11. Sep. 2025

19. qualityaustria Gesundheitsforum

Faktor Mensch: Gesundheit fürs ganze Leben

Auf dem Foto v.l.: Slaven Stekovic, Molekularbiologe und Autor; Hilde Löfqvist, Gynäkologin und Autorin; Marica Pfeffer-Larsson, Branchenmanagement Gesundheitswesen, Quality Austria

Beim 19. qualityaustria Gesundheitsforum beleuchteten Expertinnen und Experten aus Medizin, Management und betrieblicher Praxis den menschlichen Aspekt des heimischen Gesundheitssystems und spannten einen Bogen vom Lebensbeginn bis ins hohe Alter. Eine Vielzahl an Interessierten traf sich am 10. September 2025 in der wolke19 im 22. Wiener Gemeindebezirk zu Keynotes, Impulsen und Diskussionen mit Expertinnen und Experten der Branche.

Bis 2033 wird das Regelpensionsalter für Frauen auf 65 Jahre angehoben und damit an jenes für Männer angepasst. In Hinblick auf den Fachkräftemangel plant die Regierung neue Arbeitsmodelle, um ältere Arbeitnehmende länger in Beschäftigung zu halten. Gleichzeitig ist der Ruf nach einer geringeren Wochenarbeitszeit angesichts der aktuellen Budgetlage verhallt. Die Herausforderungen am Arbeitsmarkt haben unmittelbare und mittelbare Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Die Bedeutung psychischer Gesundheit rückt zunehmend in den Vordergrund und sorgt für ein Umdenken in der Vorsorge. Statt teurer Reparaturmedizin braucht es Investitionen in smarte Vorsorgemedizin, die Menschen bereits frühzeitig stärkt.

„Gesundheit bedeutet mehr, als nicht krank zu sein. Ein nachhaltiges Gesundheitssystem berücksichtigt, dass sich die Bedürfnisse der Menschen im Laufe des Berufslebens verändern – von Vorsorge und Aktivität in jungen Jahren bis hin zu Regeneration und Sinnstiftung im hohen Alter. Dabei sind Arbeitgeber und Gesundheitswesen gleichermaßen gefordert, denn die Kompetenzen und die Gesundheit der Arbeitskräfte zahlt unmittelbar in die Qualität und Leistungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft ein“, sagte Marica Pfeffer-Larsson, Leiterin des Branchenmanagements Gesundheitswesen bei Quality Austria, in ihrem Eröffnungs-Statement.

 

Von Beginn an: Psychische Gesundheit als Grundlage

Was Menschen brauchen, um langfristig stabil zu sein, erläuterte Univ.-Prof. Paul Plener in seiner Keynote. Psychische Gesundheit entsteht im Zusammenspiel protektiver Bedingungen wie sozialer Einbindung, sinnstiftenden Tätigkeiten oder körperlicher Gesundheit. Dazu gehört auch ein verlässlicher Zugang zur psychogesundheitlichen Versorgung. „Die Förderung psychischer Gesundheit sollte als multidisziplinäre Herausforderung begriffen werden und demnach einen hohen Stellenwert für das Allgemeinwohl unserer Gesellschaft haben“, sagte Paul Plener, Vorstand Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische Universität Wien. Die multiperspektivische Betrachtung von individuellen, sozialen und strukturellen Einflussfaktoren nimmt zwangsläufig alle Institutionen in die Pflicht, in die Menschen im Laufe ihres Lebens eingebettet sind. Auch aus ökonomischer Sicht beginnt das bereits im Kindergarten, um protektive Bedingungen und soziale Einbindung frühzeitig zu schaffen.

„Der niederschwellige Zugang zu Behandlungsangeboten ist über das gesamte Leben essenziell und beginnt mit einer flächendeckenden kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung. Die Entwicklung der notwendigen Resilienz beginnt lange vor dem Einstieg ins Berufsleben bzw. der Entscheidung für die Ausbildung“, so Plener. Das Zusammenspiel zwischen seelischer und körperlicher Gesundheit sei für ein Neudenken der Gesundheitsversorgung notwendig.

Univ. Prof. Paul Plener, Vorstand Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische Universität Wien; Werner Paar, Co-Geschäftsführer, Quality Austria, ©Anna Rauchenberger

Mit neuen Technologien den Alterungsprozess verstehen

Wie komplex der Alterungsprozess ist und durch Langlebigkeitsroutinen, Ernährungsoptimierung oder gezielte Trainingsmethoden beeinflusst wird, erklärte der Molekularbiologe und Autor Slaven Stekovic. Der Einsatz neuer Technologien, wie etwa die Messung des biologischen Alters mittels KI-Algorithmen oder neue therapeutische Lösungen für die Förderung von Longevity, verändern das Verständnis fürs Älterwerden. „Altern ist ein komplexes Zusammenspiel unserer Genetik und unserer Umgebung. Neue Technologien wie Multi-Omics und KI ermöglichen uns, diese komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen und für die Verbesserung unserer Gesundheit und Langlebigkeit zu verwenden“, sagte Stekovic.

Verständnis für veränderte Bedürfnisse in der Lebensmitte

Die Gynäkologin und in Schweden bekannte Autorin Hilde Löfqvist lenkte mit ihrem Vortrag den Blickwinkel auf die Ressource Frau in der Lebensmitte. Im Laufe des Lebens verändert sich der menschliche Hormonhaushalt und damit auch die Bedürfnisse von Arbeitnehmenden. Sowohl Männer als auch Frauen können von hormonellen Veränderungen betroffen sein, die manchmal zu einer veränderten Leistungsfähigkeit führen. Anschaulich machte Löfqvist dies am Beispiel der Menopause: „Man muss sich der Veränderungen des eigenen Körpers bewusst sein. Ein besseres Verständnis für die Frau in den Wechseljahren und solidarische Unterstützung führen dazu, dass Rollen neu definiert werden können“, erklärte Löfqvist. Mehr Bewusstsein bereitet sowohl Menschen als auch Arbeitgeber besser auf unterschiedliche Lebenssituationen vor und sorgt dafür, dass nicht die Defizite, sondern die Chancen im Vordergrund stehen. „Arbeitnehmende in der Lebensmitte zeichnen sich durch Erfahrung, Verlässlichkeit und persönliche Reife aus. Als Gesellschaft müssen wir lernen, dass jede Lebensphase Vorteile bringt und diese Ressourcen mit der Bereitstellung geeigneter Rahmenbedingungen nutzen“, sagte Löfqvist abschließend.

„Es braucht ein neues, verantwortungsvolles und vorausschauendes Verständnis für die Gesundheitsvorsorge über das gesamte Leben hinweg. Ergänzend zur Patientensicherheitsstrategie 3.0 besteht mit der ISO 7101 ein für das Gesundheitssystem maßgeschneiderter Qualitätsstandard, der den Faktor Mensch, sowohl als Patient als auch als Mitarbeiter, in den Mittelpunkt stellt. Das ist ein wichtiger Ansatz, um mit der entsprechenden Strategie Maßnahmen umzusetzen, die gesteckten Ziele zu erreichen und erfolgreich und vernetzt in Richtung Zukunft zu steuern“, sagte Pfeffer-Larsson abschließend.

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Save the Date! Das 20. qualityaustria Gesundheitsforum findet am 16. September 2026 statt.

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