25. Nov 2015

23 Jahre nach dem Nachhaltigkeitsgipfel von Rio de Janeiro – Quo Vadis

Klimawandel managen – geht das? Was bringt die 21. Klimaschutzverhandlung in Paris? Werden wir ohnehin  „alle gebraten, gegrillt, getoastet“?

Der Nachhaltigkeitsgipfel im Jahre 1992 war eine Weichenstellung für viele Entwicklungen und gab wesentliche Impulse für die Entwicklung von Umweltmanagementsystemen wie    EMAS, ISO 14001 oder auch FSC und PEFC. Viel wurde erreicht, die Anzahl der EMAS Begutachtungen, der ISO 14001, FSC und PEFC Zertifizierungen sind weltweit stetig angestiegen.

Die Umweltmanagementzertifizierung hat in knapp 20 Jahren deutlich über 300.000 Zertifizierungen hervorgebracht. Der ISO Survey meldete für die ISO 50001 von 2013 auf 2014 einen weltweiten Anstieg um 40%. Viel erreicht, aber ist es trotzdem nur ein Tropfen auf dem heißen Stein? Die aktuelle Umsetzung des Bundesenergieeffizienzgesetzes in Österreich wird die Energieeffizienz weiter fördern.

Am 30. November 2015 werden die 21. Klimaschutzverhandlungen mit tausenden Delegierten in Paris beginnen und werden bis zum 11. Dezember 2015 dauern. Die Erwartungen sind vielerorts hoch, andere sagen „wieder leere Kilometer und jede Menge heißer Luft“. Ziel ist es, die globale Temperaturerhöhung auf +2 Grad Celsius einzudämmen und auf diese Weise den Veränderungsdruck auf die Umwelt und die Menschheit erträglich zu gestalten.

 

Positive Signale und mahnende Worte!

Positive Signale für den Klimaschutz sind die Umwelt-Enzyklika des Papstes sowie sein Auftritt vor Kurzem vor dem amerikanischen Kongress, das macht ein wenig Mut. Die kritischen Aussagen des Chefs der Internationalen Energieagentur, Fatih Biroh, dass in den nächsten Jahren das Einsparen von Öl weltweit DAS große Thema wird, regt zum Nachdenken an. Auch hat Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber erst kürzlich mit der Schlagzeile „wenn wir Klimaschutz verschieben, wird das enorm teuer“ auf das Thema aufmerksam gemacht. IWF-Chefin Lagarde äußerte sich am 08. Oktober 2015 mahnend zum Klimaschutz: "Wir werden alle gebraten, gegrillt, getoastet."

 

2015 ist rekordverdächtig, aber können wir uns über diese Rekorde freuen?

Die Anzahl der Tropentage im Sommer 2015 war rekordverdächtig, nicht nur in Österreich. Die aktuellen Temperaturen im November machen das Heizen fast überflüssig und erinnern eher an einen Frühling, wäre da nicht das Herbstlaub.

 

Hagel- und Dürreschäden auf Rekordniveau

„Von insgesamt 1.162.379 Hektar gesamt genutzter landwirtschaftlicher Fläche in Österreich sind im Jahr 2015 50.000 Hektar durch die Dürreperioden in Mitleidenschaft gezogen“, informierte die Hagelversicherung im späten Sommer.

 

Gletscherschwund erreicht Rekordwert

So titelte der Kurier am 04. August 2015: World Glacier Monitoring warnt vor dem starken Rückgang der Gletscher. Die Eisdicke von beobachteten Gletschern nimmt jährlich im Durchschnitt um einen halben bis zu einem ganzen Meter ab. Am 18. August 2015 berichtete der Kurier weiter: Die Hitzewellen im Sommer 2015 ließ die Wälder Österreichs nicht unverschont! Von der Jahresholzernte von 1,5 Millionen Festmetern wird ein Schadholzanteil von 60% prognostiziert. Für die Forstwirtschaft heißt das Alarmstufe eins. Der ÖBf arbeite intensiv an der Anpassung der Wälder an das Klima. Vor allem Nadelhölzer sind durch die Hitzewellen stark betroffen, da das warme Wetter ideal für Borkenkäfer ist. Abgestorbene Fichten sollen zukünftig durch die resistentere Art der Douglasie ersetzt werden! Ebenfalls sollen sowohl Tannen als auch Lärchen das Landschaftsbild in den Niederungen in den nächsten Jahren prägen.

 

El Nino wird durch Erderwärmung verstärkt

Das gefürchtete Klimaphänomen El Nino ist nach Expertenangaben mit voller Wucht zurückgekehrt. Experten schlagen aktuell Alarm: Das Klimaphänomen wird  sich zum Jahresende wahrscheinlich noch verstärken und im Südpazifik zu extremen Wetterlagen mit womöglich schlimmen Folgen für die Anrainerstaaten führen, warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Montag, 16. November 2015 in Genf. "Dieser El Nino ist der stärkste seit mehr als 15 Jahren", sagte WMO-Generaldirektor Michel Jarraud. "Die tropischen und suptropischen Zonen erleben bereits schwere Dürreperioden und zerstörerische Überschwemmungen, die den Stempel El Ninos tragen." Ein Grund dafür, dass das Phänomen immer stärker wird, ist laut Jarraud die Erderwärmung, die maßgeblich durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursacht wird. "Die globalen Durchschnittstemperaturen haben neue Rekordwerte erreicht und El Nino facht diese noch weiter an." Der spanische Begriff steht hier für "Nino Jesus", das Christkind. (Anmerkung: Das Phänomen wurde so genannt, weil Auswirkungen davon oft in der Weihnachtszeit vor der südamerikanischen Pazifikküste auftreten.)

 

Erster Sachstandsbericht über den Klimawandel in Österreich belegt Veränderungen

Der Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat im September 2014 erstmals einen umfassenden Sachstandsbericht über den Klimawandel in Österreich veröffentlicht. Er umfasst drei Bände mit je sechs Kapiteln und über 1.000 Seiten. Global ist die Temperatur um 0,85 Grad Celsius gestiegen. In Österreich ist die Temperatur aber bereits seit 1880 um nahezu 2 Grad Celsius gestiegen! In Österreich ist die Hälfte des Temperaturanstiegs seit 1980 eingetreten. Ein weiterer Temperaturanstieg in Österreich ist sehr wahrscheinlich zu erwarten. D. h. während es das globale Ziel ist, die Temperaturerwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, haben wir in Österreich die Zielgrenze bereits erreicht. Die Niederschlagsentwicklung in den letzten 150 Jahren zeigt deutliche regionale Unterschiede. Während in Westösterreich eine Zunahme der Niederschläge um 10 bis 15 Prozent registriert wurde, sind die Niederschläge im Südosten in ähnlicher Größenordnung zurückgegangen. Alle vermessenen Gletscher in Österreich haben seit 1980 deutlich an Fläche und Volumen verloren. Temperaturextreme haben sich verändert. Kalte Nächte werden seltener, heiße Tage hingegen häufiger.

 

Auswirkungen des Klimawandels in Österreich

Die ökonomischen Auswirkungen extremer Wetterereignisse in Österreich sind bereits jetzt erheblich und haben in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen. In Gebirgsregionen nehmen Rutschungen, Muren, Steinschlag und andere gravitative Massenbewegungen (z. B. Lawinen) deutlich zu. Die Waldbrandgefahr wird zunehmen, aktuell wurde im November vor der Waldbrandgefahr im Bundesland Salzburg gewarnt. Witterungsabhängige Branchen werden unmittelbar betroffen sein: Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasser- und Energiewirtschaft, Tourismus, Gesundheit und Verkehr. Mittelbar werden vor- und nachgelagerte Sektoren betroffen sein. Laut Studienautoren ist davon auszugehen, dass Anpassungsmaßnahmen die negativen Folgen abmildern können jedoch nicht vollständig ausgleichen können. Der Klimawandel ist Fakt. In der Biodiversitätsstrategie 2020+ wird der Klimawandel als wesentliche Gefährdung der Biodiversität (Artenvielfalt) gesehen.

 

Blick nach vorne - Die ISO 50001 ist auch eine ‚Klimanorm´

Energie- und Materialeffizienz zählten dann auch zu den 2007 vom Weltklimarat definierten acht Schlüsselstrategien. Ziel des Bundesenergieeffizienzgesetzes (EEffG) ist es ebenfalls, die Ressourceneffizienz zu steigern und die Versorgungssicherheit in Österreich zu stärken. Die neue ISO 14001:2015 fordert, den Lebensweg der Produkte und Dienstleistungen unter die Lupe zu nehmen und die Supply Chain aus dem Blickwinkel des möglichen Footprints zu optimieren.

Da die Zielsetzungen der ISO 14001, der EMAS-Verordnung und der ISO 50001 die Verbesserung der Umweltleistung und der Energieeffizienz sowie die Reduktion von Treibhausgasemissionen und anderer Umweltauswirkungen sind, sind diese auch vom EEffG anerkannte Managementinstrumente. Herzstück der ISO 50001 ist der so genannte Energieplanungsprozess, der die systematische Grundlage für ein künftiges Energiemonitoring schafft und Einsparungspotentiale erkennen lässt. Die ISO 50001 ist daher auch eine ‚Klimanorm‘!

 

Das Geld liegt auf der Straße

Wie das 2. qualityaustria Umwelt- und Energieforumgezeigt hat, ist der Gesamtnutzen eines Managementsystems - bis 2020 betrachtet - mindestens um den Faktor 2 bis 3 höher als die Gesamtkosten. Die Praxis macht weiter deutlich, dass Managementsysteme einen umfassenderen und nachhaltigeren Nutzen aufweisen als die vom EEffG ebenfalls akzeptierten externen Energieaudits. Diese vom EEffG geforderten Energieaudits sind gute Ist-Analysen und stellen einen ersten wichtigen Schritt dar. Es ist zu vermuten, dass viele verpflichtete Unternehmen das Audit zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen machen und dann allerdings – mangels Ressourcen – die erkannten Potentiale oftmals ungenutzt lassen. „Das Geld liegt auf der Straße! Heben Sie es auf!“ lautete der Weckruf beim 2. qualityaustria Umwelt- und Energieforum – denn 10 bis 20% der Energiekosten lassen sich einsparen, das ist der Tenor aus Beratungen, Energieaudits und Studien.

 

Wichtige nächste Schritte – und auf keinen Fall stehen bleiben

Unternehmen, die sich heuer aufgrund von Ressourcenknappheit auf das Energieaudit konzentriert haben, sind daher gut beraten, hier entsprechende Strukturen, Prozesse und Kompetenzen zur nachhaltigen Umsetzung zu schaffen. Die Managementsysteme sind auch die wirkvolleren Instrumente, um die „2020 Ziele“ zu erreichen. Erfolgsfaktor bei der Umsetzung: „Nehmen Sie die Mitarbeiter frühzeitig mit, denn sie sind der Schlüssel zum Erfolg!“ Studien bestätigen, dass Energieeffizienz nicht nur eine Frage des Standes der Technik ist, sondern auch eine Frage der Unternehmenskultur.

Unabhängig, zu welchem Ergebnis man in Paris kommt, steht fest: Wir müssen einerseits handeln, andererseits bieten sich hier auch Chancen für eine bessere Zukunft und für wirtschaftlichen Erfolg von morgen. Jede eingesparte Kilowattstunde steigert den Gewinn und hilft, den stattfindenden Wandel vielleicht erträglicher zu gestalten. Managementsysteme dienen der Steuerung von Organisationen, zeigen Potentiale und Verbesserungen auf und fördern die systematische und konsequente Umsetzung. Im „Kleinen“ (Organisation) lässt sich der Wandel zu mehr Energieeffizienz managen und trägt damit zum „großen Ganzen“ (Weltklima) entsprechend bei.

Quality Austria begleitet Sie hier in der Ausbildung wie zum Systemmanager Umwelt, Energiebeauftragten oder zum internen Energieauditor und in der Systemzertifizierung nach ISO 14001:2015 sowie ISO 50001 und/oder EMAS-Begutachtungen.

Wie unterstützen Umwelt- und/oder Energiemanagementsysteme Organisationen seit Anfang der 1990er Jahre beim Meistern von umweltrelevanten Herausforderungen?

  • Umwelt- (ISO 14001EMAS-VO) und Energiemanagementsysteme (ISO 50001verfolgen folgende Ziele:
    • Verbesserung der Umweltleistungen
    • Einhaltung relevanter Rechtsvorschriften
    • Vermeidung von Umweltbelastungen
    • Verbesserung der Energieeffizienz
    • Reduktion der Treibhausgasemissionen  und anderer Umweltauswirkungen
    • Reduktion der Energiekosten
  • Das Top-Management verpflichtet sich zur Einhaltung der angeführten Ziele.
  • Zertifizierte Organisationen kennen ihre Umweltaspekte und somit Auswirkungen und berücksichtigen diese nicht nur im operativen Geschäft sondern bereits in der Planungsphase.
  • Durch das Erstellen von Programmen gelingt es die Umweltleistungen ständig zu verbessern.
  • ISO 50001 (Anforderungen an ein Energiemanagementsystem) zertifizierte Organisationen kennen ihre Energiebilanz und können somit ihren CO2-Fußabdruck berechnen.
  • Das Top-Management vergewissert sich regelmäßig im Zuge der Managementbewertung, inwieweit das Managementsystem wirksam ist die Ziele und Verpflichtungen zu erreichen bzw. umzusetzen.
  • Der Umweltleistungsgedanke ist somit nachhaltig in den Organisationen verankert (im Vergleich dazu stellen Energieaudits – gefordert als Alternative im Energieeffizienzgesetz - nur Einmal- bzw. Zweimaleffekte dar).

Autoren

Team

Herr DI Axel Dick, MSc

Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR

Netzwerkpartner*in

Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

Ansprechpartner

Team

Herr DI Axel Dick, MSc

Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR

Netzwerkpartner*in

Herr Ing. Wolfgang Hackenauer, MSc

Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie

Netzwerkpartner*in

Herr DI Peter Sattler, MAS

Netzwerkpartner, Produktexperte FSC CoC, PEFC CoC und ISO 38200

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