30. Jan 2020

Mehr Qualität statt Quantität

Das sind die Regierungspläne zur Qualitätsverbesserung im Gesundheits­system in Österreich

Qualitätsmanager sind ein unverzichtbarer Faktor in Österreichs Gesundheitssystem: Sie erheben beispielsweise die Ist-Situation in Spitälern und Pflegeheimen, identifizieren Verbesserungspotenziale und erarbeiten klare Qualitätskriterien. Zugleich spielen bei ihrer Arbeit die äußeren Vorgaben durch die Gesetzgeber eine wichtige Rolle. Mediziner Dr. Günther Schreiber ist bei der Quality Austria unter anderem für die Aus- und Weiterbildung von Qualitätsmanagern im Gesundheitsbereich verantwortlich und hat sich die Pläne der Regierung im Detail angesehen.

„Die Führungskräfte im Gesundheitswesen sollten sich Zeit nehmen können, um gezielt zu steuern, lenken und zu planen. Dadurch wird die Fehlerquote minimiert und eine Weiterentwicklung ermöglicht“, erklärt Dr. Günther Schreiber, Netzwerkpartner, Projektmanagement und Koordination Branche Gesundheitswesen bei der Quality Austria. Die Praxis sehe allerdings immer öfters anders aus. „Der Mangel an medizinischen Fachkräften zieht sich bereits durch viele Einrichtungen, weil die Babyboomer-Generation in Pension geht. Es bleibt immer weniger Zeit für Gespräche und gelenkte Planungen“, warnt Schreiber. Angesichts solcher Rahmenbedingungen hätten die Verantwortlichen manchmal kaum mehr Zeit sich mit dem Thema Qualität auseinanderzusetzen. Deshalb bestünde die Gefahr, dass dadurch die Fehlerquote, die Fluktuation sowie die Unzufriedenheit aller Beteiligten steigen. Besonders drastisch würden sich in weiterer Folge Fehler bei den Abläufen und Schnittstellen auswirken. „Organisationen mit Managementsystemen haben klare Vorteile, wobei die Weiterentwicklung und Aufrechterhaltung natürlich Zeit und Anstrengungen bedürfen“, ist Schreiber überzeugt. Ob den Betroffenen dazu künftig mehr Kapazität bleiben wird, wird auch maßgeblich von der Umsetzung der Pläne im Regierungsprogramm abhängen. Teilweise sind die Vorhaben noch recht vage gehalten. Nachfolgend ein paar der Punkte aus dem Regierungsprogramm im Detail:

1) Bezahlung der Ärzte nach Ergebnisqualität

Unter dem Punkt „Prävention und Gesundheitsförderung“ wird im aktuellen Regierungsprogramm ein „Population Health Management“ erwähnt, allerdings ohne die Pläne zu konkretisieren. Laut Einschätzung des niederösterreichischen Patientenanwalts Dr. Gerald Bachinger in den OÖ Nachrichten gehe es hier letztlich darum, dass Ärztehonorare nicht mehr nach Quantität, sondern nach Ergebnisqualität bezahlt werden sollen.

2) Eltern-Kind-Pass mit qualitätsgesicherten Screenings

Laut Regierungsprogramm soll der Mutter-Kind-Pass zum Eltern-Kind-Pass bis zum 18. Lebensjahr weiterentwickelt werden. Dazu soll es künftig standardisierte und qualitätsgesicherte Screenings zur psychischen Gesundheit, Ernährung und sozialen Kompetenz geben.

3) Verbesserung der Ausbildungsqualität bei Medizinern

Die Zugangsbestimmungen zum Medizinstudium sollen laut Koalitionsübereinkommen in Richtung Qualität, Inhalt und Umfang evaluiert werden.

4) Definition von Leistungs- und Qualitätszielen zwischen Ländern und Sozialversicherung

Die Versorgung im niedergelassenen, ambulanten, tagesklinischen und stationären Bereich soll besser aufeinander abgestimmt und ausgebaut werden. Dazu soll es eine gesamthafte Weiterentwicklung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung im intra- und extramuralen Bereich geben. Um das sicherzustellen, ist eine gemeinsame Definition von Leistungs- und Qualitätszielen seitens der Länder und der Sozialversicherung geplant.

5) Unabhängige Qualitätssicherung

Eine unabhängige Qualitätssicherung für den niedergelassenen und stationären Bereich soll sichergestellt werden. Wobei auch bei diesem Punkt die konkreten Umsetzungspläne noch abgewartet werden müssen.

Ähnlich wie bei einem Qualitätsmanagementsystem verfolgt auch ein Regierungsprogramm im Endeffekt ein klares Ziel: in irgendeiner Form eine Verbesserung für die Bürger zu erreichen. Anders als die Zielsetzungen in einem Qualitätsmanagementsystem hat ein Regierungsprogramm allerdings keinen verbindlichen Charakter. Es sind lediglich Vorhaben, die nicht immer bis zum Ende einer Legislaturperiode umgesetzt werden. „Es bleibt abzuwarten, wie die konkreten Umsetzungspläne aussehen, denn die Pläne zur Qualitätsverbesserung im Gesundheitssystem sind noch recht vage gehalten.“, so Schreiber.

Ansprechpartner Gesundheit, Soziales und Gesundheits­tourismus

Netzwerkpartner

Herr Dr.med.univ. Günther Schreiber

Netzwerkpartner, Projektmanagement und Koordination Branche Gesundheitswesen

Weitere News & Events

Immer topaktuell informiert

18. Mai 2020

Staatspreis Unternehmens­qualität: Einreichfrist verlängert

Preisverleihung für ganzheitliche Spitzenleistungen.

Mehr erfahren
18. Mai 2020

Agilität – Qualitätsmerkmal der Zukunft

Agilität wird in der VUKA-Welt für alle Unternehmen wichtiger werden.

Mehr erfahren
14. Mai 2020

Umgang mit COVID-19 – unser Angebot für Sie

So unterstützen wir Sie in dieser herausfordernden Zeit

Mehr erfahren
14. Mai 2020

7 Tipps für mehr Arbeitssicherheit in COVID-19 Zeiten

COVID-19 Infektion der Belegschaft vermeiden.

Mehr erfahren
14. Mai 2020

Die 17 SDGs – was bedeuten sie für Unternehmen?

Ein ehrgeiziger Handlungsrahmen für Politik und Wirtschaft

Mehr erfahren
13. Mai 2020

Zwischenlösung IFS Remote Surveillance Check und IFS GMP vor-Ort-Check

Der IFS hat eine klare Position, von der er nicht abweicht.

Mehr erfahren
12. Mai 2020

IFS Leitfaden Schädlings­bekämpfung veröffentlicht

Lang erwartet wurde nun Anfang des Jahres auch der IFS Leitfaden Schädlingsbekämpfung veröffentlicht.

Mehr erfahren
11. Mai 2020

Diese 8 Qualitätstrends kommen in den nächsten 10 Jahren auf Österreichs Unternehmen zu

Studie „Qualität 2030“ zeigt, wie sich der Qualitätsbegriff verändern wird

Mehr erfahren
08. Mai 2020

Arbeitssicherheit in COVID-19 Zeiten

Xsund bleiben, ist die Devise – und das an allen Tagen des Jahres.

Mehr erfahren
05. Mai 2020

Systemzertifizierung in Zeiten von Corona

Kurzer Überblick über die wichtigsten Regeln für Audits in Corona-Zeiten.

Mehr erfahren
27. Apr 2020

Mit Management­systemen die Herausforderungen der Zukunft meistern

Abfall war gestern, ab sofort gibt es nur noch Nährstoffe.

Mehr erfahren
22. Apr 2020

Remote-Audits

Erfahrungen eines Auditors

Mehr erfahren
+43 732 34 23 22