28. Sep 2018

„Digitale Weiterbildung“ im Vergleich

Wie effektiv ist Lernen ohne Lehrer?

Weiterbildung ist für Ihren beruflichen Erfolg unerlässlich. Im Studium oder in der Berufsausbildung angeeignetes Wissen hält nicht ewig. Es verliert an Aktualität und ggf. sogar an Relevanz, sollten beispielsweise neue Technologien Erlerntes ablösen oder obsolet machen.

Eine Faustregel besagt, dass fachliches Wissen alle fünf Jahre ein Update bräuchte. Es muss sich aber nicht nur um den pflichtbewussten Antrieb handeln, im Beruf am Puls der Zeit zu bleiben – auch der Wunsch, sich beruflich komplett neu zu orientieren oder sich persönlich weiterzuentwickeln, kann als Treiber, Neues zu lernen, fungieren. Im Beruflichen wie im Privaten steht man doch oft vor der Herausforderung des Zeitmanagements. Sich über einige Tage in einen Kurs zu setzen, sehen so manche Kollegen und Arbeitgeber nicht gerne und Abend- oder Wochenendveranstaltungen können auch privat zu einer organisatorischen Challenge werden. Daher haben sich digitale Lernformen mittlerweile stark etabliert und werden beruflich wie privat gerne für Aus- und Weiterbildung genutzt.

Werfen wir einen Blick auf die aktuellen Trends des digitalen Lernens:

BLENDED LEARNING

E-Learning, die Kurzform von Electronic-Learning, ist ein weitumfassender Begriff, weil er alle Lehr- und Lernaktivitäten unter Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien umfasst. Dies schließt auch die Kombination mit Präsenzveranstaltungen ein. Hier spricht man dann von Blended Learning, also gemischtem Lernen. Blended Learning vereint die Vorteile von beiden etablierten Lernmethoden: die selbständige Zeiteinteilung und Ortswahl Ihrer Lerneinheiten sowie die persönliche Ansprache, die individuelle Vertiefung des Themas und den Wissensaustausch durch die Präsenz eines Trainers und weiteren Kursteilnehmern beim Präsenztermin.

Laut der „eLearning BENCHMARKING Studie“ von 2017 dominieren neben dem Blended Learning auch WBTs (Web-Based-Trainings) und Webinare die Statistik der meistgenutzten E-Learning-Methoden in Unternehmen im deutschsprachigen Raum.

WEB-BASED TRAININGS

Web-Based-Trainings (WBT) und virtuelle Klassenzimmer werden eher bei Vorbereitungen auf den Präsenzunterricht eingesetzt, um die Lernenden auf einen einheitlichen Wissensstand zu bringen. Auch hier wird eine räumliche, zeitliche und inhaltliche Flexibilität des Lernprozesses ermöglicht und eine stärkere Interaktivität durch die Verknüpfung von E-Mails, News, Chats und Diskussionsforen sowie von Materialarchiven mit dem WBT forciert. Zusätzlich können Audio- und Videoclips live gestreamt werden. Der große Lernerfolg liegt bei dieser Methode am Prinzip des Schwarmlernens. Die Kommunikation und Interaktion untereinander gewährleistet die erfolgreiche Zusammenarbeit.

MOOCs – Massive Open Online Courses – können ebenso im Rahmen eines Web-Based-Trainings genutzt werden. Dies sind kostenlose Onlinekurse, geeignet für eine große Teilnehmerzahl. Es werden traditionelle Formen der Wissensvermittlung durch Videos, Lesematerial und Beantwortung von Problemstellungen mit Foren kombiniert.

WEBINARE

Webinare sind ebenso webbasiert und interaktiv, jedoch finden sie immer live zu einem festgelegten Termin statt und dauern in der Regel eine Stunde. Die kurze Dauer der Webinare führt zu einem höheren Lernerfolg, weil das Konzentrationsniveau der Teilnehmer gehalten werden kann. Der Begriff Webinar ist eine Wortkombination aus Web und Seminar, wobei die Stärke dieser Lernmethode vor allem in der Tatsache liegt, dass die Inhalte von kompetenten Trainern mit Vortragsfolien, Bildern und Videos leicht verständlich dargestellt werden können.

Daher wird sie gerne als Tool zur Kundengewinnung und für Lösungsvorschläge eingesetzt, wenn ein Interessent noch mehr Informationen zu einem Produkt braucht. Webinare finden aber in jeder Branche viele Nutzer, weil die Lerneinheit standortunabhängig durchgeführt wird und die Möglichkeit zur Beantwortung von Fragen und zum Feedback gegeben ist.

M-LEARNING

Ein starker Trend im Bereich digitale Weiterbildung wird auch in der Anwendung von Features und Apps am Smartphone festgestellt. Mobile Learning – kurz M-Learning – ist ortsunabhängiges Lernen unter Anwendung mobiler Endgeräte und findet weitab vom Büro statt. Mobile Lern-Apps füllen „Leerzeiten“ im Tagesablauf: Just-in-time Learning kann somit während dem Warten auf den Bus oder im Wartezimmer beim Arzt effektiv genutzt werden. Gerade für Unternehmen ist M-Learning kombiniert mit Präsenzveranstaltungen eine große Innovation, die immer mehr Anwendung findet. Die Lerninhalte der Präsenzstunden lassen sich so vor- oder nachbereiten sowie vertiefen.

GAMIFICATION

Spielerisches Lernen mittels Lern-Apps für PC oder portable Mobilgeräte wird unter Gamification verstanden. Es kommen spieltypische Elemente zum Einsatz wie Highscores, Ranglisten, Levels oder Auszeichnungen, die den Zugang zu Prozessen erleichtern und die Langzeitmotivation steigern sollen. In Unternehmen kann die Plattform beispielsweise so aussehen, dass die Projektteilnehmer in eine Spielsituation versetzt werden, welche anreizt, an einer Problemlösung zu arbeiten. Das Spiel lässt einen digitalen, interaktiven Wettbewerb entstehen, indem die Spieler Ideen einbringen und sich gegenseitig bewerten. Durch die Eingliederung von Spielkomponenten – beispielsweise Belohnungsmechanismen wie Punktesysteme, Status-Abzeichen oder Mitgliedschaften – wird der Spieltrieb des Nutzers geweckt, der der Schlüssel zum Erfolg spielerischen Lernens ist. Dabei werden auch Spieltypen wie Puzzlespiele, Simulationen, Rollenspiele, Quizze und Spiele, die auf Gesten reagieren, eingesetzt und können unter Game-Based-Learning (GBL) zusammengefasst werden.

AUGMENTED REALITY

Die Verknüpfung von Realität und Onlinespiel findet in verschiedensten Bereichen Anwendung und wird immer populärer. Der User befindet sich in der Augmented Reality (AR) in der realen Umgebung, die mittels einem mobilen Endgerät oder einer halbtransparenten Datenbrille um virtuelle Elemente bzw. digitale Informationen erweitert wird. Das vielleicht bekannteste Beispiel basierend auf dem Prinzip der „erweiterten Realität“ ist Pokémon GO, das einen weltweiten Hype ausgelöst, bereits etliche Auszeichnungen erhalten und zu einer Verdopplung des Marktwerts von Nintendo geführt hat. Für das Location-Based-Game reicht ein Handheld-Mobilgerät wie ein Smartphone oder Tablet, um damit virtuelle Fantasiewesen – Pokémons – einzufangen.

Die Technologie der Augmented Reality wird mittlerweile vermehrt für den Lehr-Lernkontext verwendet insbesondere für das Verständnis abstrakter oder komplexer Konzepte und Modelle. Industrielle Arbeitskontexte sind prädestiniert für das Lernen in der erweiterten Realität, da die Mitarbeiter mit ihrem Werkzeug in der Hand aktiv werden. Zusätzliche Geräte wie Datenbrillen können Anleitungen von Produktionsabläufen oder Qualitätssicherungsprozessen visualisieren. Durch den Einsatz von AR in der Industrie wird eine Grundlage für das Zusammenwachsen von Industrie 4.0 und Weiterbildung 4.0 geschaffen.

VIRTUAL REALITY

Manche bezeichnen Virtual Reality (VR) als die Zukunft von E-Learning und in bestimmten Bereichen wird das auch zutreffend sein. Bei der virtuellen Realität handelt es sich um eine dreidimensionale computergenerierte Umgebung, mit der der User experimentieren und interagieren kann. Durch die immersive Erfahrung ist es möglich, sich in diese virtuelle Welt zu vertiefen und als Teil der 3D-Welt zu fühlen. VR wird bereits in der Gesundheitsbranche stark genutzt, um Ärzten zu helfen, komplizierte medizinische Eingriffe durchzuführen. Im allen Bereichen, in denen Mitarbeiter auf Handbücher oder Informationsblätter zurückgreifen müssen, kann VR optimal eingesetzt werden, um die Informationsspeicherung durch das virtuelle Erleben zu verstärken.

Wir sehen, es gibt viele Formen von E-Learning und die Möglichkeiten zur digitalen Weiterbildung ohne zeitlicher oder räumlicher Einschränkung werden weiter steigen. Für einen erfolgreichen Lernprozess ist es wichtig, nach eigenem Tempo zu lernen, die Lerninhalte visuell und akustisch unterstützt zu erfahren und sich darüber austauschen zu können. Im Bereich der Aus- und Weiterbildung geht es nicht nur um die Vermittlung von Inhalten, sondern auch um eine didaktische und kognitive und in manchen Bereichen sogar affektive Wissensvermittlung mit einem hohen Praxisgehalt. Daher ist die Begleitung durch einen Lehrer bzw. Trainer gerade im Trainingsbereich unerlässlich. Blended Learning Formate werden sich über kurz oder lang durchsetzen.

Längere Ausbildungen werden immer stärker mit digitalen Lernformaten kombiniert werden, um die Aufnahmefähigkeit auf einem angenehmen und selbst-bestimmbaren Niveau zu halten. Doch um Fragen, das eigene Unternehmen bzw. die eigene Situation betreffend, zu stellen und sich fachlich auszutauschen, bleibt der Trainer vor Ort unersetzlich. Vor allem das Netzwerken und das individuelle Know-how aus der Praxis bringen den deutlichen Mehrwert.

Beurteilen Sie selbst

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BLENDED LEARNING – Qualitätsbeauftragter Kompakt

Autorin

Team

Frau Ing. Mag. Nina Melmer, BA (Karenz)

Marketing und Sales Analyst

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