27. Nov. 2023

Das war das 9. qualityaustria Nachhaltigkeitsforum:

Mit ISO-Zertifizierungen zur nachhaltigen Trans­formation

Bild v.l.n.r.: DI Axel Dick, MSc (Quality Austria), DI Andreas Tschulik (BMK) und Dr. Karl Grün (Austrian Standards) © Quality Austria
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Beim 9. qualityaustria Nachhaltigkeitsforum beleuchteten Expertinnen und Experten in Fachvorträgen und Best Practices, mit welchen Maßnahmen die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaftssysteme (noch) gelingen kann. Rund 160 Teilnehmende holten sich Impulse für ihre unternehmerische Praxis.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst spürbar und gleichzeitig wird der Handlungsspielraum immer kleiner. Beim 9. qualityaustria Nachhaltigkeitsforum, das online stattfand, herrschte Einigkeit: Wir müssen jetzt handeln. In seinem Auftaktimpuls erinnerte Gastgeber DI Axel Dick, MSc, (Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR/ESG, Quality Austria) daran, dass die meisten Unternehmen dabei nicht bei null beginnen müssen: „Seit Jahrzehnten etablieren wir internationale Standards in Form von ISO-Zertifizierungen in Österreich und treiben diese voran. Viele europäische Gesetzesentwürfe, die in Zusammenhang mit der Klimakrise stehen, referenzieren auf ISO-Standards. Das bedeutet, wir müssen nicht alles neu erfinden, sondern haben bereits ein gutes Fundament für ESG, auf dem wir aufbauen können.“ Durch die jahrelange, enge Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Klimaschutz (BMK) und der Organisation Austrian Standards haben die Expertinnen und Experten von Quality Austria einen tiefen Einblick in die relevanten Handlungsfelder. DI Andreas Tschulik, Abt. V/7 Betrieblicher Umweltschutz und Technologie, BMK und Dr. Karl Grün, Director Standards Development, Austrian Standards, gaben anfangs Einblicke in strategische Kompetenzen und erwähnten, dass sich etwa mit der Umsetzung des EU Green Deals die Kompetenzanforderungen für Unternehmen verändern werden. ESG-Aspekte werden künftig weiter durch die Taxonomie-VO, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die Corporate Sustainability Due Diligence (CSDDD) forciert werden. Grün betonte, dass ISO-Normen nicht nur einen partizipativen und transparenten Prozess durchlaufen, sondern auch einen internationalen Konsens darstellen.

Transformation proaktiv gestalten

Um die Klimaziele zu erreichen und Österreichs Wirtschaft in eine nachhaltige Zukunft zu führen, müssen wir jetzt handeln. Übersehen wird oft, dass wir bereits mittendrin sind und diverse Akteure schon wichtige Schritte setzen. Etwa durch Verordnungen, Berichtspflichten oder neue Gesetzesentwürfe. Auch die ESG-Kriterien werden in vielen Unternehmen Standard.  Quality Austria bietet seit Jahren bewährte Managementwerkzeuge und -methoden sowie Trainings, die internationalen Standards entsprechen.

„Der Ruf nach einer Veränderung unseres Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells wird lauter und bestehende ISO-Standards bieten dafür eine gute Ausgangslage. Die ISO-Standards sind nicht nur Basis für viele Verordnungen, sie decken auch die ESG-Themen ab. Unternehmen, die bereits ISO-zertifiziert sind oder auf Integrierte Managementsysteme setzen, tun sich bei der Umsetzung neuer Verordnungen leichter“, erklärte Mag. Anneli Fischer, MSc, Business Development ESG und Green Finance, Quality Austria.

In Ihrem Vortrag ging sie auch auf das Zusammenspiel von ESG und Digitalisierung ein, um so beispielsweise effizientes und transparentes Datenmanagement zu ermöglichen und betriebliche Ressourcen sowie Kosten zu sparen. Darüber hinaus war der Tenor: Zertifizierte Integrierte Managementsysteme bilden für ESG ein wichtiges Fundament.

ISO 14064 als Enabler

Zertifizierungen von Treibhausgasen nach ISO 14064 und deren Verifizierung werden Stand der Technik und Ausgangsbasis für Innovationen, ist sich DI Michael Schwingshackl, qualityaustria Produktexperte Verifizierung von Treibhausgasbilanzen und Umweltinformationen, sicher. Schwingshackl bestätigte dabei auch: „Ohne Daten können wir nur raten – wir brauchen eine solide Ausgangsbasis.“ Die Umweltperformance wird auch in der Reputation und finanziellen Bewertung von Betrieben eine immer wichtigere Rolle spielen. Eine verifizierte Treibhausgasbilanz wird in Zukunft auch Voraussetzung für Werbeaussagen werden.

Kreislaufwirtschaft als Antwort

Wenn es um die nachhaltige Transformation geht, wird Kreislaufwirtschaft oft als Heilsbringer genannt. Zu Recht, denn wenn wir verstehen, dass Kreislaufwirtschaft mehr bedeutet als Recycling, können wir damit tatsächlich einen Wandel bewirken. Dafür müssen wir vollkommen umdenken und zirkuläre Rahmenbedingungen schaffen, die bereits im Produktdesign ansetzen. DI Dr. Birgit Gahleitner, qualityaustria Produktexpertin Kreislaufwirtschaft, untermauerte die Wichtigkeit, indem sie erklärte, dass etwa das Design schon rund 80 % der Umweltauswirkungen eines Produktes vorherbestimmt. Die Expertinnen und Experten bei Quality Austria beschäftigen sich bereits seit acht Jahren mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und haben unter anderem in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität entsprechende Studien durchgeführt. Auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelte Quality Austria gemeinsam mit der Schweizer SQS das Circular Globe Label. Damit wird ein Leitfaden geboten, der auf einem vollkommen neuen Ansatz beruht.

Erstmals werden nicht einzelne Produkte auf ihre Kreislauffähigkeit untersucht, sondern das gesamte System eines Unternehmens. Das Circular Globe Label orientiert sich an der ISO-Normreihe 59000 zur Kreislaufwirtschaft und dient sowohl als Leitfaden als auch als Bewertungsmodell. Das innovative Label unterstützt Organisationen dabei, nachhaltige und zirkuläre Entscheidungen zu treffen und voranzutreiben. Abschließend betonte die Expertin Gahleitner: „Wir müssen nicht unser ganzes Leben auf einmal ändern, vielmehr müssen wir unser Ändern leben.“

Risiko- und Vulnerabilitätsanalyse als Ausgangspunkt für die Klimawandelanpassung

Ing. Friedrich Smida, BA, MA MA, qualityaustria Netzwerkpartner, Trainer und Auditor, und Stefan Holzheuser, MSc MSc, Regulations und Compliance Lead Central Europe, EcoAct, erörterten die Grundlagen von Risiko- und Vulnerabilitätsanalysen an den Standorten und in der Lieferkette sowie als Grundlage für Berichte bzw. Anpassungslösungen.

Weiters betonten sie die Wichtigkeit einer stetigen Weiterentwicklung des risikobasierten Denkens und Schaffen von Grundlagen für ein mögliches Business Continuity Management.

Die ISO 14090 und ISO 14091 zur Klimawandelanpassung stellen eine gute Ergänzung zum Verständnis der geforderten Vorgehensweise in der Taxonomie-Verordnung dar.

Bild v.l.n.r.: Ing. Friedrich Smida, BA, MA MA (qualityaustria Netzwerkpartner), Stefan Holzheuser, MSc MSc (EcoAct), DI Michael Schwingshackl (Quality Austria), DI Axel Dick, MSc (Quality Austria)

DI Andreas Ackerl, BSc, Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria, Leiter der EMAS Umweltgutachterorganisation, sieht in Produkt-Compliance die Basis gegen Greenwashing. ISO-Normen dienen dabei häufig als Grundlage für Produkt-Compliance und Konformität. Produkt-Compliance solle systematisch in der Organisation verankert werden, dadurch Risiken durch Schäden und Haftungen über den gesamten Produktlebenszyklus reduzieren wie auch ein Selbstverständnis für Organisationen entwickeln (u. a. mittels klarer, transparenter und nachvollziehbarer Aussagen zum langfristigen Vorteil von Organisationen).

Produkt-Compliance werde vor dem Hintergrund der Vermeidung von Greenwashing und Social Washing noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Bernhard Bachofner, MBA, CTO, Fiegl & Spielberger GmbH, sprach über die Digitalisierung von Daten und Indikatoren im Zuge der ab 2025 verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung. Bachofner zeigte Beispiele der automatischen Datenerfassung auf, wie z. B. bei Energie, Wasserverbrauch oder auch dem Pendelverkehr. Er präsentierte dabei auch eine Cloud-Plattform mit serverless Infrastruktur zur Analyse technischer ESG-Informationen, von der viele Betriebe profitieren können.

Mag. Claudia Kerpe, MSc, Leitung HR, Produktmanagement Compliance und Korruptionsbekämpfung, Quality Austria, informierte über die Rolle eines Compliance Managementsystems (CMS). CMS gelte als Antwort auf den globalen Wandel hinsichtlich eines fairen Miteinanders, dem Klimawandel, Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte.

Der Erfolgshebel liege in der Integration von Recht und Werteorientierung in einem Managementsystem. Im ISO-Managementwerkzeugkoffer findet sich dazu die ISO 37301.

Bild v.l.n.r.: Mag. Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc, qualityaustria Produktexperte, Claudia Kerpe, MSc (Quality Austria), DI Axel Dick, MSc (Quality Austria), 

Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc, qualityaustria Produktexperte Umwelt und Energie erläuterte die Rolle von internen Audits als wichtige Haltepunkte für die Bewertung der Wirksamkeit eines Managementsystems (ISO 19011). Ein entsprechendes allgemeines Wissen zu rechtlichen Aspekten und entsprechende Fertigkeiten ermöglichen ein „kompetentes Auditieren“ von gesetzlichen und behördlichen Anforderungen. Seine Präsentation mündete in der Formulierung der Kompetenzformel für das interne Auditieren von gesetzlichen und behördlichen Anforderungen. Diese umfasse z. B. Produkt-Compliance, Umwelt und Arbeitssicherheit sowie Anlagenrecht. Quality Austria hat dazu ein spezifisches Seminar entwickelt.

Was bringt die Zukunft?

Der Handlungsauftrag beim 9. qualityaustria Nachhaltigkeitsforum war klar. „Die Zukunft bringt auf jeden Fall Veränderung und es gibt für alle Beteiligten durchaus noch Hausaufgaben zu erledigen“, so Dick. Ob Digitalisierung, neue gesetzliche Anforderungen, Berichtspflichten oder Lageberichte – die Expertinnen und Experten von Quality Austria verfügen über Know-how, das im Kern integrierte ISO-Standards, EFQM und ESG umfasst. Aus bewährten Werkzeugen der Normungswelt hat Quality Austria in den vergangenen Jahren Audits, Assessments und Verifizierungen entwickelt und das eigene Trainingsangebot stetig ausgebaut. „Quality Austria ist heute viel mehr als ein Zertifizierungsdienstleister. Wir stehen den heimischen Unternehmen als Partner zur Verfügung, um gemeinsam erfolgreich die Zukunft zu gestalten und die nachhaltige Transformation proaktiv voranzutreiben“, so Dick abschließend.

Der abschließende Tipp von Axel Dick: „Schaffen wir ein gemeinsames Ziel und bauen dahingehendes Know-how auf.“ Nur so können letztendlich die Wechselbeziehungen und -wirkungen aus Strategien, Politik und Performance analysiert und im Idealfall in einem Integrierten Managementsystem vereint werden.

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