17. Mrz 2022

Das war das 27. qualityaustria Forum

Wie Unternehmen glück­liche Mit­arbeitende bekommen und Fett­näpfchen im Internet vermeiden

Ein Vieraugenprinzip bei heiklen Postings, ein „Truth-Sandwich“ gegen falsche Behauptungen sowie ein skandinavisches Modell für glücklichere und produktivere Mitarbeitende: Österreichs Qualitätsmanager*innen bekamen beim 27. qualityaustria Forum in Salzburg jede Menge Tipps von Internetexpertin Ingrid Brodnig und Glücksforscherin Maike van den Boom. Die neuen CEOs der Quality Austria – Mag. Christoph Mondl und Mag. Dr. Werner Paar – erklärten, welchen Beitrag Managementsysteme zum Gelingen des großen Ganzen leisten können. Spannende Inputs aus den Bereichen Innovation, Umwelt und Sicherheit lieferten weiters die qualityaustria Expert*innen Mag. Dr. Anni Koubek, DI Axel Dick, MSc und Eckehard Bauer, MSc.

Das qualityaustria Forum in Salzburg ist der alljährliche Fixtermin für Österreichs Qualitätsverantwortliche. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Our quality, my contribution: Digital, zirkulär, sicher“. Als Gastrednerinnen fungierten die Buchautorin und Internet-Expertin Ingrid Brodnig sowie die in Schweden lebende deutsche Glücksforscherin Maike van den Boom.

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Defensiv-Rolle vermeiden

„Falschmeldungen im Internet werden für immer mehr Unternehmen zum Problem“, erklärte Ingrid Brodnig. „Suchen Sie Verbündete bei Organisationen mit gleichen Interessen oder bei anderen Betroffenen und informieren Sie auch die Mitarbeitende über kursierende Gerüchte, damit diese bei Kund*innenanfragen richtig reagieren“, lautete eine der Empfehlungen der Expertin.

Manche Falschmeldungen werden deshalb so oft geteilt, weil sie Wunschdenken oder bestehenden Vorurteilen entsprechen. „Die Vorwürfe sollten natürlich entkräftet werden. Aber Falsches sollte man nicht überbetonen, weil man dadurch in die Defensive gerät und zu viel Aufmerksamkeit darauf lenkt“, so Brodnig. Viel wichtiger sei es, mit wissenschaftlich gesicherten Fakten zu argumentieren und das Richtige zu betonen.

Strategie gegen falsche Behauptungen

„Truth-Sandwich“ lautet eine der von Brodnig empfohlenen Strategien, um gegen falsche Behauptungen vorzugehen. Der Einstieg erfolgt dabei mit der Beschreibung des tatsächlichen Sachverhalts, dann wird das Unrichtige korrigiert und beim Ausstieg wird das Eingangsargument wiederholt. „Wenn Menschen eine Aussage öfter hören, ist die Chance größer, dass sie diese für wahr halten“, so Brodnig. Falls wilde Gerüchte oder Vorwürfe auf der Facebook-Seite eines Unternehmens gepostet werden, sollte man nicht überhitzt antworten. „Wägen Sie ihre Worte gut ab, werden Sie nicht beleidigend und setzen Sie auf ein Vieraugenprinzip, indem Sie in Social Media erfahrene Personen gegenlesen lassen“, rät die Expertin. Falls man beleidigende Posts löscht, sollte man diese zuvor dokumentieren.

Entscheidungen ohne Tabus hinterfragen

Glücksforscherin Maike van den Boom hatte aus ihrer Wahlheimat Schweden zahlreiche Erfolgsrezepte für glücklichere, kreativere und produktivere Mitarbeiter*innen mitgebracht. Statt fixer Abteilungen und klar definierter Aufgabenbereiche brauche es mehr Autonomie und Eigenverantwortlichkeit.

„Je mehr Freiheit und Diversität, desto eher findet man Lösungen. In Skandinavien wird alles ständig hinterfragt, inklusive der Autorität der Führungskraft und der Entscheidungen, die man am Vortag gemeinsam getroffen hat“, erklärte van den Boom. Der Norden lasse sich durch Unsicherheit kaum aus der Ruhe bringen. Deutsche und Österreicher*innen hingegen versuchen gerne alles zu kontrollieren. „Wir brauchen mehr selbstbewusste, mutige Menschen, die wissen, dass ihre Meinung zählt“, so die Expertin.

Belohnungen für Teams und nicht nur für Einzelpersonen

Aber wie holt man die Mitarbeitenden am besten mit ins Boot? „Mit Liebe zu den Menschen“, so die Glücksforscherin. Man müsse die Mitarbeiter*innen nicht nur fragen, wie es ihnen geht, sondern sich ehrlich für sie interessieren. Dazu gehören auch private Probleme, bei denen man sie nach Möglichkeit unterstützen sollte. „Wenn die eigene Katze krank ist oder jemand kurz vor der Scheidung steht, hat das natürlich Auswirkungen auf die Arbeitsleistung“, erklärt van den Boom. Es sei ein ständiges Geben und Nehmen. Die Aufgabe einer Führungskraft sei es nicht, Arbeiten zuzuteilen, sondern darauf zu achten, dass jede*r einzelne das eigene Potenzial zum Wohle des Unternehmens einsetzen kann. Belohnungen für gute Leistungen sollte es aber nicht nur für einzelne Personen geben, sondern für die Teams, damit diese sich gegenseitig anspornen.

Kontinuierliche Verbesserungsprozesse

Auf den Beitrag von Einzelpersonen zum Erfolg von Organisationen zielte auch die Argumentation von Mag. Christoph Mondl und Mag. Dr. Werner Paar ab, die im November 2021 gemeinsam die Geschäftsführung der Quality Austria übernommen haben. „Managementsysteme sind wichtig für die Weiterentwicklung von Unternehmen, um das große Ganze zu reflektieren und alle Teilbereiche einzubinden. Alle Prozesse und Abläufe müssen betrachtet werden“, erklärte Mondl (Bild links). „Reflect and change your running system. Kontinuierliche Verbesserungsprozesse sind heutzutage de facto ein Muss. Einmalig ein Managementsystem zu implementieren, reicht nicht mehr aus. Man muss die eigenen Handlungen vielmehr ständig hinterfragen“, plädierte Paar (Bild rechts).

„Hier muss auch eine neue ‚Wir-Verantwortung‘ von uns allen entwickelt und getragen werden: Alle müssen dabei Verantwortung für das Gelingen des Miteinanders – im privaten, beruflichen wie auch unternehmerischen Bereich – übernehmen“, so die beiden CEOs.

Auch auf die Informationsflut nahmen Mondl und Paar Bezug. Die globale Verfügbarkeit von Information führe zu massiven Wettbewerbsveränderungen wie auch Unsicherheiten. In diesem Zusammenhang werden das Vertrauen in Marken und die Glaubwürdigkeit von Zertifikaten und Auszeichnungen in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.

Digitalisierung beeinflusst Qualitätsmanagement und Arbeit von Qualitätsmanager*innen gleichermaßen

Mag. Dr. Anni Koubek, Business Developerin für Qualität und Innovation, Quality Austria, reflektierte in ihrem Vortrag die – durch die Digitalisierung angestoßenen – bevorstehenden Änderungen im Qualitätsmanagement. Die Digitalisierung verändert die Arbeitsweisen in vielen Unternehmen – Prozesse werden virtualisiert, automatisiert, intelligente Algorithmen eingesetzt und dadurch die Leistungsfähigkeit vieler Organisationen vervielfacht und beschleunigt. Diese Veränderungen zu begleiten, die Integration und Konformität der Prozesse und Systeme sicherzustellen, ist eine Herausforderung mit der Qualitätsmanager*innen konfrontiert sind. Qualitätsexpert*innen müssen sich demnach künftig verstärkt Themen wie der Sicherstellung der Datenqualität, Beherrschung von Datenanalysemethoden und einem breiteren Verständnis über die im Betrieb eingesetzten technische Systeme zuwenden.

Es gehe weiterhin darum, Daten und Fakten zu extrahieren, zu verstehen und Probleme zu lösen – nun aber mit neuen Werkzeugen. In Bezug auf die Frage, ob es neue Arbeitsformen benötige, meinte die Expertin Koubek: „Agile Methoden sind bereits als zusätzlicher Standard angekommen. Jedoch wird die Kernaufgabe im Qualitätsmanagement von morgen sein, Vertrauen in menschliche und technische Prozesse aufzubauen und die Kommunikation dazu sicherzustellen. Eine aktive Qualitätskultur ist dafür ein Muss“.

Dekade der Transformation: Kreislaufwirtschaft als Game Changer

DI Axel Dick, MSc, Business Developer für Umwelt und Energie, CSR bei Quality Austria, bezeichnete die gegenwärtigen, linearen „take-make-use-waste“-Wirtschaftsformen bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung, steigendem Ressourcenverbrauch und zunehmenden Umweltbelastungen als nicht zukunftsfähig. Die Lösung sieht der Experte im kreislauffähigen Wirtschaften und damit einhergehenden Änderungen in Produktentwicklung, Geschäftsmodellen und Partner*innenschaften.

Die europäische Politik habe mit Initiativen wie der EU-Taxonomie Verordnung, dem „Green Deal", den Sustainable Development Goals (SDGs) oder der jüngst veröffentlichten Kreislaufwirtschaftsstrategie bereits wesentliche Anhaltspunkte gesetzt. „Wir stehen am Beginn einer Dekade der Transformation. Nur mit einer Circular Economy bzw. darauf abgestimmten Produkten, Geschäftsmodellen und Dienstleistungen können wir die Klimaziele erreichen. Gleichzeitig werden so Produkte sicherer, das Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz unterstützt und Ressourcen bzw. Artenvielfalt geschützt“, ist sich der Experte sicher.

Mit Produkt- und Personenzertifizierungen wie zum Thema Cradle to Cradle® in Kooperation mit Albin Kälin, Pionier und CEO der EPEA Switzerland GmbH oder den neuen Circular Globe Assessments bzw. Trainingsangeboten bietet Quality Austria spezifische Dienstleistungen dazu an.

Pluralisierung anstatt singulärer Betrachtung

Über das Thema „Entscheidungen in Pluralisierungsprozessen“ sprach Eckehard Bauer, MSc, Business Developer für Sicherheitsmanagement, Business Continuity, Risiko, Security, Compliance und Transport, Quality Austria und versicherte: „Um ein Managementsystem zu bewirtschaften, bedarf es Menschen, welche in der Integration der Systeme plural denken und den Nutzen herausarbeiten.“

Dies bedeutet demnach, dass jedes Managementsystem eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit einer Organisation sei. Managementsysteme und deren systematische Lösungsansätze bilden sozusagen das Rückgrat einer Organisation und sind in Zeiten des vielfältigen Wandels ein wesentlicher Stabilitätsfaktor für Entscheidungsträger*innen entlang der Hierarchie einer Organisation.

Bildmaterial © Anna Rauchenberger

1_qualityaustria Forum v.l.n.r. Werner Paar (CEO Quality Austria), Ingrid Brodnig (Journalistin und Autorin), Maike van den Boom (Glücksforscherin), Christoph Mondl (CEO Quality Austria)

2_qualityaustria Forum Christoph Mondl (CEO Quality Austria)

3_qualityaustria Forum Werner Paar (CEO Quality Austria)

4_qualityaustria Forum Ingrid Brodnig (Journalistin und Autorin)

5_qualityaustria Forum Maike van den Boom (Glücksforscherin)

6_qualityaustria Forum Anni Koubek (Prokuristin Innovation, Business Development Zertifizierung Qualität, Quality Austria)

7_qualityaustria Forum Axel Dick (Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria)

8_qualityaustria Forum Eckehard Bauer (Prokurist Business Development für Sicherheitsmanagement, Business Continuity, Risiko, Security, Compliance und Transport, Quality Austria)

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