20. Nov 2013

Energiemanagement

Kennen Sie die Energiebilanz Ihres Unternehmens?

Betriebliches Energiemanagement hat bei heimischen Managern keinen großen Stellenwert, das belegt eine Deloitte-Umfrage. Viele kennen nicht einmal die Energiebilanz ihrer Firma.

Folgende Fragen wurden dabei an Top-Entscheidungsträger gestellt:

  • Kennen Sie die Energiebilanz Ihres Unternehmens? Und nutzen Sie bereits Energiemanagementsysteme, um Energiekosten in Ihrem Betrieb zu senken?

Erkenntnisse

  • Auf die angeführten Fragen kommt von den Top-Entscheidungsträgern erschreckend oft ein „Nein“
  • In gut 50 Prozent der Unternehmen fehlt es an entsprechenden Energiemanagementsystemen
  • Der Nutzen derartiger Maßnahmen wird in Businessplänen viel zu selten berücksichtigt (dies führen die Experten von Deloitte als mögliche Ursache für fehlende Energiemanagementsysteme an)
  • 52 Prozent der Manager kennen die Energiebilanz ihrer Firma gar nicht (wie können dann Potenziale gehoben werden?)

 

Vergleich mit USA

  • Im „Billig-Energie-Land“ USA herrscht wesentlich mehr Bewusstsein für Energiemanagement als hierzulande.
  • 81 Prozent der befragten US-Unternehmen gaben an, 2013 Energiemanagement-Programme durchzuführen, um Kosten zu senken.
  • 76 Prozent taten dies auch aus Imagegründen.

 

Resümee

Der Vergleich zwischen heimischen Betrieben und amerikanischen Firmen ist durchaus irreführend. Heimische Betriebe verstehen offensichtlich mehr hinter den Anforderungen an ein Energiemanagementsystem (z.B. systematische Einbindung des Themas in die Organisation). Auch bei uns dürfte der Anteil an Organisationen die Energiemanagement-Programme durchführen um Kosten zu senken, größer sein.

Viel spannender ist die Frage nach der Energiebilanz und der Erkenntnis, dass Maßnahmen im Businessplan viel zu selten berücksichtigt werden.

Auf alle Fälle besteht für heimische Unternehmen Handlungsbedarf (Energiekosten, Klimaschutzanstrengungen, Pflichten aus dem zu realisierenden Energieeffizienzgesetz).

 

Was kann die ISO 50001 beitragen?

Die Darstellung der Energiebilanz ist offensichtlich für Volkswirtschaften schon schwierig, welche Möglichkeiten haben Unternehmen eine nachvollziehbare Bilanz darzulegen? Die ISO 50001:2011 - Energiemanagementsysteme ― Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung – hat als Kernanforderung den Ansatz über den „Energieplanungsprozess“ gewählt.

 

Energieplanungsprozess im Sinne der ISO 50001:2011

Folgende Punkte sind für eine Organisation zu beachten:

  • Sie sollte einen Energieplanungsprozess durchführen und dokumentieren.
  •  Die Energieplanung sollte zu Aktivitäten zur kontinuierlichen Verbesserung der energiebezogenen Leistung (messbare Ergebnisse bezüglich Energieeffizienz, Energieeinsatz und Energieverbrauch) führen.
  • Die Energieplanung sollte eine Überprüfung derjenigen Aktivitäten der Organisation einschließen, welche die energiebezogene Leistung beeinflussen.
  • Die Organisation sollte eine energetische Bewertung entwickeln, aufzeichnen und aufrecht erhalten (siehe Abbildung).
  • Es sollten die relevanten Variablen, welche den wesentlichen Energieeinsatz beeinflussen, ermittelt werden (z.B. Höhe der Produktion, Außentemperaturen, usw.).
  • Die Organisation sollte die energetische Ausgangsbasis erstellen (Festlegung eines angemessenen Zeitraumes); die energetische Ausgangsbasis soll aufrechterhalten und aufgezeichnet werden und wird nur in bestimmten Fällen angepasst (Festlegung in Norm).
  • Die Organisation sollte für die Überwachung und Messung der energiebezogegenen Leistung angemessene Energieleistungskennzahlen (EnPIs) ermitteln.
  • Die Organisation sollte dokumentierte strategische und operative Einzelziele für die relevanten Funktionen, Ebenen, Prozesse und Anlagen/Standorte innerhalb der Organisation einführen.
  • Zur Erreichung der strategischen und operativen Ziele sollte die Organisation Aktionspläne einführen (Achtung Inhalte sind festgelegt).

Die folgende Abbildung (Verweis auf Anhang der ISO 50001) zeigt ein konzeptionelles Diagramm, das einem besseren Verständnis des energetischen Planungsprozesses dient:

Folgerungen und Erwartungen:

  • Werden in Unternehmen bisher meist nur die Entwicklungen der Energieeinsätze (meist nur in Form von Kosten) verfolgt, so geht es nunmehr um die Analyse des Energieeinsatzes und des Energieverbrauchs
  • Die Erstellung einer Energiebilanz wird möglich
  • Der Energieeinsatz wird systematisch geplant werden (Budgetierung, Businessplan)

Autor

Netzwerkpartner*in

Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

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