31. Okt 2014

Hopfen, Malz, Laternenpfähle

Was verbindet einen Bierbrauer, einen schottischen Schriftsteller und Peter Drucker mit dem Six Sigma Training von Quality Austria?

“He uses statistics as a drunken man uses a lamp post - for support rather than illumination”.

Sagte der Dichter und Anthropologe Andrew Lang aus dem schottischen Selkirk.

Etwas weiter im Süden und einige Jahrzehnte später arbeitete William Sealy Gosset daran, die Ernte-Ausbeute von Hopfen und Gerste für die Guinness-Brauerei zu optimieren, wo er zunächst als Brauerei-Lehrling und später als Chef-Brauer für die Standorte Dublin und London tätig war.

Sein Problem: Große Experimente am Feld waren teuer. Also erfand Gosset, stets getrieben von der unmittelbaren Anwendbarkeit in “seiner” Brauerei, wirtschaftlich sinnvolle Methoden, die es ihm erlaubten, anhand kleiner Mengen Getreides Unterschiede im Ertrag feststellen zu können. Damit verschaffte er der Guinness-Brauerei einen Wettbewerbsvorteil.

Lange bevor er im Jahr 1908 seine durch praktisches Experimentieren entwickelten Erkenntnisse unter dem Pseudonym “Student” publizierte, schrieb er an den akademischen Statistiker Karl Pearson in London:

(…) it would appear that in such work as ours the degree of certainty to be aimed at must depend on the pecuniary advantage to be gained by following the result of the experiment, compared with the increased cost of the new method, if any, and the cost of each experiment (…)” [1]

Weitere hundert Jahre später, im Jahr 2004, wandte sich Peter Drucker an Russell Ackoff:

“I was then, as you may recall, one of the early ones who applied Operations Research and the new methods of Quantitative Analysis to specific BUSINESS PROBLEMS - rather than, as they had been originally developed for, to military or scientific problems. I had led teams applying the new methodology in two of the world’s largest companies - GE and AT&T. We had successfully solved several major production and technical problems for these companies - and my clients were highly satisfied. But I was not - we had solved TECHNICAL problems but our work had no impact on the organizations and on their mindsets. On the contrary: we had all but convinced the managements of these two big companies that QUANTITATIVE MANIPULATION was a substitute for THINKING. And then your work and your example showed us - or at least, it showed me - that the QUANTITATIVE ANALYSIS comes AFTER the THINKING - it validates the thinking; it shows up intellectual sloppiness and uncritical reliance on precedent, on untested assumptions and on the seemingly “obvious.” But it does not substitute for hard, rigorous, intellectually challenging THINKING. It demands it, though - but does not replace it.” [2]

 

Ob es Zufall war, dass Six Sigma gerade bei und durch GE zu Weltruhm gelangt ist?
Was das alles mit den Six Sigma Lehrgängen bei der Quality Austria zu tun hat?

Für die Weiterentwicklung und ständige Verbesserung dieser Lehrgänge lassen sich in der obigen Zitatensammlung einige wichtige Leitlinien aufspüren:

Die wichtigste ist wohl:
Wir wollen nicht theoretische Statistiker ausbilden, die auch Probleme lösen. Das Ziel der Lehrgänge ist, die Problemlösungs-Kompetenz der Teilnehmer zu erweitern und zu stärken, um ihnen und ihren Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen: So, wie das bereits vor hundert Jahren William Sealy Gosset für Guinness gemacht hat.

Dieser Grundsatz hat zur Konsequenz, dass Six Sigma Trainer von Quality Austria jahrelange Praxis in der eigenen Anwendung jener Werkzeuge gemacht haben müssen, ehe sie diese nun im Zuge der Lehrgänge an die Teilnehmer weitergeben können. Sie transportieren zusätzlich zu ihrem Wissen auch ihre praktische Erfahrung. Aus demselben Grundsatz folgt die Forderung an das Training, vor allem ausgiebig Raum für die ersten eigenen Erfahrungen mit den Werkzeugen von Six Sigma zu schaffen: Dabei helfen einerseits die Übungsbeispiele im Training, andererseits der Erfahrungsaustausch zwischen Teilnehmern und Trainern.

Ein wesentlicher Aspekt von Six Sigma ist die Verwendung von Daten bei der Suche nach Verbesserungen:
Viel von Gossets Arbeit kommt dabei den Six Sigma Praktikern zugute (und das nicht nur bei der abendlichen Diskussion unter Kollegen im Irish-Pub). Die Analyse von Problemursachen ist jedoch kein Selbstzweck: Ziel ist stets das effiziente Erreichen nachhaltiger Verbesserungen. Daher das die Ausbildung begleitende Pilot-Projekt und die Möglichkeit, mit den erfahrenen Trainern die Projekt-Arbeit in den Reflexionsworkshops zu diskutieren. Schon diese ersten Projekte sollen ein im Unternehmen spürbares Ergebnis bringen. Sie befassen sich, je nach Branche, mit so grundverschiedenen Dingen wie der Steigerung von Call-Center Effizienz, der Beschleunigung von Durchlaufzeiten bei der Behebung von IT-Problemen oder der Reduktion von Nacharbeit bzw. Fehlerraten in der Produktion, um einige “klassische” Anwendungen der Methodik anzuführen. Dass “spürbare Ergebnisse” oft im ureigensten Sinn des Wortes auch eine ganz andere Bedeutung annehmen können, lässt sich an Beispielen im Gesundheitsbereich sehen, wo Projekte etwa an der Reduktion von Fehlerraten bei Medikamenten-Verschreibungen zum Ende des Spitalsaufenthaltes oder an der Verkürzung von Patienten-Transferzeiten zur Intensivstation arbeiten. Das Herumwerfen mit Zahlen, wie es Drucker auf´s Korn nimmt, kann jedoch niemals Ersatz für die Aktivierung der eigenen grauen Zellen sein: Innovatives Denken soll durch den gezielten Einsatz von datengestützten Methoden herausgefordert und dadurch weiter geschärft werden.


Six Sigma Belts der Quality Austria lehnen sich nicht entspannt an den Laternenpfahl der statistischen Analyse - ihr Antrieb ist das Ausschöpfen von zwei Potentialen:

  • Einerseits das Potential, das durch die implementierten Prozess-Verbesserungen gehoben werden kann.
  • Andererseits das Potential der Erkenntnis: die Transparenz des Six Sigma Vorgehensmodells unterstützt bei der Vermehrung und Verteilung des gewonnenen Wissensschatzes im Unternehmen.

Damit schaffen sie einen weit über den wirtschaftlichen Nutzen des Einzelprojektes hinausgehenden Wert.

 

 

 

[1] Pearson, Egon S. 1939. “Student” as Statistician. Biometrika 30 (3-4): 210-50.

[2] Ehrendes Grußschreiben von Peter Drucker an Russell L. Ackoff, das vom ehemaligen General Motors V.P. Vince Barabba bei der 3. Internationalen Konferenz zu Systems Thinking in Management (ICSTM) an der University of Pennsylvania im Mai 2004 überreicht wurde.

Autor

Netzwerkpartner*in

Herr DI Michael Lucyshyn

Netzwerkpartner, Produktexperte Six Sigma und Statistik

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