14. März 2024

Das war das 29. qualityaustria Forum

Im Spannungs­feld zwischen KI und Digitalisierung bleibt die Qualität menschlich

Bild v.l.n.r. Dr. Werner Paar (Co-CEO Quality Austria), Univ.-Prof. Dr. Isabell Welpe, Mag. Christoph Mondl (Co-CEO Quality Austria) © Anna Rauchenberger

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KI und Digitalisierung sind für viele heimische Betriebe die drängendsten Herausforderungen, wenn es um die Transformation interner Prozesse geht. Beim 29. qualityaustria Forum beleuchteten Expertinnen und Experten, wie Unternehmen mit den Entwicklungen einer komplexen Welt schritthalten können. Das Fazit: Die eierlegende Wollmilchsau bleibt Wunschdenken, die Antwort auf aktuelle Herausforderungen ist die von Menschen gesteuerte Qualität als zeitloser Tausendsassa.

Einmal im Jahr lädt der heimische Zertifizierungsdienstleister Quality Austria Wirtschaftstreibende und Entscheidungsträger*innen zum Austausch in den Salzburg Congress, um gemeinsam mit Expert*innen aktuelle Herausforderungen zu beleuchten und Lösungswege aufzuzeigen. Beim 29. qualityaustria Forum nahmen mehr als 500 Gäste vor Ort teil, rund 500 Interessierte waren online zugeschaltet und verfolgten die Einblicke der Vortragenden vor den Bildschirmen.

„Qualität beginnt damit, Herausforderungen aufzuzeigen und hinzuschauen. Mit dem qualityaustria Forum schaffen wir eine Bühne für aktuelle Themen und öffnen den Raum für einen Austausch mit hochkarätigen Expertinnen und Experten“, sagte qualityaustria Co-Geschäftsführer Dr. Werner Paar. „Verschiedene Sichtweisen sind wichtig und erzeugen das notwendige Gesamtbild, um eine nachhaltige Transformation auf allen Ebenen zu ermöglichen“, ergänzte qualityaustria Co-Geschäftsführer Mag. Christoph Mondl.

Qualität bleibt in menschlicher Hand

„Wir werden unsere Arbeitsplätze nicht an KI verlieren, sondern an Menschen, die KI nutzen“, sagte Univ.-Prof. Isabell Welpe. Die Expertin für Führung, Strategie und Organisation an der TU München gab zu bedenken, dass die Leistung von KI aktuell noch stark schwanke und unvorhersehbar sei. KI könne aber den Fachkräftemangel mindern, wenn Mitarbeiter*innen durch ihren Einsatz produktiver werden. „KI stellt auch die Art und Weise, wie wir Führung verstehen, auf den Prüfstand. Ich sehe KI als Werkzeug, das uns ermöglicht, effizientere Entscheidungen zu treffen, Arbeitsabläufe zu optimieren und datenbasierte Einblicke ins Geschäft zu geben. Dadurch können sich Führungskräfte auf strategischere und sozialere Aufgaben konzentrieren“, sagte Welpe. Laut Welpe wird KI in naher Zukunft aber nicht die Übernahme von Verantwortung, soziales Kapital, persönliche Begegnungen und Vertrauen ersetzen können.

Das Menschenbild und die menschliche Haltung sind auch für den erfolgreichen Podcaster für Transformationsthemen, Frank Eilers, das Fundament für eine nachhaltige Zukunft. „Das Miteinander, also die Kooperation zwischen Mensch und KI, ist der Schlüssel für den Unternehmenserfolg und gleichzeitig Garant für Qualität“, so der Transformationsexperte. Anstatt uns vor neuen Technologien zu fürchten, sollten wir die Chancen der KI nutzen und gleichzeitig auf die menschliche Schaffenskraft vertrauen.

Bild v.l.n.r. Dr. Werner Paar (Co-CEO Quality Austria), Frank Eilers (Podcaster und Transformationsexperte), DI Axel Dick, MSc, (Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR/ESG, Quality Austria) © Anna Rauchenberger

„Wir stehen noch ganz am Beginn einer Entwicklung, die unvorhersehbar ist. Aktuell kann KI ihr volles Potenzial nur im Zusammenspiel mit Menschen voll ausschöpfen“, sagte Welpe abschließend.

KI ist kein ungebetener Überraschungsgast

„Niemand weiß, wie die Welt in den nächsten Jahren aussehen wird, aber wir können aus der Vergangenheit und der Gegenwert Denkanstöße ableiten. Wenn wir uns ansehen, wie digitale Elemente Märkte und Unternehmen verändern, dann war KI der nächste logische Schritt“, sagte Eilers. Der Experte riet den Teilnehmenden, ganzheitlich zu denken und ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass Ökonomie, Ökologie und Soziales mit all ihren technologischen Entwicklungen ineinandergreifen. „Es geht um die Unternehmenskultur. Wenn Werte auf dieser Kultur basieren und konsequent auf unterschiedlichen Ebenen umgesetzt werden, führt das zwangsläufig zu mehr Qualität,“ so Eilers.

Dass KI nicht plötzlich passiert ist, zeigen auch die Zahlen. In Österreich gibt es bereits über 300 KI-Anbieter, die Lösungen für fast alle Branchen und Unternehmensfunktionen anbieten. Clemens Wasner, Gründer des AI-Start-ups Enlite AI: „Für KMU gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, die oftmals keine speziellen Kenntnisse erfordern. Die andere Seite ist die Rechtssicherheit, die ich von der europäischen KI-Verordnung erwarte.“

Bild v.l.n.r. DI Marisa Offner (Leitung Marketing Communications Quality Austria), Dr. Werner Paar (Co-CEO Quality Austria), Clemens Wasner (Gründer Enlite AI) © Anna Rauchenberger

Integrierte Managementsysteme: Qualität ganzheitlich betrachten

In einer komplexen Welt funktionieren einfache Lösungen nicht mehr. Um qualitativ hochwertige Produkte herzustellen oder Dienstleistungen anzubieten, müssen Unternehmen heute sämtliche Einflussfaktoren berücksichtigen. KI und Digitalisierung sind zwar drängende, aber nicht die einzigen Themen.

„Qualität schaffen wir heute nur, wenn wir vielschichtig denken, die internen und externen Zusammenhänge und Abhängigkeiten betrachten und sowohl neue als auch bewährte Technologien in Hinblick auf ihre Effizienz nutzen. Qualität muss multiperspektivisch gesehen werden und aus einem Guss kommen. Integrierte Managementsysteme bündeln alle Unternehmensbereiche und ermöglichen ein Zusammenspiel sämtlicher Faktoren des Qualitätsmanagements“, sagte Innovationsexperte und qualityaustria Netzwerkpartner Markus Reimer.

Dr. phil. Markus Reimer (Innovationsexperte und  Netzwerkpartner Quality Austria© Anna Rauchenberger

Qualität als richtungsweisendes Fundament

Wie sich Unternehmen bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten und in einem herausfordernden Umfeld die Qualität hochhalten können, beleuchtete beim 29. qualityaustria Forum außerdem Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger (Leiter des Zentrums für Pathobiochemie und Genetik, Medizinische Universität Wien). Dietmar Hammerer (Managing Director Fruits, RAUCH Fruchtsäfte GmbH & Co OG) und DI Martin Weger (Bereichsleiter Produktion Großmaschinen, ENGEL Austria) gaben praxisorientierte Einblicke in die renommierten Unternehmen.

Weger erörterte u. a. die vier Grundsätze für Nachhaltigkeitsinitiativen und unterstrich, dass Nachhaltigkeit ganzheitlich gesteuert werden muss und nicht mit den Unternehmensgrenzen endet. Hammerer legte den Teilnehmenden den ausbildungsbegleitenden Pfad bzw. Kompetenzprozess nahe, der von der Stellenausschreibung als Single Point of Truth hin zur Dokumentation reiche (inkl. kontinuierlichen Reviews und Beförderungen).

Bild v.l.n.r. Dietmar Hammerer (Managing Director Fruits, RAUCH Fruchtsäfte GmbH & Co OG), DI Martin Weger (Bereichsleiter Produktion Großmaschinen, ENGEL Austria), Mag. Christoph Mondl (Co-CEO Quality Austria) © Anna Rauchenberger

DI Axel Dick, MSc und Mag. Anneli Fischer, MSc (beide Quality Austria) gingen auf die vielen Entwicklungen und Begrifflichkeiten im Bereich ESG (Environmental, Social, Governance) sowie deren Bedeutungen für heimische Unternehmen und Organisationen ein – darunter auch wesentliche Empfehlungen für die Jahre 2024 bis 2026.

Einig waren sich die Vortragenden und Teilnehmenden am Ende darin, dass die Qualität sowohl Basis als auch Ziel sein muss. Als Tausendsassa unserer Zeit bildet die Qualität ein stark verankertes Fundament, fungiert gleichzeitig als richtungsweisender Kompass und hält so Betriebe zukunftsfit.

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Bild v.l.n.r. Dr. Werner Paar (Co-CEO Quality Austria), Mag. Anneli Fischer, MSc (Leitung ESG Quality Austria), Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger (Medizinische Universität Wien), Mag. Christoph Mondl (Co-CEO Quality Austria) © Anna Rauchenberger

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