Energieeffizienz - Energiemanagement erfolgreich in Unternehmen einführen
27.05.2011

Energieeffizienz - Energiemanagement erfolgreich in Unternehmen einführen

Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc, Netzwerkpartner der Quality Austria, Produktmanagement Umwelt

Energiemanagementsysteme (EMS), wie z.B. ISO 50001 und EN 16001, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Forciert vor allem auch durch neue politische Rahmenbedingungen.

Politische Rahmenbedingungen - EU-Aktionsplan für mehr Energieeffizienz

Nach jüngsten Kommissionsschätzungen wird die EU – sofern sie keine zusätzlichen Anstrengungen unternimmt – die bis 2020 angestrebte 20-prozentige Erhöhung der Energieeffizienz voraussichtlich nur zur Hälfte erreichen. Deshalb besteht Handlungsbedarf. Die im EU-Energieeffizienz-Aktionsplan vom 8. März 2011 vorgesehenen Maßnahmen sollen größere Energieeinsparungen ermöglichen. Die EU-Kommission schreibt ihren Mitgliedstaaten darin keine verbindlichen Ziele zur Energieeinsparung vor, sondern unterbreitet Vorschläge:

  • Die Vorbildfunktion des öffentlichen Sektors soll verstärkt werden, u. a. durch eine verbindliche Zielvorgabe, um die Sanierung des öffentlichen Gebäudebestandes zu beschleunigen. Behörden sollten dazu verpflichtet werden, jährlich mindestens drei Prozent ihrer Gebäude zu sanieren. Für das öffentliche Auftragswesen sollten Energieeffizienzkriterien eingeführt werden.
  • Der Wirkungsgrad der Strom- und Wärmeerzeugung soll erhöht werden.
  • Im gewerblichen Bereich sind Anforderungen an die Energieeffizienz von Industrieausrüstungen, eine verbesserte Unterrichtung von KMU sowie Energieaudits und Energiemanagementsysteme für Großunternehmen vorgesehen.
  • Bei privaten Gebäuden soll der Renovierungsprozess in Gang gesetzt und die Energieeffizienz von Geräten gesteigert werden.
  • Einen Schwerpunkt legt der Aktionsplan auf die Einführung intelligenter Netze und Zähler, um den Verbrauchern die zur Optimierung ihres Energieverbrauchs und zur Berechnung ihrer Energieeinsparungen notwendigen Informationen und Dienste zu liefern.
  • Die Kommission will die Umsetzung des Aktionsplans überwachen und im Frühjahr 2013 einen Fortschrittsbericht vorlegen. Sollte die Überprüfung ergeben, dass die EU ihr Gesamtziel voraussichtlich nicht erreicht, will die Kommission für 2020 rechtsverbindliche Zielvorgaben vorschlagen.

EMS erfolgreich in Unternehmen einführen
Besonders in Deutschland werden große Anstrengungen unternommen  das Kommissionsziel zu realisieren. Die Zertifizierung nach EN 16001 hat hier schon einen entsprechenden Stellenwert in der Umweltpolitik und in den Unternehmen. Die KfW Bankengruppe hat im Jahr 2009 eine schriftliche Befragung von Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Handel und dem Dienstleistungssektor zum Thema Energieeffizienz in KMU beauftragt. (Quelle: EMS erfolgreich in Unternehmen einführen)

Folgende Erkenntnisse können daraus abgeleitet werden:

  • eine verbesserte Energieeffizienz führt zu reduzierten Energiekosten und erhöht damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen;
  • die Senkung des Energieverbrauchs trägt dazu bei, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern;
  • weniger Energieverbrauch führt dazu, dass weniger Schadstoffe ausgestoßen werden;
  • Beispiele aus Finnland zeigen, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) innerhalb von zwei Jahren nach Einführung eines Energiemanagementsystems, zwei Drittel ihrer Einsparpotenziale beim Brennstoff erschlossen haben;
  • für die Einführung von Energiemanagementsystemen in der Industrie hat die deutsche Bundesregierung einen vierstufigen Plan (2008-2013) entworfen;
  • das Thema Energieeffizienz bzw. Energiekosteneinsparung genießt eine hohe Aufmerksamkeit in den KMU;
  • gestiegene Energiepreise, ein erweitertes Informationsangebot über betriebliche Einsparmöglichkeiten sowie Förderungen erhöhen den Anteil an Organisationen die entsprechende Anstrengungen unternehmen;
  • als hemmende Faktoren wurden fehlende Finanzmittel, fehlende personelle Ressourcen (Zeitmangel, Ausbildungen) und zu lange Amortisationszeiten bei Energieeffizienzmaßnahmen identifiziert;
  • die Einführung eines EMS ist kein Selbstläufer (für den Bereich Energie ist niemand verantwortlich, Energiekosten werden als Fixkosten betrachtet, Mitarbeiter betrachten ihren „Arbeitsbereich“ als optimiert und begegnen weiteren Analysen und Änderungen skeptisch);
  • die Einführung eines EMS fördert die Systematisierung energiesparender Verhaltensweisen;
  • die größte Barriere für die Senkung des Energieverbrauchs liegt im fehlenden Wissen über den eigenen Energieverbrauch, heruntergebrochen auf einzelne Prozesse bzw. Anlagen;

Die Folgerungen daraus:

  • EMS ist ein bewährtes Instrument zur Verbesserung der Energieeffizienz und damit auch zur Senkung der CO2-Emissionen. Es umfasst alle Maßnahmen sowie organisatorischen und technischen Abläufe, die geplant und durchgeführt werden, um erforderliche Leistungen mit einem minimalen Energieeinsatz zu erbringen.
  • Ohne Einführung eines EMS mit Messtechnik, Verantwortlichkeiten und entsprechender Ablauforganisation wird eine Verbesserung der Energieeffizienz schwer möglich sein.

Weiterführende Informationen:

Energiemanagement nach EN 16001 zertifiziert

Energieeffizienz – Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie in Österreich

Berücksichtigung von Energiemanagementsystemen in der Energiestrategie Österreichs

Umsetzung von Energiemanagement nach EN 16001 in Österreich 

Stand-by-Stromverbrauch wird gesetzlich eingeschränkt

Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc
Netzwerkpartner der Quality Austria, Produktmanagement Umwelt
wolfgang.hackenauer@qualityaustria.com

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