Neue Norm für Nachhaltigkeitsmanagement bringt klare Struktur und einige Verbesserungen
ÖNORM S2500 löst ONR 192500 ab
Ab 1. August 2026 gilt die neue ÖNORM S2500 – Neuzertifizierungen erfolgen ab sofort ausschließlich nach dem neuen Standard, für bestehende Zertifikate empfiehlt sich der zeitnahe Umstieg bis Ende 2027.
Mit der Publikation am 1. August 2026 löst die ÖNORM S2500 die bisherige ONR 192500:2011 ab. Organisationen, die bereits nach der ONR zertifiziert sind, haben eine dreijährige Übergangsfrist – ein Umstieg bereits im Jahr 2027 wird jedoch empfohlen. Neuzertifizierungen werden ab sofort ausschließlich nach der ÖNORM S2500 durchgeführt.
Breite fachliche Basis durch die Arbeitsgruppe
Die neue Norm wurde von der Arbeitsgruppe AG 251.09 erarbeitet, die sehr breit in ihren Disziplinen und Kompetenzen aufgestellt ist. Vertreten waren unter anderem die Bereiche Umwelt, Soziales, Governance sowie Wirtschaft und Unternehmen. Auch Rechtswissenschaften, Wissenschaft und Lehre – etwa TU Wien, JKU und die Privatuniversität Charlotte Fresenius – sowie Beratung und Sachverständige waren eingebunden. Schnittstellen bestehen zu den Komitees K226 (Umwelt) und K265 (Governance und Compliance).
Begleitet wurde die Normerstellung durch einen umfassenden Konsultationsprozess mit drei zweistündigen Terminen zu den Themen Soziales (21. Februar), Umwelt (28. März) und Unternehmensführung (25. April). Gezielt eingeladen wurden unter anderem Ministerien, NGOs, Unternehmen.
Wesentliche Neuerungen und mögliche USPs
Die ÖNORM S2500 wurde an die Harmonized Structure (HS) der ISO-Managementsystemnormen angepasst, was eine hohe Kompatibilität und Integrierbarkeit mit anderen Managementsystemen sicherstellt. Sie folgt dem bewährten PDCA-Ansatz und berücksichtigt relevante Normen wie ISO 14001 (Umweltmanagement), ISO 50001 (Energiemanagement), ISO 45001 (Arbeitssicherheit) sowie Antikorruptionsvorgaben.
Die Norm gliedert sich klar in einen Anforderungsteil und einen Anhang mit Erläuterungen – dadurch bleibt sie kompakt, während mögliche Anforderungen im Anhang nicht übersehen werden. Die Definitionen orientieren sich häufig an gesetzlichen Begriffsbestimmungen, was eine hohe Kompatibilität mit europäischem und österreichischem Recht sicherstellt; gleichzeitig wurde auf Kompatibilität mit ISO-Definitionen sowie gesetzlichen Definitionen und auf deutsche Begrifflichkeiten Wert gelegt.
Nachhaltigkeit wird in der ÖNORM S2500 im Sinne von Umwelt, Sozialem und Gesellschaftlichem sowie Unternehmensführung verstanden. Entwicklungen im ESG-Kontext wurden berücksichtigt, und die Abschnitte Planung und Betrieb sind klar nach den Bereichen Umwelt, Soziales/Gesellschaftliches und Unternehmensführung differenziert.
Aufbau und Struktur der ÖNORM S2500
Der Anforderungsteil umfasst folgende Kapitel:
- Anwendungsbereich
- Normative Verweisungen
- Begriffe
- Kontext
- Führung
- Planung
- Unterstützung
- Betrieb
- Bewertung der Leistung
- Verbesserung
Ergänzt wird die Norm durch fünf informative Anhänge:
- Anhang A – Begriffe
- Anhang B – Mögliche wesentliche Umweltaspekte und -auswirkungen inklusive Kennzahlen-Set
- Anhang C – Kommunikation
- Anhang D – Compliance
- Anhang E – Anleitungen und Empfehlungen zum Schutz des geistigen Eigentums
Insbesondere Anhang B bietet ein umfassendes Set an möglichen Indikatoren und schafft damit einen konkreten Mehrwert für die praktische Umsetzung.
Was das für zertifizierte Organisationen bedeutet
Da Neuzertifizierungen ab sofort ausschließlich nach der ÖNORM S2500 erfolgen, sollten Organisationen mit bestehendem ONR-192500-Zertifikat den Umstieg frühzeitig planen. Auch wenn die Übergangsfrist formal drei Jahre beträgt, wird ein Wechsel bereits im Jahr 2027 empfohlen, um von der klareren Struktur, der besseren Anschlussfähigkeit an ISO-Managementsysteme und dem aktuellen ESG-Bezug frühzeitig zu profitieren. Die ÖNORM S2500 bietet für KMUs auch eine gute Grundlage für mögliche VSME-Berichte (freiwillige Berichterstattung).
