04. Nov 2019

Intelligente Miettextilien, Qualitätsmanagement und Zirkularität

Auf dem Weg zu erfolgreichen Service-Geschäftsmodellen

Die Firma Wozabal Miettex GmbH (im Folgenden vereinfacht „Wozabal“), Tochterunternehmen der Firma Salesianer, beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit der fachgerechten Reinigung und Aufbereitung von Miettextilien und Mietwäschen in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie, Berufskleidung für Industrie, Handel und Gewerbe sowie textile Versorgung für das Gesundheitswesen. Wozabals wiederverwendbare Textilien können mit Hilfe von Radio Frequency Identification (RFID) Technologien präzise rückverfolgt werden. Handtücher, Bettlaken oder OP-Abdecktücher sind mit Ultra High Frequency (UHF) Chips, High Frequency (HF) Chips oder Barcodes ausgestattet und werden an Krankenhäuser und Seniorenheime im Rahmen eines Nutzungsvertrags vermietet. Der Einsatz von UHF-Chips der neuesten Generation bringt Vorteile für die Rückverfolgbarkeit und Sortierung der Flachwäsche (z. B. Handtücher oder Deckenbezüge). Außerdem ermöglicht die regelmäßige Auswertung der Daten in internen Qualitäts-Reports die kontinuierliche Verbesserung des gesamten Geschäftsmodells.

Optimierte Wiederverwendung von intelligenten Miettextilien

Intelligente Miettextilien „zirkulieren“ in einem geschlossenen Kreislauf zwischen Wozabal und dessen Kunden. Durch verschiedene Alternativen beim Bestell- und Lieferangebot stellt Wozabal eine kontinuierliche Textilverfügbarkeit bei jedem Kunden sicher. Beispielsweise kann bei Flachwäsche die korrekte Liefermenge automatisch durch den UHF-Chip – basierend auf dem aktuellen Lagerstand beim Kunden – berechnet werden. Schmutzige Flachwäsche wird direkt nach der Retourlieferung vom Kunden mittels Antenne eingelesen, um sofort eine neue Bestellung generieren zu können. Diese Textilien werden danach ebenfalls mittels UHF-Chip sortiert und weiterverarbeitet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wiederverwendung von intelligenter Flachwäsche

Ein zentrales Problem des „Reuse“-Geschäftsmodells ist der signifikante Schwund der Artikel, der für Wozabal eine große Herausforderung darstellt. Bei manchen Produktgruppen (z. B. Handtücher) sind über 50 Prozent der Textilien innerhalb eines Jahres als Schwund vorgemerkt. Neben potenziellen Verlusten in den unternehmenseigenen Prozessen können beispielsweise die falsche Entsorgung seitens des Service-Personals beim Kunden oder teils auch die Entwendung seitens der Patienten und Gäste der Einrichtungen die Ursachen sein. Die RFID-Technologie ermöglicht Wozabal hohe Transparenz über die Gründe von Fehlmengen und bietet dadurch eine starke Argumentationsgrundlage gegenüber den Kunden. Abhilfe schaffen dabei schnellere „Zirkulation“, volle Rückverfolgbarkeit und Kundensensibilisierung.

Qualitätskontrolle der rückgeführten Textilien

Die Qualitätskontrolle der Miettextilien erfolgt je nach Bekleidungsart. Flachwäsche oder Dienstbekleidung werden hauptsächlich durch Reklamationen getrennt und händisch kontrolliert. Um eine hohe Qualität und maximale Hygiene sicherzustellen, werden dagegen alle OP-Textilien einzeln in einer eigenen Abteilung kontrolliert und aufbereitet. Nach der Qualitätskontrolle werden reparierte Textilien wieder in das unternehmenseigene ERP (Enterprise Resource Planning) System eingebucht. Die Intelligenz des gesamten Systems ermöglicht während der Qualitätskontrolle im ERP-System eine integrierte Datensicht auf unternehmensinterne und kundenseitige Prozesse mit Zugriff auf die gesamte Produkthistorie der einzelnen Textilien. Diese schnittstellenübergreifende Sicht erlaubt es, dass jede ausgeführte Reparaturaktivität innerhalb des gesamten Produktlebenszyklus auf der Artikelebene nachverfolgt werden kann und sie ermöglicht damit auch eine umfassende Lebenszyklus-Analyse der Textilien.

Zusätzlich helfen die Daten des Produktlebenszyklus dabei, die Qualität der Produkte über einen bestimmten Zeitraum zu analysieren. Das bedeutet, dass Daten zu Artikeln mit schlechter Qualität zu Einkaufsgesprächen mit Lieferanten herangezogen werden können bzw. zu einem Lieferantenwechsel führen können.

Intelligentes Qualitätsmanagement als Treiber der Wettbewerbsfähigkeit

Die mit RFID getaggten intelligenten Textilien ermöglichen die Erhebung umfassender Daten (Zustand und Standort) von Artikeln. Diese Informationen ermöglichen eine tiefgehende Analyse der im Kreislauf geführten Textilien, deren Fehlmengen und -ursachen sowie der Produktqualität der beschafften Artikel. Erstmalig kann damit eine hohe Transparenz über einen großen Teil des Lebenswegs von Miettextilien (begonnen beim Einkauf) gewonnen werden und das ist der wesentliche Vorteil, wenn die RFID-Technologie eingesetzt wird. Die erfolgreiche Umsetzung birgt das Potenzial von verbessertem Kunden-Service, besser informierten Einkaufsentscheidungen, Kostenreduktionen in den Prozessen und insgesamt eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des service-orientierten Geschäftsmodells.

Wenn derartige neue Technologien von Qualitätsmanagern proaktiv aufgegriffen werden, können sie der Startpunkt für ein auf Daten basierendes und am Produktlebenszyklus ausgerichtetes Qualitätsmanagement sein und damit der Qualitätsfunktion im Unternehmen (wieder) eine größere Bedeutung zukommen lassen. Wenn dies auch strukturell durch bestehende (integrierte) Managementsysteme in der Organisation gestützt wird, steht dem Erfolg durch intelligente Produkte nichts mehr im Weg.

Autoren

Andres Alcayaga, MSc

Research Associate
Institute for Integrated Quality Design (IQD) der JKU in Linz

E-Mail

Univ.-Prof. Dr. Erik G. Hansen

Head of
Institute for Integrated Quality Design (IQD) der JKU in Linz

E-Mail

Johannes Kastner

Student Assistant
Institute for Integrated Quality Design (IQD) der JKU in Linz

E-Mail

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