortung bei Systemausfällen oder Fehlalarmen?

Psychische Gesundheit: Die stille Epidemie

Psychische Erkrankungen zählen heute zu den häufigsten Ursachen für Krankenstände in Österreich. Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit und unsichere Rahmenbedingungen belasten die mentale Gesundheit vieler Erwerbstätiger.

Faktenlage:

  • Laut ÖGK ist der Anteil psychisch bedingter Krankenstände zwischen 2012 und 2022 um ca. 60 % gestiegen.
  • Eine AK-Studie (2024) zeigt: 82 % der Befragten empfinden ihre Arbeit als psychisch belastend – besonders in Pflege, Bildung, Verwaltung und IT.

Betriebliche Handlungsfelder:

  • Psychische Gefährdungsbeurteilung ist bereits sehr lange ein verpflichtender Teil der Evaluierung (§4 ASchG).
  • Anonyme Beratungsangebote, Supervision und Online-Plattformen zur mentalen Gesundheit gewinnen an Bedeutung.
  • Führungskräfteschulungen fördern ein wertschätzendes Klima und helfen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen.

Suchtgefahren im Arbeitsumfeld

Neben psychischen Erkrankungen stellen auch Suchtmittelmissbrauch und abhängiges Verhalten eine zunehmende Herausforderung dar. Alkohol, Medikamente, Drogen, aber auch digitale Abhängigkeit (z. B. durch ständige Erreichbarkeit) oder der problematische Umgang mit Stimulanzien am Arbeitsplatz nehmen zu.

Risiken und Anzeichen:

  • Erhöhte Fehlerquote, häufige Krankenstände, Stimmungsschwankungen
  • Abhängigkeit von Substanzen zur Leistungssteigerung (z. B. Schmerzmittel oder Aufputschmittel)
  • Verhaltenssucht wie Internetsucht im Homeoffice oder exzessives Arbeiten (Workaholismus)

Prävention und Unterstützung:

  • Aufklärung und betriebliche Suchtpräventionsprogramme
  • Niederschwellige Hilfsangebote
  • Interne Richtlinien zum Umgang mit Suchtmittelkonsum
  • Kooperation mit externen Beratungsstellen
  • Schulung von Führungskräften im Umgang mit Verdachtsfällen

Klimawandel: Neue Risiken für die Arbeitswelt

Der Klimawandel beeinflusst den Arbeitsschutz zunehmend – durch Hitzewellen, extreme Wetterereignisse und veränderte Umweltbedingungen. Aus diesem Grund entsteht ja auch gerade die ISO 45007 – eine Leitlinie zu diesem Thema, um in der Umsetzung der ISO 45001 in diesem Kontext zu unterstützen

Beispiele Auswirkungen auf den Arbeitsalltag:

  • Hitzebelastung: Besonders in Bau, Landwirtschaft oder Logistik. Maßnahmen: Frühschichten, Trinkpausen, mobile Schattenspender.
  • Allergene: Längere Blütezeiten und neue Pflanzenarten belasten Atemwege.
  • Extremwetter: Hochwasser, Stürme oder Starkregen verlangen Notfallpläne und mobile Kommunikation.
  • Luftschadstoffe: Ozon- und Feinstaubbelastung gefährdet besonders körperlich tätige Menschen im Freien.
  • Versorgungsrisiken: Stromausfälle, IT-Störungen und unterbrochene Lieferketten erfordern Business-Continuity-Pläne.

Fazit: Ganzheitlicher Arbeitsschutz als Zukunftsaufgabe

Ob smarte Technik, psychische Belastungen, Suchtgefahren oder Klimarisiken – moderner Arbeitsschutz erfordert heute ein umfassendes, interdisziplinäres Verständnis. Digitale Lösungen können präventiv unterstützen, aber sie ersetzen keine menschliche Achtsamkeit und keine gelebte Sicherheitskultur.

Einige Fakten für eine nachhaltige Sicherheit:

  • Monitoring und klare Einhaltung der gesetzliche Rahmenbedingungen
  • Transparente Umsetzung
  • Die aktive Einbindung aller Beschäftigten
  • Die Integration psychischer Gesundheit und Suchtprävention in alle Präventionsmaßnahmen
  • Strategische Klimaanpassung in Planung, Infrastruktur und Arbeitsschutz
  • Eine Unternehmenskultur, die Sicherheit vorlebt statt nur verwaltet

Wer Verantwortung übernimmt, offen kommuniziert und in die Gesundheit seiner Beschäftigten investiert, schafft nicht nur mehr Sicherheit – sondern eine resiliente, leistungsfähige und menschliche Arbeitswelt.

Weiterführende Informationen & Quellen

  • Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) (2022): Handlungsempfehlungen – Arbeitsschutz im Klimawandel. Wien.
  • AUVA (2023): Digitalisierung und Arbeitssicherheit. Wien.
  • AUVA (2023): Leitfaden zur Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Wien.
  • Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) (2022): Arbeit 4.0 – Chancen und Risiken im digitalen Wandel. Wien.
  • Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) (2024): Homeoffice & mobiles Arbeiten – Handlungshilfen für Betriebe. Wien.
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) (2023): Hitzeschutz in der Arbeitswelt. Wien.
  • Gesellschaft für Wirtschaftspsychologie (GfW) (2024): Psychische Belastung in der Arbeitswelt – Ein österreichischer Überblick. Graz.
  • Umweltbundesamt (2023): Klimawandel und Gesundheit in Österreich. Wien.
  • Arbeiterkammer Wien (AK) (2023): Gute Arbeit im Homeoffice – Chancen und Herausforderungen. Wien.
  • Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) (2023): Betriebliche Suchtprävention – Leitfaden für Unternehmen. Wien.

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