09. Jan 2017

Die Revison im Praxis-Check – Erfahrungsbericht der ADVA

Die ADVA Optical Networking SE mit rechtlichem Sitz in Meiningen und Verwaltungssitz im bayerischen Martinsried bei München ist ein multinationaler Anbieter von Telekommunikationsausrüstung, insbesondere für glasfaserbasierter Übertragungstechnik, und langjähriger qualityaustria Kunde.

 

Bernhard Wiehler, Vice President Quality Management, ADVA, über die Revision im Praxis-Check:

Nach Jahren harter und kontroverser Diskussionen darüber, was geändert werden muss und wie die Struktur sowie die neu formulierten Anforderungen anzupassen sind, um den aktuellen Entwicklungen und künftigen Erwartungen bzw. Herausforderungen Stand zu halten, wurde schließlich im November 2015 die neue Version der ISO 9001:2015 veröffentlicht.

Im Rahmen der Harmonisierung der gesamten ISO Familie wurde auch die Umweltmanagementnorm ISO 14001:2015 überarbeitet und noch im gleichen Jahr veröffentlicht. Nur 10 Monate später zog auch das Quest Forum nach und publizierte die neue Version der TL 9000 R6.1, wie bisher zu 100% basierend auf der ISO 9001, jedoch angepasst an die erweiterten Anforderungen der Telekommunikationsindustrie.

Was hat sich denn nun wirklich geändert? Warum war es nötig, den bewährten Standard zu erneuern? Und wie wirkt sich das auf die zertifizierten Unternehmen, wie z.B. ADVA Optical Networking SE mit einem wohl etablierten Integrierten Management System, konkret aus?

Lassen sie uns zuerst einen Blick auf die Mission der ISO Familie werfen: Die ISO entwickelt hoch qualitative internationale Standards für den globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen, für die nachhaltige Unterstützung von gerechtem wirtschaftlichem Wachstum, für die Förderung von Innovationen und dem Schutz von Gesundheit, Sicherheit am Arbeitsplatz sowie den Schutz der Umwelt.

Tatsächlich finden sich durchaus grundsätzliche strukturelle Veränderungen, die vielleicht erst beim genaueren Lesen und Verstehen der Details offensichtlich werden. Insbesondere gefällt der Ansatz hin zu einem weniger formalistischen Qualitätsmanagement und der Frage nach dem, was eine Organisation erreicht hat – weniger was dort implementiert wurde: Ergebnisse zählen.

Welchen Unterschied ein so kleines Wort doch macht – zu verstehen, wie man ein Qualitätsmanagementsystem aufbaut, wie man es in ein Integriertes Managementsystem mit allen anderen Systemanforderungen zusammenführt und dadurch ein Unternehmen erfolgreich macht.

Eigentlich heißt das, einen recht gravierenden Wandel zu vollziehen von einem Ansatz in Übereinstimmung mit Normenanforderungen („ich muss das so tun, weil es eine Anforderung der ISO 9001 ist“) hin zu einem Ansatz der Normenkonformität inkl. einem Werte steigerndem Beitrag („ich will das so tun, weil es Sinn macht und es mir hilft, mein Unternehmen zu verbessern“).

In diesem Zusammenhang bekommen die Hauptänderungen in der neuen ISO 9001 Revision erst ihren eigentlichen Sinn, als da sind:

  • „Kontext der Organisation“ – sich bewusst zu sein über das Marktumfeld und alle beteiligten Interessensgruppen (Kunden, Geschäftspartner, Lieferanten, Aktionäre, usw.) sowie deren Motivationen und Erwartungen zu verstehen.
  • „Ganzheitliche Geschäftsprozesse“ – eine wohl definierte Struktur von Prozessen mit starker Kundenausrichtung. ADVA hat dies entlang des EFQM (European Foundation for Quality Management) Modells implementiert, sowie unter Anwendung des PDCA (Plan-Do-Check-Act) Zyklus.
  • „Risiko basiertes denken und handeln” – dies soll bereichsübergreifend über alle Abteilungsgrenzen erfolgen. Ein systematisch eingebettetes und methodisches Risikomanagement (Identifikation, Bewertung und Prävention) innerhalb der Geschäftsprozesse nicht nur bei der Entstehung von Produkten und Dienstleistungen (z.B. FMEA) ist dafür eine Grundvoraussetzung.

Diese neuen Entwicklungen geben den Unternehmen deutlich mehr Freiraum bei gleichzeitig weniger Bürokratie. Stattdessen sind messbare Indikatoren gefragt, die nachweisen, dass das System und die darin definierten Prozesse effektiv und effizient funktionieren. Solche Veränderungen adressieren klar die heutigen und zukünftigen Anforderungen in der Industrie, sie unterstützen Unternehmen mit einem stark ergebnisorientierten Konzept und entsprechenden Regularien erfolgreich zu sein.

Andererseits wird es externe Auditoren im Sinne von Qualifikation und Erfahrung vor neue Herausforderungen stellen. Denn es wird für sie schwerer, den individuellen Charakter eines Unternehmens, dessen System und Prozesse zu verstehen, als auch die angemessene Umsetzung der Norm zu überprüfen bzw. Abweichungen zu erkennen.

ADVA Optical Networking SE scheint gut gewappnet, denn die aktuellen Auditergebnisse durch Quality Austria sind vielversprechend für die geplante erneute Re-zertifizierung im Jahr 2017, dann bereits nach der neuen Norm. Aber es gibt trotzdem noch einige Hausaufgaben abzuarbeiten bis dahin, zum Beispiel in Bezug auf die Aktualisierung unseres Integrierten Managementsystem als auch hinsichtlich der Kommunikation an alle Mitarbeiter und deren Bewusstsein über die neue Ausrichtung.

Drei Jahre Übergangszeit (bis Ende November 2018) erscheint nicht lange, um die Zertifizierung (ISO 9001, TL 9000 und ISO 14001) auf den neuen Stand zu bringen. Wir haben beschlossen, das nicht auf die lange Bank zu schieben und streben bereits für Oktober 2017 die Re-Zertifizierungen an. Es gibt noch einiges zu tun und unser QM-Team ist bereits intensiv damit beschäftigt, die identifizierten Aktionspunkte mit den jeweiligen Unternehmensbereichen zu koordinieren und abzuarbeiten.

 

Also, was ist zu tun? Was konkret muss nun angegangen werden?

Die Qualitätsabteilung wird eine bereichsübergreifende Analyse planen und durchführen (1), um den „Kontext der Organisation“ für ADVA Optical Networking SE zu ermitteln und zu verstehen. Gemeinsam mit allen Unternehmensbereichen und basierend auf dieser Analyse werden wir unseren Prozess zum Risikomanagement überprüfen und aktualisieren (2). Und, wir werden in der Konsequenz dazu das Risikomanagement noch stärker in unsere Prozessmodelle und somit in unsere Geschäftsprozesse integrieren.

Eine stabile, gesunde, innovative Unternehmenskultur, offen für Veränderungen, kombiniert mit einem gut funktionierenden Veränderungsmanagement ist dabei essentiell wichtig. Wer somit nach den Werten der ADVA Kultur und im Einklang mit dem Integrierten Managementsystem, also auch den ISO Normenforderungen lebt und arbeitet, wird letztlich mittelbar oder unmittelbar Einfluss nehmen auf die Qualität seines Unternehmens.

Es geht alle an, alle Mitarbeiter auf allen Ebenen müssen dazu beitragen und mitwirken – aber das war schon immer so.

“Es ist nicht genug sein Bestes zu geben; zuerst musst du verstehen was zu tun ist, und dann gib Dein Bestes“, W.E. Deming

Autor

Bernhard Wiehler
Vice President Quality Management
ADVA Optical Networking SE
bwiehler(at)advaoptical.com
www.advaoptical.com

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