19. Juli 2022

Auf das Worst-Case-Szenario vorbereitet sein

Blackout – wie ist im Ernstfall damit umzugehen?

Die Gefahr eines europaweiten Blackouts steigt. Laut Expert*innen ist es jederzeit möglich, dass länderübergreifend sprichwörtlich „das Licht ausgeht“. Für Unternehmen ist es daher besonders wichtig, rechtzeitig darauf vorbereitet zu sein, Mitarbeiter*innen für den Ernstfall zu schulen und sich über mögliche Konsequenzen bewusst zu werden.

Die Abhängigkeit von der Stromversorgung ist heutzutage riesig. Unter einem Blackout wird ein plötzlicher, überregionaler und länger anhaltender Stromausfall verstanden. Auch wenn das europäische Stromnetz zumeist sehr verlässlich, gut versorgt und gewartet ist, kann ein Blackout nie gänzlich ausgeschlossen werden. Es gilt täglich ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch zu halten. Treten nun aber trotzdem mehrere kleinere Ereignisse gleichzeitig bzw. zum falschen Zeitpunkt ein, kann ein Dominoeffekt ausgelöst werden, der das gesamte Stromversorgungssystem zum Fall bringen kann.

Vorbereitung auf den Notfall

Es gibt einige Maßnahmen, die von jeder Organisation proaktiv und präventiv getroffen werden können. Wurde schon eine Persönlichkeit definiert, welche sich um den Themenkreis Blackout" kümmert? Diese Person kümmert sich um die entsprechenden Vorkehrungen und bereitet u. a. Kolleg*innen, Kund*innen und Manager*innen bestmöglich auf den Ernstfall vor. Auch die Berufung eines Notfallteams – bestehend aus Geschäftsführung und z. B. Personen mit Wohnsitz in der Nähe des Unternehmens – ist zu empfehlen.

Sind Prozesse definiert, werden diese systematisch angegangen, kontinuierlich auf Stärken bzw. Verbesserungspotenziale durchleuchtet und stetig verbessert? Die ISO 9001 (Qualitätsmanagement) bietet beispielsweise mittels einem risikobasierten Ansatz eine Basis, um die Lieferfähigkeit von Organisationen aufrechtzuhalten. Mit der ÖNORM D 4901 (Risikomanagement) und ISO 22301 (Business Continuity Management - Vermeidung von Betriebsunterbrechungen) werden die Vertiefungen in Richtung Ausfallsicherheit und rasche Wiedererlangung der Betriebsfähigkeit stark optimiert und zum wirtschaftlichen Vorteil der Organisation genutzt. Betriebe, die ein zertifiziertes Business Continuity Managementsystem implementiert haben, sind in der Lage gegebenenfalls unterbrochene bzw. beeinträchtigte Prozesse schneller wiederherzustellen als Firmen ohne BCM. Betriebe, die bereits Managementsystemnormen nutzen, können somit schneller auf bestehende Systematiken über Rollen, Verantwortungen, interne und externe Kommunikationen zugreifen.

Es sollte auch im Vorhinein festgelegt werden, nach welcher Zeit im Unternehmen auf Notbetrieb umgestellt und die Blackout-Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. Je nach Unternehmen müssen z. B. für die Produktion wichtige Geräte dementsprechend gesichert werden (etwa durch Reinigung, um eine Keimbildung zu verhindern, oder sicheres Herunterfahren von Geräten, um Überhitzung vorzubeugen, unterbrochene Kühlketten beheben).

Faktor „MENSCH“

Einer der wichtigsten Faktoren in einem Blackout ist es, die im Betrieb anwesenden Menschen auf die Situation sowie auch auf die privaten Konsequenzen des Blackouts vorzubereiten. Sehr viele kritische Situationen entstehen, weil sich Menschen unnötig in Gefahr bringen, um z. B. rasch zu ihren Familienangehörigen nach Hause zu kommen, anstelle im sicheren Betriebsgebäude zu warten, bis eine sichere Heimfahrt gewährleistet ist. Eine Vorbereitung im privaten Bereich auf ein Blackout kann zu einer Entspannung der persönlichen Situation Aller führen. Es ist damit zu rechnen, dass viele Menschen ihre Angehörigen nicht – wie gewohnt – am Mobiltelefon erreichen können, dementsprechend ist eine präventive Maßnahme, sich privat mit seinen Angehörigen auf solch eine Situation vorzubereiten.

Und wenn das Blackout schon eingetreten ist?

Sollte es tatsächlich zum Ernstfall kommen und ein Blackout tritt ein, muss so schnell wie möglich gehandelt werden. Dabei sind Einzelpersonen wie Organisationen gleichermaßen gefragt:

  • Risiko und Konsequenzen ernst nehmen bzw. akzeptieren.

Das bewusste Akzeptieren der neuen Situation hilft dabei, kontrolliert zu handeln und schnell auf den Notbetrieb umzustellen. Es gilt, als Unternehmen zusammen zu arbeiten und den Notfallplan einzuhalten. Haben Sie bereits ein Notfallteam berufen, sind diese über Prozesse und Abläufe bestens informiert und dienen als erste Anlaufstelle.

  • Fahrstühle und Räume sichern.

Die Fahrstühle kommen sofort zum Stillstand, die Gefahr, dass Personen darin gefangen werden, ist groß. Eine rasche Kontrolle von Aufzügen oder Sicherheitseinrichtungen sollte unmittelbar eingeleitet werden. Hier eignet sich besonders die „Golden Hour“ – also jene ersten Stunden, direkt nach dem Stromausfall, in denen meist noch viel Handlungsspielraum gegeben ist.

  • Netzstecker ziehen.

Dies erleichtert das Hochfahren der Geräte, wenn der elektrische Strom zurückkehrt. Außerdem kann ein plötzlicher Spannungsaufbau zu einer Überspannung führen, durch welchen die Elektronik beschädigt werden kann.

TIPP: Lassen Sie jedoch eine ans Netz angeschlossene Lampe eingeschaltet, um zu sehen, wann der Strom wieder da ist.

  • Infrastrukturschäden beachten.

Auch die nicht direkt für den Betrieb notwendigen Einrichtungen sind abzusichern. Beispielsweise sollten die Rückstauklappen kontrolliert werden, um Überschwemmungen vorzubeugen. Kühlschränke und andere Küchengeräte sollten geleert werden

  • Evakuierung bzw. Invakuierung.

Es sollten die Möglichkeiten einer Evakuierung aus unsicheren Bereichen in sichere Bereiche angedacht werden. Ein Gedankenmodell sollte sich zudem damit beschäftigen, was wäre, wenn (fremde) Menschen im eigenen Betriebsgebäude bzw. den eigenen Betriebsräumlichkeiten Schutz suchen (Invakuierung).

The day after – Systematische Vorbereitung auf die Folgen des Blackout

Ein Blackout endet nicht, wenn der Strom wieder da ist. Bis zur Rückkehr der Normalität in der gesamten Infrastruktur und Versorgungskette kann es dauern. Die Geräte müssen neu hochgefahren und die Stromversorgung muss neu hergestellt werden. Auch dafür hilft ein vorbereiteter Notfallplan.

Eine gute Vorbereitung der Unternehmen ist daher besonders wichtig, um Folgeschäden zu mildern.

Es wird dennoch nicht möglich sein, alle Szenarien bis ins letzte Detail zu planen – es gilt, mit Überraschungen (positiver wie auch negativer Art) zu rechnen und die notwendige Resilienz zu zeigen. Vorangegangene Überlegungen helfen jedoch, sich im Voraus mit möglichen Handlungsspielräumen zu befassen und Mitarbeitende entsprechend zu sensibilisieren. Die Mitarbeitenden sind Schlüsselfaktoren bei der Bewältigung – eine offene und transparente Kommunikation unter Einbeziehung aller Stakeholder*innen ist entscheidend.

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