03. Jun 2013

Integrierte Managementsysteme

Von der Arbeitsproduktivität zur Ressourcen­produktivität

Der Anstieg der Arbeitsproduktivität ist ein durchgängiges Merkmal der letzten 200 Jahre. Insgesamt hat sich die Arbeitsproduktivität während der letzten 200 Jahre verzwanzigfacht. Wir alle bekommen dies zu spüren. Heutzutage herrscht kein Mangel an Arbeitskräften. Die internationale Arbeitsorganisation ILO spricht von etwa 800 Millionen Jobs, die uns weltweit fehlen, wenn wir so etwas wie eine weltweite Vollbeschäftigung haben möchten. Aber es gibt bereits einen Mangel an Energie und natürlichen Ressourcen, mit rasch zunehmender Tendenz. Die Ressourcenproduktivität muss somit zum Leitmotiv unserer Zeit werden.

Im „Faktor Fünf“ setzen sich Von Weizsäcker U. / Hargroves K. / Smith M. sehr intensiv mit dem Thema auseinander.

Zukünftige Schlüsselstrategien

Man muss die Herstellungsprozesse aller Waren ökologisch verstehen und optimieren, denn wenn der Endverbraucher das Produkt kauft, sind schon 80 bis 90% der ökologischen Schäden und Lasten eingetreten. Im „Vierten Sachstandsbericht von IPCC“ (Intergovernmental Panel on Climate Chance -> Weltklimarat) spielen folgende acht Schlüsselstrategien eine Rolle:

  • Energieeffizienz
  • Übergang zu klimaneutralen Kraftstoffen
  • Rückgewinnung von Wärme und Strom
  • Erneuerbare Energien
  • Recycling
  • Produktverbesserungen
  • Materialeffizienz
  • Verminderung anderer Treibhausgase als CO2

Die angeführten Themen werden uns in den nächsten Jahren wellenartig erreichen und beschäftigen uns zum Teil ohnedies schon (z.B. Energieeffizienz, Erneuerbare Energien).

 

Vom Ordnungsrecht zu ökonomischen Instrumenten

Das Ordnungsrecht (z.B. Festlegung von Grenzwerten zur Begrenzung von Emissionen) meistert zwar die Schadstoffkontrolle, kann aber den wachsenden Ressourcenverbrauch nur punktuell aufhalten. Das wäre das Terrain von ökonomischen Instrumenten wie z.B. mit freiwilligen Verpflichtungen und Umweltmanagementsystemen.

Bei der Verknüpfung von Umweltmanagementsystemen (z.B. ISO 14001 bzw. EMAS) mit der Ressourceneffizienz können vier Annahmen zugrundegelegt werden:

  • Verschmutzung bedeutet Ressourcenvergeudung
  • Firmen können sich selbst regulieren und brauchen nicht auf den Staat zu warten, um Verschmutzung zu vermeiden
  • Vernünftige Managementsysteme können unterstützen gewünschte Ergebnisse der verbesserten Umweltfreundlichkeit zu erzielen
  • Äußere Auditierung schafft Glaubwürdigkeit und zudem Anreize, die firmeninternen Absichten auch durchzuführen.

 

Die Erhöhung der Materialeffizienz

Das Thema Materialeffizienz (siehe auch zukünftige Schlüsselstrategie) entwickelt sich immer mehr zu einem der prioritären Themen in Wirtschaft und Politik. Zu Zeiten knapper und teurer werdender Rohstoffe ist der Wirkungsgrad der Materialnutzung ein wichtiger Hebel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Ein Hebel dessen Bedeutung weiter zunehmen wird. Von den Managementsystemanforderungsmodellen wird hier die ISO 9001 eine entscheidende Rolle spielen (Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten, Einhaltung von rechtlichen Verpflichtungen bezogen auf das Produkt oder die Dienstleistung).

Der von der Europäischen Kommission verabschiedete „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“ (EU-Kommission 2011) lässt erwarten, dass der Anreiz zur Steigerung der Materialeffizienz in Betrieben in Zukunft weiter zunehmen wird müssen.

Wie können Integrierte Managementsysteme unterstützen?

Angeführt kann beispielhaft wie folgt werden:

  • Integriert Managementsysteme (IMS) können einen Beitrag zur Reduktion des Materialeinsatzes bringen (Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung)
  • Umweltleistungsindikatoren führen zur Erhöhung der Transparenz
  • Der effiziente Einsatz von Ressourcen (z.B. Energie) rückt immer mehr in den Vordergrund
  • Mit einem Rechtsmanagementsystem werden geänderte rechtliche Rahmenbedingungen für Produkte rechtzeitig erkannt;     Einbindung der Thematik zur Verbesserung von Produktions- bzw. Produktentwicklungsprozessen
  • Aufbau von spezifischen Fähigkeiten und Kenntnissen in der Organisation (Ausbildungen)
  • Klare Festlegung von Zuständigkeiten
  • Die Normenwelt schafft vergleichbare Vorgehensweisen (z.B. bei Lebenszyklusbetrachtungen von Produkten)

 

Resümee

Die Entwicklungen bei der Arbeitsproduktivität (Verzwanzigfachung in 200 Jahren) sollten uns ermutigen die Herausforderungen zur erforderlichen Steigerung der Ressourcenproduktivität anzunehmen. Im „Faktor Fünf“ wird eine Verfünffachung der Ressourcenproduktivität (Steigerung um 20%) als erforderlich angenommen. Vierzehn Jahre zuvor wurde der „Faktor Vier“ herausgebracht. Es ist also immer eine Frage des Ausgangspunktes und die Zeit läuft.

Autor

Netzwerkpartner*in

Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

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