04. Mai 2021

Stolperfallen managen

Woran Unternehmen scheitern und wie Sie das gekonnt verhindern

Uns allen passieren Fehler – tagtäglich, im Privatleben und im Business, mal mehr, mal weniger gravierend. Was sich jedoch bei allen Fehlern wesentlich voneinander unterscheidet, ist die subjektive Wahrnehmung von Fehlern, der Schweregrad der Auswirkung, und wie mit Fehlern prinzipiell umgegangen wird. Wir sprechen hier von der Fehlerkultur.

Was sind die häufigsten Scheiterursachen von Unternehmen? Wie kann eine konstruktive, positive Fehlerkultur aufgebaut werden? Welche Rolle spielen Learning Loops, Managementsysteme und Leadership?

Konrad Scheiber, CEO der Quality Austria, und Dejan Stojanovic, Failure Enthusiast und Gründer der Fuckup Nights Vienna, haben diese Thematik aus verschiedenen Perspektiven reflektiert und liefern konkrete Tipps für den Umgang mit Fehlern.

Mindset first, Toolset second

Fehler zu verhindern ist das Eine, konstruktiv mit Fehlern umzugehen und aus kritischen Situationen zu lernen, das Andere. Die kleinsten Fehler können bekanntlich Großes bewirken und zum Scheitern eines Unternehmens führen. Grundsätzlich wäre es uns deshalb wohl allen lieber, so wenige Fehler wie nur möglich zu machen und so viele Ideen, Aktionen und Produkte wie möglich zum Erfolg zu führen. Doch betrachtet man die gesamte Reise und alle Prozesse, spielen hier viele Faktoren eine Rolle, die unser Mindset prägen. Aktuelle Herausforderungen wie die digitale Transformation, immer dynamischer werdende Märkte, Anforderungen an agiles und digitales Arbeiten, uvm. beeinflussen unser Tun und unsere Fehlertoleranz.

„Ein Fehler ist durch ein Merkmal bestimmt, das außerhalb der Toleranzgrenze liegt. Diese kann sich nicht nur persönlich oder kulturell stark unterscheiden, sondern auch branchenspezifisch“, so Scheiber. Sich dieser Thematik zu öffnen, sie zu enttabuisieren und sich konkret damit zu beschäftigen, wie man Fehler künftig bestmöglich verhindert, ist für viele Unternehmen erfolgsentscheidend.

„Es ist alarmierend, dass heutzutage immer noch so häufig Fehler unter den Tisch gekehrt werden und es Menschen schwer fällt, ihre Angst in eine konstruktive Sichtweise umzuwandeln. Doch wer den Purpose seines täglichen Tuns tatsächlich verinnerlicht hat, geht auch ganz anders mit Schwierigkeiten und Fehlern um“, erklärt Stojanovic. Trotz des vorherrschenden Spannungsfeldes zwischen der Marktdynamik und dem systemischen Ansatz, können genau hier hoch präzise Hebel in Bewegung gesetzt werden, um sein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Wenn das Mindset richtig ausgerichtet ist, können auch Toolsets effektiv und effizient genutzt werden. Vom Problemmanagement, zum Vorbeugemanagement (Risk Management), zum Verbesserungsmanagement (KVP) – viele Ansätze aus der Welt der Managementsysteme helfen bei einer fundierten Betrachtung und Aufarbeitung von Risiken und Fehlern.

1. Verlassen Sie Ihre Komfortzone!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – ein altbekannter Spruch, der uns daran erinnert, dass es Mut und Einsatz erfordert, etwas Neues zu wagen, bevor Erfolge erzielt und gefeiert werden können. Aber auch offen über Fehler zu sprechen, die passiert sind und sein Mindset neu auszurichten, ist bei diesem Punkt entscheidend. Lassen Sie sich nicht entmutigen!

2. Vermeiden Sie Denkfehler!

Sie haben eine Lösung, kennen aber das Problem noch nicht? Sich auf den Weg zu machen, ohne diesen oder die geltenden Rahmenbedingungen zu kennen, ist häufig zum Scheitern verurteilt. Es geht darum Ressourcen zu planen, zu managen und mit möglichst vielen Mitdenker*innen und Querdenker*innen eine solide Planung sicherzustellen. Überschätzen Sie nicht Ihr eigenes Produkt – aber unterschätzen Sie auch nicht Ihre Fähigkeiten.

3. Brechen Sie Kreativitätsblockaden auf!

Reflektieren Sie Kreativität im Kontext mit Agilität, Digitalisierung, Improvisation, Administration und Standards oder der Unternehmenskultur und stellen Sie sich den Herausforderungen.

4. Greifen Sie in die Toolbox!

Im Fehlermanagement gibt es eine breite Palette an Tools, wie beispielsweise die FMEA Analyse, Poka Yoke uvm., die bei der  Qualitätssicherung unterstützen. Stellen Sie sicher, dass Sie oder Ihre Mitarbeiter*innen eine fundierte Ausbildung absolvieren, um mit diesen Tools kompetent hantieren zu können. Denn: ein System ist immer nur so gut wie die Menschen, die damit arbeiten.

5. Dokumentieren Sie – und zwar richtig!

Gewisse Entscheidungen und deren Folgen sind nur dann nachvollziehbar für andere, wenn sie genau dokumentiert wurden. So kann ein transparenter, grundlegender Ansatz für die kontinuierliche Verbesserung oder sogenannter Learning Loops (z. B. anhand des Plan-Do-Check-Act Zyklus) sichergestellt werden.

6. Stellen Sie das Commitment der Führung sicher!

Die Unternehmensführung muss nicht nur hinter der Fehlerkultur und dem „Lösungssystem“ stehen, auch der Nutzen und der Mehrwert des Systems muss erkannt und gefördert werden. Es ist entscheidend, diese Einstellung vorzuleben und als Role-Model für alle Mitarbeiter*innen zu fungieren.

„Wir sehen bei unseren Kund*innen, die dieses Spannungsfeld gekonnt beherrschen, dass sie nicht nur die aktuelle Krise besser bewältigen, sondern dass es unter ihnen auch keine Insolvenzen gibt“, informiert Scheiber. So seien viele zwar aktuell gezwungen von ursprünglichen Plänen abzuweichen, doch gibt eine Zertifizierung nach einem Managementsystem ein Spielfeld vor, das eine gesamtheitliche Betrachtung ermöglicht und zugleich neue Perspektiven eröffnet. Zum einen werden Umstände, Einflüsse, Prozesse etc. geplant und gemanaged, es hilft jedoch zum anderen auch, wenn Mitarbeiter*innen ganz genau wissen, was in bestimmten Situationen – von wem – und wie zu tun ist. „Es ist Zeit, sich von alten Denkmustern zu verabschieden, sich zu öffnen und eine positive Grundhaltung einzunehmen. Nicht jeder Fehler bedeutet den nahenden Weltuntergang, sondern darin verstecken sich oft viele Chancen. Je früher sie angesprochen werden, desto schneller können sie oder eine gesamte unglückliche Fehlerkette vermieden werden", betont Stojanovic optimistisch.

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