03. Okt 2022

Wann, wenn nicht jetzt?

5 Tipps für KMU zur Erhöhung der Energie­effizienz

Die hohen Energiepreise, neue politische und rechtliche Rahmenbedingungen aber auch ein steigendes Umweltbewusstsein machen immer mehr Organisationen, darunter häufig Klein- und Mittelbetriebe, zu schaffen und das Bewusstsein, dass Energie kein unendliches Gut ist, ist in den letzten Monaten gewachsen.

Bei den weiter extrem steigenden Energiekosten und zunehmend verheerenden Naturkatastrophen wird es immer wichtiger, so umweltfreundlich und energiesparsam wie möglich zu handeln – und im Unternehmenskontext auch entsprechend zu wirtschaften. Das reduziert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, schont den Geldbeutel und fördert den Klimaschutz.

Der bei Quality Austria für Umwelt, Energie und CSR zuständige Business Developer Axel Dick erklärt, worauf KMU in der derzeitigen Situation achten sollten, um Energie zu sparen und warum Managementsysteme – etwa im Bereich ISO 50001 (Energiemanagement) oder ISO 14064 (Treibhausgasbilanzierung) – nicht nur die Energieeffizienz erhöhen und den Energieverbrauch senken, sondern auch noch die Treibhausgas-Emissionen und Kosten verringern. „Die Anfragen – vor allem zur ISO 14064 – nehmen aktuell stark zu, sowohl für Trainings, Inhouse-Trainings als auch für mögliche Verifizierungen“, so der Experte.

1) Schnelle Betriebsoptimierungsmaßnahmen umsetzen

Mit einigen Sofortmaßnahmen können bereits mehrere Prozent an Energie eingespart werden. Das Spitzenlastenmanagement kann unter Umständen noch optimiert werden, denn der Einkauf der Spitzenlast stellt einen Kostenfaktor dar. Aber auch die Vermeidung eines Standby-Betriebs hat ökologische, volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Nutzenfaktoren: Allein in Österreich werden über den Standby-Modus 811 Millionen Kilowattstunden pro Jahr verschwendet – das entspricht der Arbeitsleistung eines Donaukraftwerks oder auch unnötigen Stromkosten von 150 Millionen Euro pro Jahr.

Selbst in Büros oder zu Hause können Ein- und Ausschaltzeiten optimiert werden, z. B. bei Computer, Bildschirmen, Fernsehgeräten oder Druckern, indem diese entweder richtig abgeschaltet oder durch das Vorschalten von Zeitschaltuhren besser „getimed“ werden. Ein plakatives Beispiel: Würden etwa alle in Österreich lebenden Personen den Standby-Stromverbrauch vermeiden, könnte fast der dreifache jährliche Haushalts-Stromverbrauch der Stadt Salzburg eingespart werden. Das gilt selbstverständlich genauso für Betriebe (siehe hier).

In einem ersten Schritt sollten also Energiefresser in den Betrieben identifiziert werden. Wo gibt es Einsparpotenziale (z. B. bei Licht, Produktion, Beheizung)? Die Beleuchtung in Büros kann etwa bis zu 50% ausmachen und in gewerblich genutzten Räumlichkeiten entfallen bis zu 22% der Stromkosten auf den Faktor ‚Beleuchtung‘. Mithilfe von Bewegungssensoren oder LED-Technik kann der Stromverbrauch erheblich minimiert werden. Um bereits beim Einkauf neuer Produkte und Geräte energieeffizient zu handeln, können ausformulierte Beschaffungsrichtlinien helfen.

2) Energiemanagementsysteme implementieren und das Thema „Energieeinsatz“ strategisch angehen

Der Schwerpunkt eines Energiemanagementsystems, z. B. nach ISO 50001, liegt klar beim jeweiligen Energieeinsatz des Unternehmens. Hier geht es um einen systematischen und zielorientierten Ansatz, um den Energieeinsatz zu optimieren. Grundlage dafür ist eine saubere Ist-Analyse, auf welcher der Energieplanungsprozess aufbaut (inkl. Festlegungen von Zielen, Maßnahmen, Ressourcen und Verantwortlichkeiten sowie einer Prüfung auf wirksame Umsetzung). Damit legt man den Grundstein für die fortlaufende Verbesserung. Jene Unternehmen, die mit der ISO 50001 schon vor ein paar Jahren begonnen haben, haben aktuell bessere Voraussetzungen, die derzeitigen Herausforderungen zu managen. Mit der ISO 50001 – dem Herzstück des Energieplanungsprozesses – legen die zertifizierten Unternehmen auch eine solide Basis für die Erstellung von Treibhausgasbilanzen, die zunehmend gefordert und nachgefragt werden.

Axel Dick führt weiter aus: „Hier empfehlen wir als normative Grundlage die ISO 14064, da sie in der EU-Taxonomie-Verordnung zum Umweltziel Klimaschutz auch explizit referenziert wird.“

Eine Verifizierung nach ISO 14064 Teil 1 und 2 ermöglicht Unternehmen zudem eine Verifizierung ihrer Treibhausgase (THG) und eine Verbesserung der THG-Bilanz auf der Organisations- oder Projektebene.

3) Auf Förderungen achten

Was so manches KMU eventuell nicht weiß: Energiemanagementsysteme sind nicht nur etwas für große Unternehmen. Derzeit gibt es sogar spezielle Förderungen für KMU, mit denen jedes Unternehmen bis zu 50.000 Euro Zuschuss bei Einführung eines Energiemanagementsystems erhält. Gefördert werden branchenunabhängig von aws (Austria Wirtschaftsservice GmbH) alle in Zusammenhang mit der Einführung eines Energiemanagementsystems verbundenen Kosten wie für Beratungen, Schulungen oder Zertifizierungen.

4) Team bilden

Für etwaige Energieeffizienzbestrebungen ist es hilfreich, wenn im Unternehmen ein Team mit den diversen Agenden betraut ist. So wird sichergestellt, dass sämtliche Prozesse zentral von einer Stelle strategisch geplant, implementiert und laufend verbessert werden. Energiebeauftrage z. B. erstellen Energiebilanzen, erkennen Einsparpotenziale, planen und setzen Maßnahmen um und schreiben so den Energieplanungsprozess fortlaufend fort. Gleichzeitig benötigt es aber das Commitment der Führungskräfte und deren dahingehende Vorbildwirkungen.

5) Mitarbeitende sensibilisieren

Ein Managementsystem im Bereich Energie oder Energiebeauftragte können einen positiven Effekt von innen betreiben und einen wesentlichen Teil zur Bewusstseinsbildung beitragen. Dies kann sich in einer verstärkten Mitarbeiter*innenmotivation äußern, da alle an einem Strang ziehen und dies als Markenbotschafter*innen auch nach außen tragen.

Auch stetige Auseinandersetzungen mit dem Thema, das kontinuierliche Hinterfragen eigener Handlungen sowie das gemeinsame Reflektieren (u. a. dass etwa Geräte zu Feierabend ausgeschalten werden, ob die Klimaanlage bzw. Heizgeräte tatsächlich auf höchster Stufe laufen müssen) sind wichtig, um die Personen vom direkten Nutzen bzw. den Chancen puncto Energiesparen zu überzeugen.

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Unser Branchenexperte & Ihr Ansprechpartner

Team

Herr DI Axel Dick, MSc

Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR

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