17. Sep. 2026

20. qualityaustria Gesundheitsforum

Wirksame Rezepte für bessere Patienten­sicherheit

Auf dem Foto v.l.: Marica Pfeffer-Larsson (Branchenmanagement Gesundheitswesen, Quality Austria), Eva Potura (Abteilungsleitung Qualitätssicherung und Patientensicherheit, Gesundheit Österreich), Werner Paar (Co-Geschäftsführer, Quality Austria) ©Anna Rauchenberger

Beim 20. qualityaustria Gesundheitsforum in der wolke19 im Wiener Ares Tower widmeten sich Expertinnen und Experten aus der Gesundheitsbranche dem Thema Patientensicherheit und präsentierten verschiedene Lösungsansätze aus Theorie und Praxis, die zu einer Verbesserung und Verankerung dieses zentralen Faktors in den Gesundheitsbetrieben beitragen können.

Stärkere Patientenzentrierung und bessere Vernetzung

DI Marica Pfeffer-Larsson, MSc, Branchenmanagement Gesundheitswesen bei Quality Austria, führte durch die Veranstaltung und skizzierte in ihrem Vortrag die zehn großen Trends, die das Gesundheitswesen derzeit prägen. So sei beispielsweise der Kostendruck, dem die Krankenhäuser unterworfen sind, nicht zu leugnen. Um diesen zu senken, gilt es den klassischen, linearen Behandlungspfad neu zu denken und die Primärversorgung weiter auszubauen. „Es braucht mehr Multiprofessionalität in der Behandlung von Menschen, denn auch der Körper ist komplex. Es bedarf daher unterschiedlicher Spezialisten – und genau das können Primärversorgungszentren bieten“, so Pfeffer-Larsson. Ebenso sollten der Bevölkerung über Telemedizin oder Gesundheitshotlines mehr Möglichkeiten für Information und medizinische Abklärung geboten werden, um damit die Gesundheitseinrichtungen zu entlasten.

„Im Sinne einer stärkeren Patientenzentrierung muss der Informationsaustausch zwischen den Einrichtungen verbessert und ihre Vernetzung durch Digitalisierung vorangetrieben werden. Gesundheitsdaten sollen dabei zu einer zentralen Infrastruktur des Gesundheitssystems werden“, so die Expertin. Als weiteren wichtigen Faktor für eine erfolgreiche Umsetzung der Gesundheitsreform sieht sie das Thema Prävention in Kombination mit der Eigenverantwortung der Patienten. Es solle bereits ab dem Kindergartenalter über Ernährung und Bewegung als wichtige Hebel für die eigene Gesundheit aufgeklärt werden. „Wir müssen vom Reparieren zur Erhaltung kommen – dafür ist es unerlässlich, dass die Patienten die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen und auch die dafür benötigten Mittel zur Verfügung gestellt bekommen“, so das Fazit von Marica Pfeffer-Larsson.

Die vielfältigen Faktoren der Patientensicherheit

„Sichere Versorgung kann nur dort gelingen, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen, aufeinander aufpassen und kontinuierlich voneinander lernen“, zeigte sich Dr. med. Univ. Eva Potura, Abteilungsleitung Qualitätssicherung und Patientensicherheit bei der Gesundheit Österreich GmbH überzeugt. Denn Patientensicherheit entstehe nicht allein durch Regeln und Prozesse, sondern vor allem durch eine Kultur des Vertrauens, der Zusammenarbeit und des Lernens. Psychologische Sicherheit und eine gelebte Speak-Up-Kultur ermögliche es Mitarbeitenden, Risiken und Bedenken frühzeitig anzusprechen. Führungskräfte spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Offenheit fördern und das Lernen aus Ereignissen unterstützen. Ein wichtiger Aspekt ist laut Potura auch der Umgang mit dem Second-Victim-Phänomen – also, wenn eine Fachkraft zur betroffenen Person wird, wenn sie direkt oder indirekt an einem unerwarteten unerwünschten Patientenereignis, einem unbeabsichtigten Fehler in der Gesundheitsversorgung oder einer Patientenschädigung beteiligt ist. Belastete Gesundheitsfachpersonen benötigen daher Unterstützung, um handlungsfähig zu bleiben.

NISG 2026: Cybersecurity im Gesundheitswesen

Neben dem Personal spielen auch die Infrastruktur und die Betriebsprozesse der Gesundheitseinrichtungen eine zentrale Rolle. Zum brandaktuellen Thema NISG 2026 (Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz) sprach Thomas Mann, Geschäftsführer CIS Certification & Information Security Services GmbH. Der Gesundheitsbereich ist in besonderem Maße vom NISG 2026 betroffen. Vor allem Krankenhäuser müssen als wesentliche Einrichtungen ein entsprechendes Risikomanagement sowie Pläne für Notfall- und Krisenmanagement vorweisen können. Aber auch die medizinisch-technischen Geräte müssen als Netz- und Informationssysteme dem Stand der Technik entsprechen. „Gesundheitseinrichtungen betreiben zwar oftmals ein Qualitätsmanagementsystem, haben aber in den meisten Fällen kein Informationssicherheitsmanagementsystem und können ihre NIS-Konformität daher nicht nachweisen.

Das Qualitätssicherheitsmanagementsystem ist allerdings eine solide Basis, um darauf aufbauend ein Informationssicherheitsmanagementsystem zu begründen. Cyberangriffe, IT-Ausfälle und Betriebsunterbrechungen können in Krankenhäusern zu verheerenden Auswirkungen für Leib und Leben führen. Mit einer Zertifizierung nach ISO 27001 erfüllen sie die organisatorischen Anforderungen des NISG 2026 und sichern gleichzeitig ihre Versorgungsqualität.“

Wichtig ist dabei, dass es kein reines IT-Thema, sondern vielmehr ein Management- und organisatorisches Thema der gesamten Organisation ist, an dem alle mitwirken müssen.

 

Digitale Unterstützung für sichere Medikation

Die sichere Verabreichung von Medikamenten im Krankenhaus ist ein komplexer Prozess, bei dem zahlreiche Arbeitsschritte ineinandergreifen und Fehler schwerwiegende Folgen für Patienten haben können. Im Vortrag „Sichere Medikation: Digitale Unterstützung für die Pflege“ stellten Priv. Doz. Mag. Dr. Magdalena Hoffmann, Stabstelle Qualitätsmanagement bei der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft, und Judith Schinerl, Product Owner Health & SocialCare bei CANCOM Austria, das Projekt SiMed vor. Mithilfe künstlicher Intelligenz und digitaler Technologien soll die Sicherheit bei der Medikamentenvorbereitung erhöht werden. Eine KI-gestützte Überprüfung der vorbereiteten Medikamente unterstützt Pflegepersonen dabei, mögliche Abweichungen frühzeitig zu erkennen und dient als digitales zweites Paar Augen, wie Magdalena Hoffmann betonte: „Wo Menschen hochkomplexe Tätigkeiten unter Zeitdruck und unterbrochen von zahlreichen Anforderungen durchführen, können Fehler passieren. Entscheidend ist, Systeme so zu gestalten, dass mögliche Fehler frühzeitig erkannt werden und nicht zu Schäden bei Patienten führen.“ Dabei stehe nicht der Ersatz menschlicher Expertise im Vordergrund, sondern die gezielte Entlastung und Unterstützung der Mitarbeitenden im klinischen Alltag.

„Künstliche Intelligenz und Digitalisierung sollen Mitarbeitende nicht ersetzen, sondern sie bei anspruchsvollen Aufgaben unterstützen. Mit SiMed schaffen wir ein zusätzliches Sicherheitsnetz, das die Pflege entlastet und einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit leisten kann“, erläuterte Judith Schinerl. Das Projekt zeige, welche Chancen die Digitalisierung biete, um komplexe Versorgungsprozesse sicherer zu gestalten und gleichzeitig die Pflege zu stärken.

Auf dem Foto 2 v.l.n.r.: Magdalena Hoffmann (Stabstelle Qualitätsmanagement, Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H.), Marica Pfeffer-Larsson (Branchenmanagement Gesundheitswesen, Quality Austria), Judith Schinerl (Product Owner Health&Social Care, CANCOM Austria)

In ihrer Conclusio wies Branchenmanagerin Marica Pfeffer-Larsson darauf hin, dass die ISO 7101:2023 für Gesundheitsbetriebe eine Norm mit großer Wirkung sei: „Die zehn Trends des Gesundheitswesens findet man aus der Perspektive des Qualitätsmanagements in der ISO 7101 abgebildet. Sie ist daher für Gesundheitseinrichtungen auch das geeignete Werkzeug, um diese Themen in die Praxis zu übertragen und zielführend zu behandeln.“

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