01. Feb 2022

Wohin geht die Reise?

Trends im Bereich Lebensmittel­sicherheit

Die Lebensmittelindustrie entwickelt sich ständig weiter, beschleunigt durch eine immer stärkere, gesellschaftliche Nachfrage nach erhöhter Lebensmittelsicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit.

Wir haben uns mit Mag. Elisabeth Voltmer, qualityaustria Netzwerkpartnerin, Produktexpertin Trainings Lebensmittelsicherheit und DI Wolfgang Leger-Hillebrand, Prokurist Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria, über Perspektiven und Prognosen unterhalten.

In kaum einer anderen Branche gibt es derart viele Trendbewegungen wie im Bereich „Lebensmittel“. Welche geänderten Bedürfnisse sind Ihrer Meinung nach die relevantesten?

Wolfgang Leger-Hillebrand: Ein Trend, den wir bereits seit vielen Jahren beobachten, ist die kontinuierlich steigende Nachfrage nach Nachhaltigkeit bzw. Umweltverträglichkeit in der Lebensmittelherstellung. In der Pandemie wurde dieses Bedürfnis verstärkt, da viele Personen wieder angefangen haben, selbst zu kochen und sich dadurch wieder bewusster mit Lebensmitteln, deren Herkunft und Zusammensetzung, beschäftigt haben. Das hat den Ruf nach Regionalität, Qualität oder zum Beispiel „Zero Waste“ lauter gemacht. Der Schwerpunkt liegt also viel mehr auf einem verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln im Einklang mit der Umwelt.

Gleichermaßen greift auch das Prinzip der Kreislaufwirtschaft mehr und mehr in die Lebensmittelindustrie ein. So gibt es etwa schon viele innovative Businessideen, die zum Beispiel aus Lebensmittelresten, wie Kaffeesatz oder Bio-Abfällen, wiederum neue Produkte herstellen. Lebensmittelverschwendung wird verpönt und Mindesthaltbarkeiten werden zurecht nicht mehr als Hinweis verstanden, dass Lebensmittel, die die Mindesthaltbarkeit überschritten haben, zwingend im Abfall landen müssen. Wir Menschen haben glücklicherweise gelernt, den Wert unserer Lebensmittel zu schätzen. Auch diverse Aktivitäten des Handels, die darauf abzielen, täglich zu viel produziertes Essen und Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten, indem z. B. überproduzierte Lebensmittel und Speisen in einem „Überraschungskisterl“ zu einem stark ermäßigtem Gesamtpreis verkauft werden, zeigen, dass Verschwendung und die simple Vernichtung von Überschüssen gesellschaftlich nicht mehr vertretbar sind.

Wie wirken sich Trends und Entwicklungen auf die Lebensmittelsicherheit aus?

Elisabeth Voltmer: Viele dieser Trends, so auch die Globalisierung, Verknappung unserer natürlichen Ressourcen und ein generelles Umdenken der Menschen, führen dazu, dass Lebensmittelsicherheit immer weiter an Bedeutung gewinnt. Kein Lebensmittelunternehmen kann es sich leisten, Lebensmittel auf den Markt zu bringen, die nicht bedingungslos die rechtlichen Anforderungen erfüllen und damit als „sicher“ zu bewerten sind und das mit gutem Recht: Wir alle sind Verbraucher*innen – der Schutz unserer Gesundheit und die berechtigten Erwartungen an eine hohe Qualität der von uns konsumierten Lebensmittel müssen erfüllt werden. Damit kommt nicht nur der lebensmittelrechtlichen Verantwortung der Lebensmittelhersteller*innen eine höhere Bedeutung zu, auch werden die Anforderungen in diversen Lebensmittelsicherheitsstandards und -normen fortlaufend verschärft. Nicht umsonst finden wir in der aktuellen Version des IFS Food, der Version 7.0, erstmals die Verpflichtung, dass eine Kultur der Lebensmittelsicherheit in den Unternehmen implementiert und spürbar gelebt werden muss. Die Forderung nach einer Kultur der Lebensmittelsicherheit hat aber bekannter Weise auch Einzug in die Gesetzgebung genommen:

Die am 04.03.2021 erfolgte Veröffentlichung der Verordnung (EU) 2021/382 zur Änderung der Anhänge der VO (EG) Nr. 852/2004 bringt neben neuen Vorgaben zum Allergenmanagement, zur Umverteilung (= dem Spenden) von Lebensmitteln auch Anforderungen hinsichtlich einer Kultur für Lebensmittelsicherheit mit sich.

Gerade im Bereich Lebensmittel kommt es häufig zu „Rückrufen“ – ist das der Schnelllebigkeit geschuldet? Wie kann bei all den neuen Entwicklungen ein Höchstmaß an Qualität sichergestellt werden?

Wolfgang Leger-Hillebrand: Produktrückrufe bzw. eine offene Kommunikation zeigen, dass man mit etwaigen Fehlern offen umgeht und stellen quasi die letzte Möglichkeit zum Schutz der Verbraucher*innen dar. Dies hat keineswegs nur mit neuen Trends zu tun – wichtig ist es, die notwendigen Präventivmaßnahmen zu setzen. Da gibt es unter anderem diverse Gütesiegel und Aushängeschilder, z. B. das Austria Gütezeichen, welches es seit 70 Jahren gibt und immer up-to-date in Sachen Wissenschaft und Technik ist. Aber auch Normen und Standards wie ISO 22000 oder IFS Food (Anm. d. Red.: International Featured Standards) sind anerkannte Standards für Lebensmittelhersteller*innen, die die gesamte Produktionskette überprüfen und sozusagen eine Art lebensmittelspezifisches Qualitätssicherungssystem für alle produzierenden Lebensmittelunternehmen darstellen.

Elisabeth Voltmer: Wichtig ist es auch, das Know-how im Bereich Lebensmittelsicherheit und -kennzeichnung aktuell zu halten. Das geht am besten mit einer Kombination aus Praxis- und Theorieinputs, vermittelt von Fachexpert*innen und dem Austausch mit anderen Gleichgesinnten aus der Branche. Quality Austria arbeitet auch in vielen Normungsgremien mit, dadurch sind unsere Trainer*innen, Auditor*innen und Assessor*innen immer up-to-date in Bezug auf neue Entwicklungen und Normen.

Ihre Ansprechpersonen

Team

Herr DI Wolfgang Leger-Hillebrand

Prokurist Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit

Netzwerkpartner*in

Frau Mag. Elisabeth Voltmer

Netzwerkpartnerin, Produktexpertin Trainings Lebensmittelsicherheit

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