19. Okt. 2026

Lebensmittel.Recht.Up2Date von SAICON & Quality Austria

Viele drängende Fragen im Lebensmittel­recht

Auf dem Foto v.l.: Andreas Schmölzer, SAICON Consulting; Lydia Richter, Abteilung Bedarfsgegenstände, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, Baden-Württemberg; Unternehmensberater Jürgen Schlösser, Fachausschuss für Allergene im Lebensmittelverband Deutschlands, Gründungsmitglied des Runden Tisches für Allergenmanagement

Im Fokus des diesjährigen qualityaustria Lebensmittel.Recht.Up2Date in der wolke 19 im Wiener Ares Tower standen neben neuen Themen auch Allergene und Mineralöle, die nach jahrelanger Unsicherheit endlich Klärung erfahren sollten. Rund 100 Vertreter aus Erzeugung, Handel und Verwaltung informierten sich über Hintergründe, Erfahrungen, aktuelle Rechtsprechung und künftige Neuerungen für die Branche.

Für Unternehmen im Lebensmittelsektor sind die Zeiten immer unruhig, aber aktuell besonders turbulent. Nicht nur die geopolitischen und klimatischen Auswirkungen, auch die rechtlichen Vorgaben beschäftigen die Produzenten und den Handel. Das diesjährige qualityaustria Lebensmittel.Recht.Up2Date spannte daher einen weiten Bogen – von Herausforderungen in der Überwachung und einer möglichen EU-Regelung zu Allergenspuren über neue Höchstgehalte für Mineralöle bis hin zum neuen Produkthaftungsrecht und ersten Erfahrungen mit der EmpCo-Richtlinie und PPWR-Verordnung. „Unser Anliegen ist, Branchenvertreterinnen und -vertretern kompakt an einem Tag einen Überblick über die relevanten rechtlichen Entwicklungen zu verschaffen. Darunter sind langjährige Themen, die jetzt zu einem guten Ende kommen, aber auch neue Richtlinien und Verordnungen der EU, die nun in Österreich schlagend werden“, erläuterte Andreas Schmölzer (SAICON Consulting), der für das Programm der Veranstaltung verantwortlich zeichnete.

Mineralöle: Neue Höchstgehalte, aber nicht mehr Schutz

Lydia Richter (Abteilung Bedarfsgegenstände Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, Baden-Württemberg) verglich die neue Vorgehensweise zur Festlegung von Höchstgehalten für aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) mit der bisherigen Beurteilungspraxis. Die Änderung der EU-Kontaminantenhöchstgehalte-Verordnung 2023/915 wurde am 13. Mai 2026 im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel verabschiedet. „Aus Sicht der amtlichen Lebensmittelüberwachung gibt es Bedenken, dass die neu eingeführten Höchstgehalte das aktuelle Verbraucherschutzniveau bis 2030 sogar verschlechtern könnten. Zwar sollen die neuen Höchstgehalte die technische Machbarkeit widerspiegeln, sind jedoch nicht toxikologisch begründet. Aktuelle Daten zeigen allerdings, dass bereits jetzt niedrigere Höchstgehalte technisch machbar wären“, erläuterte Richter. Zudem werde die Kontrolle zusammengesetzter Lebensmittel erschwert, da deren Höchstgehalt erst aus den Einzelzutaten berechnet werden muss. Fehlende Rezepturen führen dabei zu rechtlichen Unsicherheiten und erschweren die gerichtsfeste Beurteilung. „Erst ab 2030 sind alle Höchstgehalte auf dasselbe Niveau wie nach der alten Beurteilungspraxis abgesenkt“, schloss Richter.

Vorsorgeprinzip: Wissen statt Bauchgefühl

Ob die Wissenschaft hält, was das Vorsorgeprinzip verspricht, erläuterte Felix Ortgies vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Das Vorsorgeprinzip sei ein Werkzeug des Risikomanagements, aber kein Ersatz für Wissenschaft: Es setze eine wissenschaftliche Bewertung voraus, und die daraus folgenden Maßnahmen müssten verhältnismäßig, befristet und überprüfbar sein. „Die Wissenschaft hält, was das Vorsorgeprinzip verspricht, wenn wir von ihr nicht das Unmögliche verlangen: Ein ‚Null-Risiko‘ gibt es nicht, wohl aber eine belastbare Aussage darüber, ob ein Risiko unter dem liegt, was wir als Gesellschaft für akzeptabel halten“, führte Ortgies aus.

Entscheidend für die Belastbarkeit sei die Qualität der Studien, nicht ihre Zahl und nicht die Schlagzeile, die sie erzeugen. Denn erst Gefahr und Exposition zusammen ergäben eine Aussage über die Gesundheit, ein Nachweis allein sei noch kein Risiko. „Wo Bewertungsbehörden zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, wie etwa beim Bisphenol A, ist das keine Schwäche des Systems, sondern seine Stärke, solange Methodik und Unsicherheiten offen auf dem Tisch liegen“, so der Experte abschließend.

Felix Ortgies, Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin; Wolfgang Leger-Hillebrand, Leitung Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria Certification

Weitere Einblicke gab es unter anderem von Prof. Markus Grube (Lebensmittelrechtsanwalt), der in seinem Update auch die neuen Bezeichnungsschutzregelungen für Fleischerzeugnisse erläuterte, die als „Veggie-Schutz“ gedacht waren und nun vielleicht die Fleischbranche von hinten treffen. Über bisher unbekannte Risikolagen informierte Prof. Ulrich Busch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Beispiel der schimmelpilzgiftigen Trinkkokosnüsse. Teresa Bauer vom Verein für Konsumentenschutz (VKI) berichtete aus dem aktuellen Verbrauchermonitor, wo versteckte Preiserhöhungen nach wie vor an der Spitze stehen. Angesichts der vielen offenen Fragen für den Lebensmittelsektor zog Andreas Schmölzer ein klares Fazit: „Wir müssen anpassungsfähig bleiben und schneller werden. Für eine effiziente Compliance-Kultur braucht es Kompetenz, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Werkzeuge. Und eine gute Abschätzung, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“

Verpassen Sie keine News mehr – Jetzt qualityaustria Newsletter abonnieren!
Folgen Sie uns am besten auch gleich auf Social Media:

Weitere News & Events

Immer topaktuell informiert

15. Okt. 2026

SURE Zertifizierung bei Quality Austria Certification: Jetzt über RED III informieren

Sustainable Resources Verification Scheme: Rechtliche Basis und weitere Infos

Mehr erfahren
14. Okt. 2026

„Lebensmittel­sicherheit braucht Verantwortung und Haltung“

17. qualityaustria Lebensmittelforum

Mehr erfahren
13. Okt. 2026

Excellence umsetzen mit der Webinarreihe: „Unternehmen & Qualität – Praxiserprobte Lösungen“

Erfolgsrezept für Ihre Organisation mitnehmen

Mehr erfahren
12. Okt. 2026

Normen sichern Österreichs Wirtschaft

Weltnormentag 2026: Ein Jahr drei Revisionen

Mehr erfahren
07. Okt. 2026

Die Revision der ISO 9001:2026 im Überblick

Warum es genau jetzt Qualitätsmanagement braucht

Mehr erfahren
24. Sep. 2026

Jetzt Ihre Weiterbildung mit Early Bird Bonus sichern

Da staunt sogar der frühe Vogel!

Mehr erfahren
22. Sep. 2026

IATF 16949: Update zur 2nd Edition

Zeitplan und Schwerpunkte stehen fest

Mehr erfahren
17. Sep. 2026

Wirksame Rezepte für bessere Patienten­sicherheit

20. qualityaustria Gesundheitsforum

Mehr erfahren
16. Sep. 2026

Arbeitssicherheit entwickelt sich weiter

Von Sicherheit zu Wellbeing und nachhaltiger Arbeitsgestaltung

Mehr erfahren
16. Sep. 2026

Die neue ISO 9001:2026 ist da

Warum es genau jetzt Qualitätsmanagement braucht

Mehr erfahren
15. Sep. 2026

IMS als Erfolgsrezept in Zeiten des Umbruchs

Nutzen für Unternehmen und Ausbildungstipps

Mehr erfahren
15. Sep. 2026

ÖNORM S2500 löst ONR 192500 ab

Neue Norm für Nachhaltigkeitsmanagement bringt klare Struktur

Mehr erfahren
08. Sep. 2026

Welttag der Patientensicherheit

Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen

Mehr erfahren
01. Sep. 2026

Flexibilität als Schlüssel zum Erfolg

Kursprogramm 2027 der Quality Austria Academy

Mehr erfahren
31. Aug. 2026

Was gibt es Neues bei IRIS Rev. 4?

IRIS Rev. 4 ist längst mehr als ein Qualitätsstandard für große Fahrzeughersteller

Mehr erfahren
26. Aug. 2026

QMD Services erweitert ihr Angebot um MDSAP und unterstützt damit den Zugang zu globalen Märkten

Globale Chancen gezielt nutzen

Mehr erfahren
25. Aug. 2026

Internationale Norm soll heimisches Gesundheits­system sichern

Quality Austria für ISO 7101 akkreditiert

Mehr erfahren
20. Aug. 2026

EmpCo: ab 27. September 2026 wird Greenwashing zum Per-se-Verstoß

20. Aug. 2026

PPWR: Seit 12. August 2026 anwendbar

Die wichtigsten Änderungen und was in Österreich vorerst gilt

Mehr erfahren
20. Aug. 2026

EU ETS 2: Jetzt für die Emissions­meldung 2027 vorbereiten

Neues Webinar

Mehr erfahren
+43 732 34 23 22