08. Mai 2020

Xsund bleiben, ist die Devise

Arbeitssicherheit in COVID-19 Zeiten

Xsund bleiben, ist die Devise, nicht nur in diesen sehr herausfordernden Tagen der COVID-19-Pandemie, sondern an allen Tagen des Jahres. Der Schutz des Menschen vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen bzw. Schaden im beruflichen Umfeld ist das zentrale Anliegen des ArbeitnehmerInnenschutzes.

Es gibt auch noch etwas anderes außer COVID-19

Seit Anfang März 2020 sind wir alle stark auf die Vermeidung einer COVID-19-Infektion fokussiert und ausgerichtet. Die Vermeidung einer COVID-19-Infektion für Beschäftigte in den Betrieben, ist eine zusätzliche Herausforderung, die uns ergänzend zu den bereits bestehenden Schutzmaßnahmen, begleitet.

Es gilt vorsichtig zu sein, durch die stark auf die COVID-19-Infektionsvermeidung ausgerichtete Wahrnehmung, nicht gleichzeitig andere Schutzmaßnahmen zu vernachlässigen.

In den europäischen und nationalen ArbeitnehmerInnenschutzgesetzen und -verordnungen ist der Schutz des Menschen und die Sicherstellung der Gesundheit dieser Menschen, einer der wichtigsten Faktoren. In dieser von COVID-19 geprägten Zeit ist die Stabilität und die Zuverlässigkeit von Systemen um eine vertrauensvolle Arbeitsbasis zu schaffen bzw. zu erhalten, eine zentrale Herausforderung für alle Beteiligten. Durch eine unüberschaubare Vielzahl von Informationen welche auf uns einströmt, ist es für den Einzelnen fast unmöglich zu entscheiden, was nun relevant, richtig oder schlicht eine manipulierende Lüge ist. Speziell im betrieblichen Umfeld, in dem der Beschäftigte seine Arbeitsleistung erbringt, um die Firma und seinen Arbeitsplatz wirtschaftlich abzusichern, ist die Vertrauensbasis zu den handelnden Personen und den getroffenen Schutzmaßnahmen sehr wichtig.

Mit klaren und präzisen Aktivitäten und Informationen kann einer Verunsicherung entgegengewirkt werden. Neben den Führungskräften kommt in dieser Zeit den Präventivkräften (Sicherheitsfachkraft, Arbeitsmediziner, psychologischen Diensten, usw.) eine sehr hohe Bedeutung zu, da sich die Tätigkeit der Präventivkräfte noch stärker als bisher wahrgenommen auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirkt.

Managementsysteme wie die ISO 45001 (Arbeitssicherheit und Gesundheit) oder ISO 22301 (Vermeidung von Betriebsunterbrechungen) können in diesen herausfordernden Zeiten die Verantwortungsträger und die Präventivkräfte eines Betriebes in der Systematik der zu treffenden Maßnahmen sehr stark unterstützen.

Gefahrenevaluierung - Maßnahmenableitung

Die im Moment wichtigste Aufgabe ist die Evaluierung der Risiken und Gefahren und der Ableitung von zu setzenden Maßnahmen um den Schutz der Beschäftigten und somit die Leistungsfähigkeit der Betriebe sicher zu stellen.

Bei der Bestimmung der zu setzenden Aktivitäten, ist eine Maßnahmenhierarchie entsprechend dem STOP-Prinzip auch für die COVID-19-Präventionsarbeit sehr hilfreich:

Substitution

  • Vermeidung von (direktem) Kontakt von Mensch zu Mensch
  • Grundsatz: Alle nicht wirklich dringenden Aktionen mit Kontakt zu anderen Personen auf jene Zeit verschieben, in der dies ohne Infektionsgefahr möglich sein wird.

 

Technische Maßnahmen

  • Abgrenzungen (Trennscheiben, Tische), Absperrungen bei Warenübergabe
  • Trennen von Arbeitsbereichen bzw. „Auseinanderrücken“ von Arbeitsplätzen
  • Mechanische Barrieren aufbauen (Trennwände, Paletten, etc)

 

Organisatorische Maßnahmen

  • Anstelle von persönlichen Arbeitsübergaben, soweit als möglich telefonisch, via PC, usw.
  • Produktionsbesprechungen nur noch dann persönlich durchführen, wenn zwingend erforderlich oder auf Telefon- und Video ausweichen
  • Zeitliche Staffelung der Arbeiten – gleichzeitige Arbeiten nur wenn technisch notwendig
  • Wenn Meeting/Schulung: größtmögliche Abstände zwischen den Teilnehmern schaffen
  • ACHTUNG – Sonderregelungen erforderlich bei „Alleinarbeitsplätzen“

 

Persönliche Schutzmaßnahmen

  • Handkontakte sind prinzipiell zu vermeiden
  • Wenn der Mindestabstand zu Kollegen von 1,0 m(A) bzw. 1,5m (D) nicht sichergestellt werden kann, sind untenstehende Maßnahmen verpflichtend
    - Mund-Nasen-Schutz
    - FFP-Schutzmaske (wo erforderlich)
    - Gesichtsschild
  • Im Allgemeinen ist lt. WHO Schutzausrüstung (wie Masken, Brillen, Handschuhe) nicht erforderlich
  • Vor Arbeitsbeginn, vor und nach Pausen, sowie vor und nach näheren Kontakt zu Personen (Sitzungen) Hände mit Wasser und Seife waschen.
  • Wo Händewaschen nicht möglich ist, sind Desinfektionsmittel bereit zu stellen

Unterweisungen

Die Durchführung einer Unterweisung über betriebliche Schutzmaßnahmen, entsprechend der Evaluierung der Gefahren und Risiken ist erforderlich, dabei ist es sehr wichtig keine Ängste zu schüren sondern Vertrauen in die getroffenen Schutzmaßnahmen aufzubauen. Hierzu einige Überlegungen zu den Inhalten bzw. Rahmenbedingungen von Unterweisungen:

  • Richtige und sinnvolle Anwendung von Hygienemaßnahmen (Achtung: Desinfektionsmittel können auch gefährliche Eigenschaft haben, z. B.: entzündlich, usw.)
  • Richtiges An- und Ablegen von Schutzmasken
  • Richtiges An- und Ausziehen von Schutzhandschuhen
  • Richtiges Händewaschen, Verwenden Desinfektionsmittel
  • Verhalten bei Dienstfahrten (gemeinsame Benutzung eines Firmenfahrzeuges in der Arbeitszeit zu beruflichen Zwecken, usw.)
  • Umgang mit unternehmensfremden Personen (z. B.: erforderliche Servicearbeiten durch externe Monteure, Kundenabnahmen von Produkten, usw.)
  • Was tun, wen Mitarbeiter erkrankt?
  • Notfallplanung
  • Nachweis, dass Unterweisung durchgeführt
  • Nachweis, dass Unterweisung verstanden wurde (Mehrsprachig bei Bedarf)

 

Kommunikation – Vertrauen –Vorbildwirkung

Um eine stabile Vertrauensbasis zu den Beschäftigten beizubehalten bzw. zu stärken, ist die Kommunikation ein entscheidender Faktor. Die Möglichkeit des direkten Gespräches mit Vorgesetzten, Präventivkräften und Sicherheitsvertrauenspersonen ist essentiell, auch wenn dies unter COVID-19-Restriktionen erfolgt.

Wichtige Punkte der innerbetrieblichen Kommunikation um Gerüchte und Desinformation zu vermeiden bzw. zu verringern sind unter anderem:

  • Die verständliche Erklärung der wichtigsten Schutzmaßnahmen
  • Abstandsregel – Verhalten in geschlossenen Räumen und im Freien
  • Hygiene –Anwendung von Schutzmaßnahmen (Mund-Nasen-Schutz, PSA-Filtermasken, usw.)
  • Lüften von Räumen
  • Organisatorische Maßnahmen bei betrieblichen Tätigkeiten, wie z. B.: Reparaturen, Besprechungen, Wartungsarbeiten,
  • usw.

 

Einer der wichtigsten Punkte ist das Vorleben und die Vorbildwirkung.

Die beste Unterweisung, die kreativsten Informationsaushänge und coolsten Mails kann niemals das erreichen, was die Vorbildwirkung von Führungskräften und Präventivkräfte erreicht, wenn diese Personen die eigenen Schutzvorgaben leben und konsequent vorleben.  Es ist genau so wichtig zu intervenieren, wenn eine Person die Schutzmaßnahmen ignoriert, um hier klare Flagge zu zeigen, dass der Schutz „Aller“ das dominierende Ziel ist und jeder dazu beitragen muss, auch wenn z. B. ein Mund-Nasen-Schutz unbequem ist.

Die in diesem Artikel angeführten Themen sind kein abschließende Auflistung von zu setzenden Maßnahmen oder zu setzenden Tätigkeiten, sondern ist ein Erfahrungsbericht von aktiven Sicherheitsfachkräften und operativ tätigen Arbeitssicherheitsexperten, welche in diesen herausfordernden COVID-19-Zeiten bemüht sind, den Schutz der Beschäftigten durch Systematik sicherzustellen und dieses Erfahrung mit anderen Experten und Interessierten teilen wollen.

Weiterführende Informationen

Das Thema des ArbeitnehmerInnenschutzes unter COVID-19-Rahmenbedingungen ist durch eine hohe Volatilität der Informationen geprägt. Es ist sehr wichtig rasch zu aktuellen und praxistauglichen Informationen zu gelangen, deswegen sind untenstehend einige Links zu solchen vertrauenswürdigen Quellen angeführt:

Autoren

Eckehard Bauer, MSc

Prokurist Business Development für Risiko- und Sicherheitsmanagement, Business Continuity, Transport
E-Mail

DI Andreas Drivodelits

qualityaustria Netzwerkpartner,
Trainer, Auditor
E-Mail

Ing. Erich Birgmayer, MSc

qualityaustria Netzwerkpartner, Produktexperte Trainings Asset und  Sicherheitsmanagement
E-Mail

 

 

 

Weitere News & Events

Immer topaktuell informiert

18. Mai 2020

Agilität – Qualitätsmerkmal der Zukunft

Agilität wird in der VUKA-Welt für alle Unternehmen wichtiger werden.

Mehr erfahren
14. Mai 2020

Umgang mit COVID-19 – unser Angebot für Sie

So unterstützen wir Sie in dieser herausfordernden Zeit

Mehr erfahren
14. Mai 2020

7 Tipps für mehr Arbeitssicherheit in COVID-19 Zeiten

COVID-19 Infektion der Belegschaft vermeiden.

Mehr erfahren
05. Mai 2020

Systemzertifizierung in Zeiten von Corona

Kurzer Überblick über die wichtigsten Regeln für Audits in Corona-Zeiten.

Mehr erfahren
+43 732 34 23 22