10. Mrz 2022

Klimawandel, Energiewende, Unternehmenserfolg: Teil 2

Das Management­system von Unternehmen – über Anpassungs­fähigkeit und darüber, die richtigen Dinge richtig zu tun

DI Axel Dick, MSc, Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR und Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc, Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie, Quality Austria erörtern in diesem Artikel, welche Rolle Managementsysteme darin spielen, aktuellen – umweltbezogenen – Herausforderungen zu begegnen.

Hier kommen Sie zu Teil 1, in dem ein Status Quo über aktuelle Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gegeben wird.

Moderne Konzepte und Grundsätze befähigen eine Organisation dazu, Herausforderungen zu begegnen, die durch ein Umfeld verursacht sind, das sich von den vergangenen Jahrzehnten grundlegend unterscheidet. Der Kontext, in dem eine Organisation heutzutage arbeitet, ist von beschleunigtem Wandel, der Globalisierung der Märkte und dem Hervortreten von Wissen als wesentliche Ressource gekennzeichnet. Zum Umfeld gehört auch der Umweltzustand.

Ein Managementsystem in unserer Normenwelt wird wie folgt definiert: „Satz zusammenhängender oder sich gegenseitig beeinflussender Elemente einer Organisation, um Politiken und Ziele und Prozesse zum Erreichen dieser Ziele festzulegen.“

Managementsysteme folgen immer dem Plan-Do-Check-Act Zyklus (PDCA). In Kurzform dargelegt bedeutet dies:

Planen: Festlegen von Zielen des Systems und der Teilprozesse und Festlegen von Ressourcen, die zum Erzielen von Ergebnissen in Übereinstimmung mit den Politiken der Organisation notwendig sind, sowie Ermitteln und Behandeln von Risiken und Chancen;

Durchführen: Umsetzen des Geplanten;

Prüfen: Überwachen und (sofern zutreffend) Messen von Prozessen im Hinblick auf Politiken, Ziele, Anforderungen und geplante Tätigkeiten, sowie Berichterstattung über die Ergebnisse;

Handeln: Ergreifen von Maßnahmen zur Verbesserung der Leistung, soweit notwendig.

Die Zielerreichung ist somit ein Spezifikum der von Menschen geschaffenen Systeme. Organisationen müssen den Zweck ihrer Existenz verstehen und externe und interne Themen bestimmen, die für ihren Zweck relevant sind und sich auf ihre Fähigkeit auswirken, die beabsichtigten Ergebnisse ihres Systems zu erreichen. Derartige Themen müssen Umweltzustände miteinschließen, die durch die Organisation beeinflusst werden oder die Organisation beeinflussen können. Wenn sich das Umfeld ändert, dann sollten sich Organisationen sehr rasch auf Veränderungen reagieren können. Zum Beispiel durch Anpassung.

Die Risiken von energieintensiven Unternehmen

Die Energiepreisentwicklung ist oftmals ein wesentlicher Einflussfaktor für die Geschäftstätigkeit von Organisationen. Die Energieintensität (Energiekosten zu Gesamtleistung oder Umsatzerlöse) spielt oftmals eine große Rolle. Energieintensive Betriebe sind jene Unternehmen, bei denen der Anteil der Energiekosten an der Gesamtleistung oder den Umsatzerlösen mehr als 15% ausmacht. Je höher die Energieintensität im Unternehmen durch Energiepreissteigerungen wird, umso größer werden die Gewinnrisiken.

Beim Planen der Ziele sind die Risiken einer Energiepreisentwicklung mitzuberücksichtigen. Die erforderlichen Ressourcen zur Zielerreichung sind festzulegen.

Folgendes Gedankenmodell kann dabei behilflich sein.

Gedanken zur Leistungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit von Managementsystemen

Folgendes Bild illustriert den PDCA-Zyklus mit wesentlichen Einflussfaktoren (Kontextthemen) auf die Organisation:

Erläuterungen zum Bild:

  • Zuerst muss der Zweck der Existenz der Organisation und ihre strategische Ausrichtung verstanden werden.
  • Die möglichen Einflussfaktoren (externe und interne Themen, bindende Verpflichtungen, Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien) die für den Zweck relevant sind, sind zu bestimmen.
  • Informationen zu den Einflussfaktoren werden überwacht (in ihrer Entwicklung) und geprüft auf mögliche Auswirkungen auf die Organisation (Risiken, Chancen)
  • Chancen und Risiken sowie die Ziele sind bei der Planung der beabsichtigten Ergebnisse (Leistung) zu berücksichtigen.
  • Bei der Leistungsbewertung sind die Zielerreichung und die Wirksamkeit der Maßnahmen zu Chancen und Risiken zu bewerten.

Die Energiepreisentwicklung wird immer mehr zum Erfolgs- bzw. Nichterfolgsfaktor für Unternehmen. Die Energiepreisentwicklung wird immer mehr zu einem Haupteinflussfaktor für Organisationen und ihr Managementsystem.

Mit diesem Ansatz kann auch die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen auf geänderte Rahmenbedingungen verbessert werden.

Die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen

Auf Basis des Verstehens von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen (Überwachung von Entwicklungen und Prüfung auf Folgen) können sich Unternehmen einen gewissen Vorsprung erarbeiten, denn

  • Sie entwickeln die Fähigkeit, zeitgerecht und effizient auf Veränderungen zu reagieren (Agilität).
  • Sie entwickeln die Fähigkeit, zeitgerecht auf erkennbare Gefährdungen zu reagieren und Chancen aktiv zu ergreifen.
  • Sie können Vertrauen in ihre künftigen Leistungen und Ergebnisse setzen, da sie die bestehenden Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge verstehen.
  • Sie leiten entsprechende Ziele ab und versuchen diese mit wirksamen Maßnahmen zu realisieren.
  • Sie machen die richtigen Dinge richtig.

Anpassen meint zielgerichtet Agieren. Da haben die Staatengemeinschaft und die Nationen schon so ihre Probleme damit.

Wie sieht es nun mit den Klimazielen in Organisationen aus?

Unternehmen und ihre Klimaziele

Eine Studie von Boston Consult – über die 100 größten Unternehmen Österreichs (alle im Leitindex ATX vertreten plus die umsatzstärksten nicht an der Börse vertreten) im Jahr 2021 zeigt:

  • 13 sind auf Paris-Kurs (konkrete Ziele mit Stufenplan)
  • 19 wollen Emissionen reduzieren (Verbesserung der Umweltleistung) aber nicht vollständig neutralisieren -> Kompensation in Projekte in anderen Ländern werden nicht anerkannt
  • 52 haben noch kein konkretes, umfassendes Klimaschutzziel formuliert
  • 8 Unternehmen aus den Bereichen Telekom, Dienstleistungen, Konsumgüter, klassische Industrie und Energie können als vorbildlich bezeichnet werden da sie Nullemissionen anstreben

Auch wenn die Entwicklungen in Hinblick auf den Klimawandel erschreckend sind, sollte man nicht zu pessimistisch sein.

Gründe für Optimismus

Der 90-jährige Klimaforscher und Nobelpreisträger 2021 Klaus Hasselmann:

„Ich bin optimistisch, dass wir die Probleme lösen werden. Wir müssen nur von fossilen auf regenerative Energien umsteigen, von Öl, Kohle und Gas auf Sonnen- und Windenergie und Wasserstoff. Technisch ist das recht leicht.“

Zur Verteidigung seines Optimismus führt er an: „Ich bin so zuversichtlich, weil sich die neuen Techniken jetzt auch rentieren. Die Umstellung auf alternative Energien erfordert kein Opfer, keine Einschränkung unseres Lebensstandards mehr. Sie sind jetzt schon billiger als fossile Energien und in ausreichendem Maße vorhanden.“

Dass es so nicht weitergehen darf, weiß Hasselmann seit den Siebzigerjahren. Hören wollten es nur wenige. Auch dafür hat er eine gute Erklärung: „Weil wir Menschen nicht gut darin sind, auf Probleme zu reagieren, die 20, 30 Jahre brauchen, bis sie sich bemerkbar machen.“

Perikles (5. Jahrhundert vor Christus) meinte:

„Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“

Mit der Implementierung und Aufrechterhaltung von Managementsystemen kann man zwar auch nicht die Zukunft voraussagen, aber man ist im günstigsten Fall auf diese vorbereitet, denn die wesentlichsten Einflussfaktoren auf die Geschäftstätigkeiten sind bekannt und werden überwacht. Konkrete Ziele werden abgeleitet und erreicht.

Hier kommen Sie zu unserem Angebot an System-, Produkt- und Personenzertifizierungen im Bereich Umwelt & Energie!
Kontaktieren Sie uns gerne jederzeit – wir freuen uns, von Ihnen hören zu dürfen!

Autoren & Ansprechpersonen

Team

Herr DI Axel Dick, MSc

Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR

Netzwerkpartner*in

Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

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