Das war das 31. qualityaustria Forum
Widerspruch erwünscht: Teamkultur als Wachstumsbooster
Foto v.l.n.r. Dr. Werner Paar (Co-CEO Quality Austria), Daniela Landherr (Founder & CEO, The Human Space), Patricia Neumann (CEO Siemens AG Österreich), Mag. Christoph Mondl (Co-CEO Quality Austria) © Anna Rauchenberger
Einmal im Jahr lädt Quality Austria heimische Wirtschaftsakteure nach Salzburg, um aktuelle Entwicklungen und Trends im Bereich der Qualitätssicherung zu beleuchten. Im Zentrum des 31. qualityaustria Forums stand der Mensch und das Team. Denn gerade in Zeiten von KI und fortschreitender Automatisierung wird klar, dass die Unternehmenskultur über die Qualität und das Wachstum von Organisationen entscheidet.
„Ein guter Einzelner gewinnt Spiele. Ein gutes Team gewinnt Meisterschaften. Sowohl die Unternehmens- als auch die Teamkultur sind heute spielentscheidend. Gemeinsame Ziele und klare Rollen, eine offene Kommunikation und eine gelebte Feedbackkultur fördern den unternehmerischen Erfolg, erhöhen das Produktivitätswachstum und können zu einem höheren Return on Investment führen. Managementsysteme bilden die Basis für erfolgreiche Unternehmenskulturen“, sagten die beiden Co-Geschäftsführer der Quality Austria Holding, Dr. Werner Paar und Mag. Christoph Mondl in ihrem Eröffnungsvortrag.
Loredana Meduri und Alessandro Spanu, Keynote Speaker, Expert*innen für Leadership und Kommunikation präsentierten in ihrem Vortrag „Die Dolce Vita Strategie: Mit Leichtigkeit und Freude das volle Potenzial entfalten“. Mit interaktiven Übungen zeigten sie dem Publikum, wie sie im Business aus jeder Situation das Beste machen, indem sie Verantwortung übernehmen. Potenziale werden entfaltet, wenn Menschen das bekommen, was sie brauchen:
Pizzeria-Typen lieben Action und Abenteuer, Ristorante-Typen suchen Vision und Freiheit, Casa-Typen stehen für Harmonie und Menschlichkeit und Vapiano-Typen bevorzugen Zahlen, Daten und Sicherheit. Wichtig ist, die Unterschiede als Stärken zu sehen, voneinander zu lernen und durch Bündelung der Potenziale bessere Ergebnisse zu erzielen. Mut, Haltung und gegenseitige Wertschätzung zu leben, wären dafür zentral, beschreibt das Duo abschließend.
Teamkultur als Performancefaktor
In Zeiten hoher Dynamik und Komplexität entscheidet nicht mehr nur die Fachkompetenz Einzelner über Qualität, sondern vor allem, wie offen Teams miteinander arbeiten. Ein zentraler Faktor ist die psychologische Sicherheit. In einer Umgebung, in der Menschen Risiken ansprechen, Fragen stellen und ohne Angst vor Bloßstellung Fehler sichtbar machen können, arbeiten sie produktiver. Studien zeigen, dass Teams mit hoher psychologischer Sicherheit Probleme und Fehler früher ansprechen und dadurch langfristig besser performen.
„Qualität entsteht nicht nur in Prozessen und Normen, sondern im Verhalten von Teams. Dort, wo Menschen sich trauen, Probleme früh anzusprechen und voneinander zu lernen, entsteht echte Qualität“, sagte Daniela Landherr, Founder & CEO von The Human Space, in ihrer Keynote. Nachhaltige Qualität und Wachstum können sich nur entfalten, wenn Lernen möglich ist: Fragen, Feedback und konstruktiver Widerspruch sind Zeichen für eine gute Unternehmenskultur.
Dass die Teamkultur über den Erfolg entscheidet, bestätigte auch Bernhard Neuhold, Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH: „In komplexen Strukturen entscheiden die handelnden Personen auf allen Ebenen über den Erfolg einer Organisation. Eine klare Strategie in Verbindung mit einer Priorisierung von Themen ist unabdingbar, um im nationalen und internationalen Vergleich reüssieren zu können.“ Neuhold sprach in seiner Keynote über die Komplexität ganzheitlichen Denkens in föderalen Systemen. Optimierung in der Spitze dürfe dabei kein Widerspruch zur Förderung der Breite sein.
Tom Walek, Journalist, Keynotespeaker, Comedian und Moderator, begeisterte mit seinem Erfahrungsbericht „Im Wettlauf mit der Zeit - Expedition Südpol“. Er beschrieb Mut, Orientierung und ein Ziel als wichtigste Schritte eines neuen Projektes. Walek ermutigte das Publikum, neue Ziele zu verfolgen und neue Ideen und Positives selbst vorzuleben, um andere zu inspirieren. Vorbereitung und Vorfreude nennt er ebenfalls als zentrale Aspekte für neue Vorhaben.
Als Team ein Ziel festzulegen und gemeinsam den Weg zu gehen, sei gerade in Momenten der Unsicherheit und Angst erfolgsentscheidend. Perfektionismus hätte in Extremsituationen keinen Platz, erzählte Walek. Respekt, Demut und Teamwork sowie ein gemeinsames Commitment führen zum Ziel. Auch wenn nicht alles nach Plan läuft, machen Zusammenhalt und ehrliche Kommunikation den Unterschied, um wirksam zusammenzuarbeiten und daraus zu lernen.
Von der Teamkultur zur Growth Culture
Menschen und Teams brauchen Orientierung auf Basis von Regeln. In der Antike und im Mittelalter gaben Zünfte die Qualitätsregeln vor. Die Industrialisierung des 19. und 20. Jahrhunderts brachte Endkontrollen durch Inspektoren. Erst seit den 1980ern wird Qualitätsmanagement als Managementaufgabe verstanden. Infolgedessen haben sich Managementsysteme etabliert, weiterentwickelt und sichern heute die Qualität in Unternehmen und Organisationen. „Wachstum braucht Struktur. Historisch bildet die ISO 9001 das Rückgrat aller Managementsysteme. In den 2000ern wurde das ISO-Universum erweitert und wir haben uns von der Qualitätskontrolle zum Qualitätsmanagement weiterentwickelt. Daraus kann eine Qualitätskultur entstehen, die für das Wachstum unerlässlich ist. ‚Structure follows strategy‘ gilt in weiterer Folge auch hier“, erläuterte Thomas Waldner, Product Management Quality bei Quality Austria.
„Die Herausforderung für Organisationen ist es, das implementierte Managementsystem so zu gestalten, dass es gut anwendbar und offen ist und auf allen Ebenen wirkt – unabhängig von der Herkunft der Anforderungen wie Qualität, Umwelt, Recht, Compliance, Energie oder Gesetzen und Verordnungen. Kurz gesagt: alle Anforderungen, alle Quellen, aber ein Managementsystem“, so Waldner abschließend.
Eine Kultur des Wachstums und der Veränderung sieht auch Patricia Neumann, CEO der Siemens AG Österreich, als Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Die international erfolgreiche Managerin setzt einen Fokus auf Eigenverantwortung, Leadership und Flexibilität, wodurch Mitarbeitende zu autonomen Entscheidungen empowert werden. Denn gerade in volatilen Zeiten ist eine schnelle Anpassung an Marktveränderungen nur durch eine offene Unternehmenskultur möglich. Das betrifft auch neue technologische Entwicklungen, die Eingang in die gemeinsame Unternehmensvision finden müssen. So reduzieren etwa automatisierte Prozesse die Komplexität und steigern die Produktivität. Die Integration von KI-Technologien in die. Unternehmensabläufe geht noch einen Schritt weiter, macht die Entwicklung skalierbar und ermöglicht zukunftssichere Lösungen.
Entscheidend sind für die Topmanagerin agile Strukturen, die schnelle Umsetzungsprozesse ermöglichen. „Wenn wir über Transformationen sprechen, dann sprechen wir über Menschen, Prozesse und Ideen. Wachstum ist nichts Kurzfristiges oder eine vorrübergehende Phase, sondern ein langfristiger und beständiger Prozess. Eine Growth Culture bedeutet, Veränderungen bewusst zu führen und dabei Innovation gezielt voranzutreiben“, so Patricia Neumann.
Ing. Daniel Oberlojer, MBA, Head of Global Quality Management, Appliance Division, Liebherr Hausgeräte, beschreibt in seinem Vortrag „Quality 360 – Ganzheitlicher Qualitätsansatz als Wettbewerbsfaktor“ die Qualitätskultur bei Liebherr. Er veranschaulichte dem Publikum, warum Strategie nur dann aufgeht, wenn Unternehmenskultur wirklich gelebt wird. Der Qualitätsansatz „Quality 360“ ist in der Unternehmensstrategie von Liebherr fest verankert – dabei steht der Mensch immer im Mittelpunkt.
Der Grundwert „Höchste Qualität, bei allem, was wir tun“ bildet das Fundament für ihr Wachstum. Oberlojer erklärte, dass der Schlüssel zum Erfolg darin besteht, dass die Qualitätsziele für Mitarbeitende verständlich und greifbar sind. Dafür brauche es eine entsprechende Struktur und Kultur. Mit dem richtigen Verhalten durch geprägte Unternehmenskultur könne Kundenzufriedenheit gesteigert und Bürokratie effektiv reduziert werden; gerade auch in Krisenzeiten entscheidend für Unternehmen.
Neue Chancen erlernen: Cross-Innovation und Gedächtnissport
Spannende Zukunftsaussichten und Megatrends wurden von Andreas Steinle, Geschäftsführer, Zukunftsinstitut Workshop GmbH mit dem Titel „Zukunftsmut statt Branchengrenzen: Von Cross-Innovationen und neuen Märkten“ präsentiert. Die Beobachtung von Megatrends wäre laut Steinle zentral, um auf Basis aktueller Gegebenheiten neue Geschäftsfelder zu erschließen. Mit Cross-Innovation können neue Produkte oder Dienstleistungen zusammengebracht werden, wie er mit einigen Beispielen aus der Praxis zeigte.
Die Kooperation zwischen Unternehmen und Branchen, sowie die Kombination von Trends wären dafür zentral. Innovative Projekte würden maßgeblich zu mehr Qualität beitragen und die Kundenzentrierung steigern. Er forderte das Publikum auf, außerhalb der eigenen Branchengrenzen zu denken und Trends sowie digitale Entwicklungen zu nutzen, statt sie zu fürchten. Neue vernetzte Welten mit KI und eine Vernetzung von Plattformen würden neue Chancen bieten, resümierte Steinle.
Mit „Mehr Platz im Gehirn – entspannt mit der Informationsflut und dem modernen Leben umgehen“ zeigte Dr. Boris Nikolai Konrad, Gedächtnisexperte, Keynote Speaker und Autor eindrucksvoll, wie Gedächtnistraining wirkt. Das menschliche Gehirn kann sehr viel mehr Informationen aufnehmen, als angenommen wird – dafür sei vor allem das Lernen mit Bildern wirkungsvoll.
Interaktive Übungen mit dem Publikum belegten die spannenden Erkenntnisse des Experten über die Gedächtnisleistung. Auch zur ständigen Anpassungsfähigkeit und dem Umgang mit technologischen Veränderungen wie KI und Co ist unser Gehirn imstande. Auch wenn KI beeinflusst, wie wir lernen und arbeiten, können wir uns auf unser Gedächtnis verlassen und unser Mindset und Skillset im Laufe unseres Lebens kontinuierlich trainieren, so Nikolai. Zentral seien Vorwissen und die Verknüpfung mit neuem Wissen, um Innovationen hervorzubringen. Darum sei es trotz KI enorm wichtig, weiterhin zu lernen und langfristig Wissen zu sichern.
Fazit: Wachstum bedeutet besser zu werden
Die Expertinnen und Experten des 31. qualityaustria Forums sind sich einig: Wachstum beginnt bei den Menschen – vor allem dort, wo sie vertrauen, lernen und sich entfalten dürfen. Damit nachhaltiges Wachstum gelingt, brauchen Teams neben der gemeinsamen Kultur auch die notwendigen Werkzeuge.
Die Kombination aus menschlicher Arbeitskraft, integriertem Managementsystem und einer gelebten Unternehmenskultur führt zu langfristigem und gesundem Wachstum. Dabei bedeutet Wachstum nicht zwangsläufig, immer größer zu werden, sondern vor allem besser. Denn nur mit einem nachhaltigen und glaubwürdigen Qualitätsversprechen können der österreichische und der europäische Wirtschaftsstandort gesichert werden.
Auf dem Foto v.l.: Werner Paar (Co-Geschäftsführer Quality Austria), Bernhard Neuhold (Geschäftsführer, ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH), Christoph Mondl (Co-Geschäftsführer Quality Austria), Thomas Waldner (Product Management Quality, Quality Austria)
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